[abc] FR: Atomtransport stößt auch in Frankreich auf Protest
FR vom 12.4.01
Quelle: http://www.fr-aktuell.de/fr/spezial/castor/index.htm
Atomtransport stößt auch in Frankreich auf Protest
Drei Stunden verspätet im Bahnhof von La Hague eingetroffen /
Pariser Grüne beteiligen sich an Widerstand
Begleitet von Protesten hat der erste Atomtransport aus Deutschland
seit
1998 am Mittwoch den Verladebahnhof der französischen
Wiederaufarbeitungsanlage La Hague erreicht. Die Pariser
Umweltministerin Dominique Voynet (Grüne) zeigte Verständnis für die
Blockade-Aktionen, an denen auch Abgeordnete der französischen Grünen
teilnahmen.
VALOGNES, 11. April (afp/dpa/ap). Mit rund dreistündiger Verspätung
traf der Zug
mit 24 Tonnen verbrauchten Brennstäben aus den Atomkraftwerken Biblis,
Philippsburg und Grafenrheinfeld am Mittwochmittag am Verladebahnhof
Valognes
ein. Zuvor hatte die französische Polizei mehrfach Blockierer von der
Bahnstrecke
entfernt. Dutzende Atomkraftgegner wurden zeitweise festgenommen.
Der Atommülltransport wurde unter anderem in Bondy östlich von Paris
und Conflans Fin d'Oise nordwestlich von Paris
aufgehalten. In Caen gelang es
mehreren Atomkraftgegnern nach Angaben von Greenpeace-Sprecher Yannick
Rousselet trotz eines massiven Polizeieinsatzes, sich an die Gleise zu
ketten. In
Bondy hatten zwei Dutzend Abgeordnete und Mitglieder der französischen
Grünen
gegen den Atomzug protestiert. Umweltministerin Dominique Voynet brachte
Sympathie für die Aktionen zum Ausdruck. In Paris warf sie den deutschen
Atomkraftwerksbetreibern vor, sie wollten mit den Atommülltransporten
ihr
Entsorgungsproblem lösen. Die an der Pariser Linksregierung beteiligten
Grünen
hatten Anfang der Woche erklärt, Frankreich dürfe nicht zum "atomaren
Mülleimer"
für andere Länder werden.
In den fünf Spezialbehältern des Transports wurden nach Angaben der
staatlichen
Atomfirma Cogema 24 Tonnen Atommüll nach Frankreich gebracht. Vom
Bahnhof
in Valognes aus sollten die Behälter auf Tiefladern in die WAA gebracht
werden.
Am Bahnhof demonstrierten 250 Gewerkschafter der Cogema für ein
Festhalten an
der Wiederaufarbeitung. "Die wahren Ökologen sind wir", sagte der
CGT-Gewerkschaftssekretär Didier Legouesstre. "Wir machen das Recyling -
das,
was die Umweltschützer doch eigentlich wollen."
Bei den Protesten auf deutschem Boden gegen die Atomtransporte nach La
Hague
sind am Dienstag mehr als 120 Menschen fest- oder in Gewahrsam genommen
worden. Unter den insgesamt neun Festgenommenen seien ein 17-Jähriger
und
eine 24 Jahre alte Frau, die sich kurz vor der französischen Grenze an
die Gleise
gekettet und den Zug mit der radioaktiven Fracht zu einem einstündigen
Stopp
gezwungen hatten, teilte die Polizei am Mittwoch in Ludwigshafen mit.
Außerdem
wurden nach Angaben von Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS) in Karlsruhe
sechs Greenpeace-Aktivisten festgenommen. Sie waren in Philippsburg mit
zwei
Mietwagen auf die Gleise gefahren. Als einzige der Protestierer befanden
sie sich
am Mittwoch noch in Haft.
AKW wollen Leistung steigern
BERLIN (dpa). Mehrere deutsche Atomkraftwerke wollen ihre Leistung
erhöhen.
Das Bundesumweltministerium bestätigte am Mittwoch Medienberichte,
wonach
Betreiber von vier Meilern Leistungssteigerungen beantragt hätten. Die
Berliner
tageszeitung berichtete von insgesamt sieben Kraftwerken in Bayern,
Baden-Württemberg und Niedersachsen. Das bedeute höhere
Materialbelastung
und so ein größeres Sicherheitsrisiko, berichtet das Blatt unter
Berufung auf
Christian Küppers vom Darmstädter Öko-Institut. Ein Sprecher des
Bundesumweltministeriums sagte, der Atomkonsens sei dadurch nicht
berührt.
Letztendlich führten Leistungssteigerungen zu Laufzeitverkürzungen.
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