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ATOMMÜLL
STOPPEN!
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Heidelberg,
Karlstorbahnhof | Rockenhausen
Castor
in Heidelberg (21.03.2002)
Wir
hatten es angekündigt: Es rollen wieder Castoren. Die,
von denen damals die Rede war (und die übrigens entgegen
der damaligen Behauptung nicht nach La Hague, sondern nach Sellafield
fahren), kamen in der Tat in der Region durch, genauer sogar
in Heidelberg selbst. Gegen 16 Uhr heute rollte der Zug -- drei
Castoren mit vorgespanntem Grenzschutzwagen -- am Karlstor druch.
Dass
er rollte und nicht stoppte hatte seinen Grund in der Präsenz
entschlossener Polizei mit vier und zwei Beinen -- offenbar
blieben die mobilisierenden Telefongespräche im Vorfeld
nicht unbelauscht. So konnten zwar sechs Leute auf die Schienen
kommen, waren aber recht schnell wieder unten -- oder eher oben,
nämlich auf dem Parkplatz, denn der Staatsgewalt schien
das Risiko, Leute auf dem Bahnsteig stehen zu haben, zu groß.
Trotz der teilweise recht unkontrolliert wirkenden Hunde gab
es bei der Schienenräumung keine Verletzten. Umgekehrt
stand, so wollen es Gerüchte wissen, der Zug zehn Minuten
lang irgendwo im Neckartal, um die Klärung der Situation
am Karlstor zu abzuwarten.
Obwohl
nur rund eine Stunde Zeit blieb, nachdem es klar wurde, dass
der Castor die Neckarroute nehmen würde, waren rund zwanzig
Leute durch Regen und Hochwasser gekommen. Schon deshalb waren
einige Anwesende empört, dass sich die Bahn schon wieder
traut, Castoren durch Heidelberg fahren zu lassen. Wer es Bahn
und Polizei nächstes Mal auch etwas schwerer machen möchte,
kann sich an die Redaktion wenden. Wir leiten eure Anfrage an
die Castorgruppe (die sich übrigens immer Montags um 19
Uhr im Karlstorbahnhof trifft) weiter, die euch dann beim nächsten
Mal hoffentlich rechtzeitig informieren wird.
Dazu
die Rhein-Neckar-Zeitung:
Region in Aufregung: "Der Castor kommt!"
Problemlos
rollte der Castor-Transport gestern durch Heidelberg

Ruhig und
beinahe unbemerkt rollte gestern durch den Bahnhof Neckargemünd.
Foto: Alex
Rhein-Neckar.
(sk) Beinahe hätte der Bürgermeister gar nichts davon
mitbekommen. Kurz vor 16 Uhr rollte gestern der Castor durch
Meckesheim - und Hans-Jürgen Moos wusste nur durch Zufall
davon. "Ich war am Morgen auf dem Polizeirevier, und da
hieß es: Der Castor kommt."
Und
er kam tatsächlich: Drei Behälter aus Neckarwestheim,
um 14.15 Uhr mit dem Zug in Walheim gestartet. Ihr Ziel: die
Wiederaufbereitungsanlage im britischen Sellafield. Erstmals
seit der Wiederaufnahme der Castor-Transporte vor drei Jahren
fuhr ein Zug mit den Atommüllbehältern durch den Odenwald
und am Neckar entlang, streifte unter anderem Meckesheim, Neckargemünd,
Heidelberg und Mannheim. Um 16 Uhr erreichten die Waggons die
Universitätsstadt am Neckar, um 16.35 Uhr meldete dann
Mannheim: Alles okay, der Castor ist durch.
Dabei
hatte es am Heidelberger Karlstorbahnhof zunächst so ausgesehen,
als könnten Atomkraftgegner den Zug mit der roten DB-Diesellok
hier aufhalten. Rund 20 Aktivisten wollten die Wagen mit einer
Sitzblockade aufhalten. Polizei und Bundesgrenzschutz konnten
die Leute überreden, die Gleise zu verlassen. "Wir
wollten den Zug nicht zur Notbremsung zwingen", meinten
die Aktivisten. Wie Reinhold Seene von der Landespolizeidirektion
Karlsruhe der RNZ mitteilte, stellte der BGS die Personalien
von sieben Atomgegnern fest. 100 Beamte der Polizei Nordbaden
waren aus Heidelberg und Mannheim ausgeströmt, um den Transport
mit den abgebrannten Brennelementen zu schützen. Größere
Zwischenfälle gab es nicht, so Seene.
Doch
die Demonstranten wussten immerhin, was man Hans-Jürgen
Moos und den anderen Bürgermeistern der Region offenbar
verschwiegen hatte: dass der Transport von Neckarwestheim durch
Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fahren würde,
um im Saarland auf drei Züge aus dem Norden zu treffen.
"Wir haben uns diesmal aus logistischen Gründen für
diese Strecke entschieden", sagte Polizeisprecher Seene.
Sonst seien die Züge aus Neckarwestheim nämlich nicht
durch die Region Neckar-Odenwald gerollt, sondern hätten
sie großräumig umfahren.
Bürgermeister
Moos, der in Meckesheim gestern mit dem Hochwasser zu kämpfen
hatte, störte indessen nicht, dass er beinahe nichts von
all dem erfahren hätte. "Was man nicht weiß,
macht einen nicht heiß."
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Castor
in Rockenhausen
Bericht
der Rheinpfalz vom 22.3.
Die
Reportage: Kommt der Castor - oder kommt er nicht?
ROCKENHAUSEN: Zum dritten Mal in diesem Jahr fährt Atommüll-Transport
durch die Nordpfalz - Protest dauert nur Sekunden
Drei
Stunden warten für ein paar Sekunden Protest. Gestern,
um 17.48 Uhr, fährt er dann doch noch durch den Rockenhausener
Bahnhof: der dritte Atommüll-Transport mit Castorbehältern
in diesem Jahr.
Kurz nach 15 Uhr treffen die ersten Atomkraftgegner am Rockenhausener
Bahnhof ein. Nach und nach bildet sich auf dem Bahnsteig ein
kleines Grüppchen, ein neu Hinzugekommener fragt verunsichert:
"Ist hier die Demo?" Gegen 15.45 Uhr sind es schon
mehr als zehn Demonstranten, ein Plakat "Stopp Castor"
und Handzettel zur Information über die Gefahren von Atommüll-Transporten
und der Atomkraft. Sie alle kommen auf Verdacht. Denn ob der
Atommüll-Zug tatsächlich durch Rockenhausen fährt,
weiß keiner. Und auch nicht wann. Schließlich wird
der Streckenverlauf immer geheim gehalten. Aber die Vorzeichen
waren nicht zu übersehen, seit Tagen kreiste immer mal
wieder ein Hubschrauber über der möglichen Strecke.
Atommüll aus Norddeutschland
Der in Maschen bei Hamburg zusammengestellte Zug, der sechs
Castor-Behälter mit verbrauchten Brennstäben aus den
norddeutschen Kernkraftwerken Krümmel, Brokdorf und Grohnde
transportiert, hat sich am frühen Morgen in Bewegung gesetzt,
wurde mehrfach von Sitzblockierern aufgehalten und hat eine
Verspätung von dreieinhalb Stunden. Aber das wissen die
Castor-Gegner auf dem Rockenhausener Bahnhof nicht. Irgendwann
heißt es, dass der Zug um 15 Uhr in Köln gewesen
sei. Das dauert wohl noch, bis er durch Rockenhausen fährt.
Aber stimmt das auch?
Die
ersten beiden Protestler fahren. Die anderen harren aus. Plötzlich
werden die Hälse länger, es ist kurz vor 16 Uhr, als
sich die Schranken schließen, das Ampelsignal auf grün
schaltet. Ein kurzer Blick auf den Fahrplan - um diese Zeit
fährt kein Zug. Das muss der Castortransport sein! Ein
Mann und eine Frau gehen zu Gleis zwei, wollen dort ihren Protest
ausdrücken. Dann kommt er - der BASF-Zug. Das haben die
beiden früh erkannt und treten den Rückzug an.
Kurz vor 16.30 Uhr die nächste Information: Der Castor
kommt gegen 18 Uhr. Die verbliebenen neun Aufrechten verabreden
sich für 17.30 Uhr, gehen. Plötzlich, gegen 17 Uhr,
ein Hubschraubergeräusch. Nichts wie hin zum Bahnhof. Doch
von Demonstranten ist im strömenden Regen (noch) nichts
zu sehen. Die ersten beiden kommen, kurz darauf die Polizei.
Sie kontrolliert den Bahnhof. Kurze Begrüßung - man
kennt sich.
Nur wenige Minuten später der nächste Kontrollblick
der Ordnungshüter, diesmal von der Bundesstraße gegenüber.
Auch die zwei Frauen vom Nachmittag kommen wieder. Diesmal haben
sie außer dem Schild noch Trillerpfeifen, Klappern und
Kastagnetten dabei. Der Kontaktmann, der die Zeiten und Positionen
des Atommüll-Transports kennt, trifft am Bahnhof ein. "Der
Zug war in Mainz", sagt er. Da kann es nicht mehr lange
dauern.
Anruf aus Alsenz
Plötzlich klingelt ein Handy, ein Ruf: "Er ist um
17.38 Uhr durch Alsenz gefahren!" Dann ist er in spätestens
zehn Minuten da. Und die Polizei? Um 17.41 Uhr die Lautsprecher-Durchsage:
"Die Regionalbahn nach Kaiserslautern hat zwölf Minuten
Verspätung." Zwei sich über die Demonstranten
wundernde Zugreisende sind verärgert. "Typisch",
zischen sie und suchen Schutz vor dem Regen. Neun von zwölf
Castor-Gegnern nicht. Sie "besetzen" Gleis zwei, einer
von ihnen sogar Gleis drei. Der Lautsprecher-Aufforderung des
Bahnbediensteten, das Gleis drei zu verlassen, folgt er nicht.
Hektik auf Gleis zwei
Ein zweiter Hubschrauber fliegt über die Bahnstrecke. Und
plötzlich ist die Polizei da, fährt auf den Bahnsteig.
Jetzt wird es hektisch. Die Demonstranten sollen zurück
auf den Bahnsteig vor dem Bahnhof. Auf Gleis zwei gerät
Bewegung in die Szenerie, die Demonstranten machen sich Luft,
trillern was das Zeug hält. Es nützt nichts. Unter
Nachhilfe der Polizei ziehen sie sich zurück, es gibt einen
Disput, einen Platzverweis, ein Mann muss den Bahnsteig verlassen.
Zwischendurch saust wieder ein Hubschrauber vorbei. Kurz darauf
Hubschrauber drei. Das Warten ist vorbei. Die Lokomotive hupt,
die Demonstranten pfeifen, schwenken ihre Transparente, die
Lok hupt wieder, die sechs Castorbehälter rauschen auf
dem Weg nach Neunkirchen vorbei. Das war's - nicht ganz. Vor
dem Bahnhof gibt es Diskussionen zwischen Demonstranten und
der Polizei, nach wenigen Minuten beruhigen sich die Gemüter,
beide Seiten zeigen Verständnis.
Drei
Stunden warten für ein paar Sekunden Protest. Das wollte
wohl nicht jeder. Zu lange gewartet hat ein Mann, der kurz nach
18 Uhr kommt und erstaunt fragt: "War er schon da?"
Ja, er war.
Von Andreas Danner
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