AtomkraftgegnerInnen
ziehen Bilanz:
So stark
war der Widerstand gegen Castor-Transporte nach Frankreich noch
nie
Karlsruhe,
den 10.04.01. Die Anti-Atom-Bewegung bewertet die Proteste gegen
den Atommülltransport nach Frankreich als Erfolg. "Noch
nie haben sich so viele Menschen am Widerstand gegen einen Transport
nach Frankreich beteiligt", so Jochen Stay, Sprecher der
Anti-Atom-Kampagne X-tausendmal quer, die sich gemeinsam mit vielen
anderen Initiativen und Organisationen an den Demonstrationen
beteiligt hat.
Stay weiter:
"In der Vergangenheit sind die Atommüllfuhren ins Ausland
oft unter Ausschluß der Öffentlichkeit gerollt, diesmal
hat die ganze Republik mitbekommen, daß die deutschen Atomkraftwerke
auf Kosten von Leben und Gesundheit der Menschen rund um die Wiederaufarbeitungsanlage
La Hague betrieben werden.
Es ist mehr als deutlich geworden: Eine wirkliche Entsorgung der
Reaktoren gibt es nicht, sondern nur ein Verschieben des Atommülls
quer durch Europa. Unsere Forderung nach einer sofortigen Stillegung
der AKWs hat so neue Nahrung erhalten."
Nicht nur
in Grafenrheinfeld und Gochsheim in Bayern, Philippsburg in Baden-Württemberg
und Hagenbach in Rheinland- Pfalz wurde demonstriert. Solidaritätsaktionen
fanden in Stade, Gorleben, Essen und Göttingen statt. Insgesamt
waren in den Tagen von Sonntag bis Dienstag bundesweit 3.000 Menschen
an Aktionen
gegen den Transport beteiligt.
Zuletzt wurde
der Atommüllzug kurz vor der französischen Grenze nicht
nur durch zwei angekettete DemonstrantInnen aufgehalten. Auf der
Strecke rund um Hagenbach (Rheinland-Pfalz) mußte die Polizei
ständig AtomkraftgegnerInnen von den Schienen tragen. Hier
blockierten insgesamt 300 Menschen den Zug mit den fünf Castoren,
der so eineinhalb Sunden lang aufgehalten wurde.
"Wir
freuen uns natürlich, wenn es gelingt, den Castor-Zug eine
Zeit lang aufzuhalten", so Stay, "doch solche Aktionen
sind nicht Selbstzweck. Wir wollen nicht Räuber und Gendarm
mit der Polizei spielen, sondern politisch Zeichen setzen, gegen
eine verantwortungslose Energiepolitik auf dem Rücken der
Menschen in Frankreich und der kommenden Generationen."
Noch in diesem
Jahr sind etwa 40 weitere Castor-Transporte ins Ausland geplant.
Bis 2005 sollen insgesamt 400 Atommüll-Züge nach Frankreich
und Großbritannien rollen. Der nächste Transport soll
in zwei Wochen vom AKW Neckarwestheim (bei Stuttgart) in die britische
Skandal-Atomfabrik Sellafield starten. "Wir werden wieder
vor Ort sein und erneut demonstrieren", so Jochen Stay, "denn
wir wollen, daß der gefährliche und sinnlose Atommüll-
Tourismus quer durch Europa endlich aufhört. Einzig verantwortbare
Lösung ist dabei der Stopp der Atommüll-
Produktion.
Der derzeitige
politische Streit darüber, ob nun mehr strahlender Abfall
in Gorleben, an den AKW-Standorten oder im Ausland gelagert werden
soll, zeigt nur, wie ratlos die Politik angesichts des stetig
wachsenden Atommüllberges ist. Nicht wer sich gegenseitig
die Verantwortung und den Atommüll in die Schuhe schiebt,
erreicht etwas für die kommenden Generationen, sondern nur,
wer Atomkraftwerke wirklich stillegt, und zwar jetzt und nicht
erst in einigen Jahrzehnten."