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FR: Thema des Tages - Forsmark



Frankfurter Rundschau, 09.08.06

> Kabinett befasst sich mit Sicherheit der AKWs

Berlin (dpa) - Nach dem Störfall im schwedischen Kernkraftwerk 
Forsmark erwartet Bundesumweltminister Sigmar Gabriel weitere 
Sicherheitsüberprüfungen deutscher Atommeiler.

Die Bundesländer hätten am Vortag Fragen des Bundesministeriums 
beantwortet, berichtete Gabriel nach Angaben seines Ministeriums am 
Mittwoch im Kabinett. Wegen der kurzen Fristen hätten aber noch 
keine Überprüfungen vor Ort stattfinden können.

Kurzfristige Abschaltungen deutscher Kernkraftwerke seien aber nicht 
erforderlich, da dort nicht von derartig gravierenden Auswirkungen 
wie beim schwedischen Reaktor in Forsmark auszugehen sei. Die Frage 
bleibe, ob durch Kurzschluss oder Blitzeinschlag das 
Sicherheitssystem der Atommeiler unwirksam werden könne. In Forsmark 
waren zwei von vier Notstromaggregaten erst nach 20 Minuten 
angesprungen, nachdem sie per Hand aktiviert wurden. Schweden hat 
daraufhin sicherheitshalber vier von 10 Kraftwerken abgeschaltet.
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> Atomkraftwerke
> Länder bestreiten Gefahr

Nach dem Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark geben die 
Aufsichtsbehörden der Länder Entwarnung für die deutschen 
Kernkraftwerke.

Berlin - "Ein vergleichbarer Störfall kann bei uns nicht vorkommen", 
urteilte am Dienstag die Kieler Atomaufsichtsbehörde nach 
Überprüfung der drei schleswig-holsteinischen AKW. Ein Abschalten 
der Meiler, wie es Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) für den 
Fall von fehlenden Sicherheitsnachweisen angedroht hatte, sei "nach 
dem derzeitigen Überprüfungsstand nicht erforderlich".

Auch Hessen gibt "eine gewisse Entwarnung" für die Reaktoren in 
Biblis. "Bisher haben wir keine Hinweise auf eine Übertragbarkeit", 
so die Sprecherin des Umweltministeriums. Teile, die in Forsmark 
ausgefallen seien, würden in Biblis nicht verwendet. Ähnlich kommen 
auch Baden-Württemberg und Niedersachsen zu dem Ergebnis, ein 
Störfall wie in Schweden sei in ihren Kernkraftwerken 
auszuschließen. Eine Überprüfung der Anlagen Emsland, Grohnde und 
Unterweser habe ergeben, dass durch ein besseres Sicherheitskonzept 
vergleichbare Probleme bei der Notstromversorgung nicht auftreten 
könnten, teilte das niedersächsische Umweltministerium mit. Auch die 
bayerische Aufsichtsbehörde urteilte, die erste Überprüfung zeige, 
dass keine Sofortmaßnahmen in Bezug auf die AKW-Sicherheit nötig 
seien.

Im Bundesumweltministerium wollte man am Dienstag die Länderberichte, 
die Minister Gabriel am Tag zuvor angefordert hatte, zunächst nicht 
kommentieren. Die Analysen, bei denen die Behörden das Risiko eines 
vergleichbaren Störfalls in Deutschland prüfen sollten, würden 
zunächst ausgewertet. Gabriel will die Ergebnisse am heutigen 
Mittwoch bewerten. Er unterbricht dafür seinen Urlaub. Die 
atomkritische Ärzte-Organisation IPPNW nannte die Länderberichte 
"Augenwischerei". 
Vera Gaserow

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Interview
> "Man kann die Technik nicht für jedes denkbare Ereignis 
durchtesten"

Noch ehe der Störfall im schwedischen AKW Forsmark ausreichend 
untersucht ist, beeilen sich sich Betreiber, die Sicherheit der 
Atomenergie zu betonen. Vor allem die Steuerung der Reaktoren ist 
wegen ihrer Komplexität störanfällig, sagt Christoph Pistner vom 
Ökoinstitut.

Frankfurter Rundschau: Herr Pistner, nach dem Beinahe-Unfall im 
schwedischen Reaktor Forsmark haben sich die deutschen Betreiber 
beeilt zu entwarnen: In Deutschland sei ein Unfall dieser Art nicht 
möglich.

Pistner: Dazu ist es eigentlich noch zu früh. Um eine solche Aussage 
mit der notwendigen Tiefe begründen zu können, sind umfangreichere 
Untersuchungen notwendig, die ja zurzeit erst durchgeführt werden.

Wie ist Ihre Einschätzung: Kann das Gleiche nun in deutschen 
Atomkraftwerken geschehen oder nicht?

Die Notstromversorgung in deutschen Kraftwerken ist ähnlich aufgebaut 
wie jene in Forsmark - aber sie ist hier zu Lande eben nur ähnlich, 
und wahrscheinlich nirgends identisch. Aber das ist auch gar nicht 
die entscheidende Frage. Selbst wenn ein Ereignis wie in Forsmark im 
Detail in Deutschland tatsächlich nicht möglich ist, dann gibt es 
gleichwohl unzählige andere denkbare Szenarien, wie ein Störfall 
ablaufen könnte.

Es geht also nicht alleine um die Frage, ob in deutschen Reaktoren 
die gleichen Notstromaggregate von AEG installiert wurden wie in 
Schweden?

Die Frage, wo identische Komponenten eingesetzt wurden, ist natürlich 
wichtig, denn die Aggregate haben zum Teil versagt. Aber diese Frage 
ist bei weitem nicht die einzige, die nach dem Ereignis in Forsmark 
zu diskutieren ist. Ebenso wichtig ist die Analyse der gesamten 
Schaltlogik der Reaktoren. Denn die Reaktorsteuerung in Schweden hat 
in der betreffenden Situation nicht das getan, was sie eigentlich 
hätte tun sollen. Zum Beispiel hat sich die Überspannung im System 
bis in die unterbrechungsfreie Stromversogung fortgesetzt. Solche 
Ereignisse machen die Untersuchung des Störfalls aufwendig.

Wie kann das passieren?

Die Steuerungstechnik eines Atomreaktors ist unglaublich komplex. Sie 
muss bei einer unüberschaubaren Vielfalt von Betriebszuständen 
jeweils das Richtige tun. Da man die Technik aber nicht für jedes 
denkbare Ereignis durchtesten kann, bleibt ein Restrisiko: Es ist 
ein Problem denkbar, das nur dann auftaucht, wenn eine Vielzahl von 
Betriebsparametern in bestimmter Weise zusammentreffen. Und das ist 
in Forsmark passiert.

Als Laie stellt man sich vor, vor allem alte Atomreaktoren seien das 
Problem, weil es Risse in Rohren gibt, und irgendwelche technischen 
Komponenten ihren Dienst altersbedingt versagen.

Und das ist eben längst nicht alles. Risiken der Steuerung haben 
nicht unbedingt mit dem Alter der Anlage zu tun. Zwar sind die neuen 
Kraftwerke häufig auch deswegen besser, weil man bei ihnen die 
Sicherungseinrichtungen und die Schaltlogik verbessert hat. Aber die 
Sicherheit der Anlagen in Bezug auf ein Ereignis wie in Forsmark zu 
bewerten ist sehr schwer. Man wird die Untersuchungen abwarten 
müssen, die vom Umweltministerium jetzt angeordnet worden sind.

Ist die Aktion aus dem Hause von Minister Sigmar Gabriel aus Ihrer 
Sicht von wirklichem Problembewusstsein getragen oder vielmehr von 
dem Bestreben, Aktivität zu demonstrieren?

Ich habe den Eindruck, man ist sich der Tragweite des Ereignisses im 
Ministerium und in den deutschen Aufsichtsbehörden sehr wohl 
bewusst.

Wie wird das Ereignis nun die Atomdebatte in Deutschland 
beeinflussen? Schließlich galten die schwedischen Reaktoren ja nie 
als Schrottmeiler wie manche andere Anlage auf der Welt, sondern als 
gut geführte Kraftwerke.

Das Ereignis in Forsmark wird die Diskussion um die Sicherheit der 
Atomenergie noch eine ganze Weile prägen.

Interview: Bernward Janzing

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> Atombehörden betonen Sicherheit

Bundesländer sehen Unterschiede zu schwedischen Reaktoren / Berichte 
für Umweltminister Gabriel

VON VERA GASEROW UND PITT VON BEBENBURG

Der Anlass für die neu entbrannte Atom-Debatte
+ Der Anlass für die neu entbrannte Atom-Debatte (dpa)
Spanien liegt nicht gerade auf dem Weg, wenn es um einen Vorfall in 
Schweden geht. Eine gewisse Dramatik ist also inbegriffen, wenn der 
Bundesumweltminister an diesem Mittwoch seinen Sommerurlaub 
unterbricht, um in Berlin über die Auswirkungen des Störfalls im 
schwedischen Kernkraftwerk Forsmark zu berichten. Doch bevor Sigmar 
Gabriel (SPD) heute vor die Presse tritt, haben andere bereits 
Entwarnung gegeben.

In ultimativen und scharfen Worten vom Bundesumweltminister zur 
Sicherheitsprüfung der 17 deutschen AKWs aufgefordert, haben die 
befragten Länder die in Berlin ausgerufene Alarmstufe weitgehend 
herunter gedimmt. "Eine Übertragbarkeit des schwedischen Störfalls 
ist nicht zu besorgen", lautet das Fazit der Atomaufsicht in 
Schleswig-Holstein. Dorthin vor allem hatte sich nach dem 
schwedischen Beinahe GAU die besorgten Blicke gerichtet. Denn hier 
stehen mit Krümmel und Brunsbüttel zwei Siedewasserreaktoren des 
Forsmark-Betreibers Vattenfall. Und besonders Brunsbüttel hatte sich 
in der Vergangenheit als unfallträchtig erwiesen. Erst vor zwei 
Jahren habe dort - ähnlich wie jetzt in Schweden - ein Kurzschluss 
Teile der Notstromversorgung außer Gefecht gesetzt, listen die 
Atomkritiker der Organisation IPPNW auf.

In der Kieler Atomaufsichtsbehörde jedoch schloss man jetzt nach 
Prüfung durch Sicherheitsexperten eine Parallele zu Forsmark aus: 
"Die schleswig-holsteinischen Atomkraftwerke haben ein anders 
gestaffeltes Schutzkonzept für die Notstromversorgung", sagte 
Wolfgang Cloosterf, Abteilungsleiter für Reaktorsicherheit der FR. 
Anders als in Schweden verfügten die drei heimischen Meiler über 
eine "batteriegepufferte Notstromversorgung"

Zu ähnlichen Befunden kommt man auch in Hessen, wo mit Biblis A und B 
zwei weitere Problem-Reaktoren stehen. Dennoch will das Wiesbadener 
Umweltministerium - genauso wie die Kieler Kollegen - die erste 
Entwarnung nur unter Vorbehalt geben. Der beruhigende Vergleich 
könne nur vorläufig sein. Denn noch lägen nicht genug Erkenntnisse 
über den Unfall in Schweden vor.

Auch im Bundesumweltministerium warnt man vor allzu frühem Aufatmen. 
Die Tatsache, dass in deutschen Meilern andere Bauweisen und 
Komponenten verwandt würden, könne die Sorgen um die Sicherheit 
nicht restlos ausräumen. Denn "das Gravierende" an dem Störfall in 
Schweden war, "dass es völlig überraschend kam. Das kam aus dem 
Nichts", urteilt Wolfgang Renneberg, Chefbeamter für 
Reaktorsicherheit im Umweltministerium. Weder AKW-Betreiber noch 
Kontrolleure hatten einen solchen Fall je durchgespielt.

Während die Länder, wie vom obersten AKW-Aufseher Sigmar Gabriel 
angefordert, bis Dienstag ihre ersten Prüfberichte ablieferten, 
herrscht zugleich gereizte Stimmung zwischen dem 
SPD-Bundesumweltminister und seinen Unionsländerkollegen. Einige 
zeigen sich pikiert über Gabriels öffentlichkeitswirksame Order zur 
Berichterstattung. Das hessische Umweltministerium kritisierte, man 
verlange vom Bundesminister künftig ein "angemessenes Vorgehen". Man 
habe von den Ereignissen in Schweden nicht vom Bund, sondern aus der 
Zeitung erfahren, moniert das Wiesbadener Ministerium. Daraufhin 
habe man aus eigener Initiative AKW- Betreiber und 
TÜV-Sachverständige gebeten, sich der Sache anzunehmen. Für Freitag 
sei die erste "Inaugenscheinnahme" in Biblis durch Vertreter des 
Ministeriums und Sachverständige vorgesehen.

Auch das schleswig-holsteinische Sozialministerium, zuständig für die 
Länder-Atomaufsicht, rügt die Informationspolitik Gabriels. Erst mit 
tagelanger Verspätung habe Berlin die Störfallmeldung der 
Internationalen Atomenergiebehörde weitergegeben. Noch härter gingen 
die Kieler Atomaufseher allerdings mit Forsmark-Betreiber Vattenfall 
ins Gericht. Der Konzern habe, obwohl er Brunsbüttel und Krümmel 
betreibt, keinerlei Informationen weitergegeben - bis man die 
Herrschaften schließlich zum Rapport einbestellt habe.

Das Bundesumweltministerium wies unterdessen Medien-Spekulationen 
zurück, man verhandele über eine Laufzeitverlängerung für vier vom 
Ausstieg bedrohte Atommeiler. "Ich weiß nicht mit wem die Betreiber 
verhandeln. Mit uns jedenfalls nicht", so ein Ministeriumssprecher. 
Bisher habe auch kein Energiekonzern einen Antrag auf 
Strommengenübertragung zur Laufzeitverlängerung gestellt. Der sei im 
Übrigen rechtlich auch gar nicht zulässig .

AKW in Deutschland
Der Atomausstieg wurde im "Atomkonsens" vom Juni 2000 zwischen der 
damaligen rot-grünen Bundesregierung und den vier größten 
Energieunternehmen Deutschlands beschlossen. Seit 2002 ist der 
Ausstieg im Atomgesetz festgeschrieben. Dies wurde im 
Koalitionsvertrag 2005 bestätigt.

Aus der Union gibt es dennoch Forderungen nach längerer Laufzeit. Die 
SPD lehnt Änderungen aber ab. Derzeit sind 17 Atomkraftwerke an 
zwölf Standorten in Deutschland in Betrieb.

Die meisten Anlagen haben eine Leistung von etwa 1300 bis 1400 
Megawatt. 2003 wurde das AKW Stade und 2005 der Meiler in Obrigheim 
abgeschaltet. 2007 sollen der Reaktorblock A des hessischen AKW 
Biblis, etwa 2008 Neckarwestheim I sowie 2009 Biblis B und 
Brunsbüttel folgen. Alle übrigen Meiler sollen schrittweise bis 2021 
abgeschaltet werden, als letzter Neckarwestheim 2.

Die Laufzeit wird nach einem komplizierten Schlüssel aus einer 
angenommenen Regellaufzeit von 32 Jahren und der produzierten 
Strommenge errechnet. Der Anteil der Atomenergie an der 
Stromerzeugung liegt mit 167,1 Milliarden Kilowattstunden bei 27,5 
Prozent der gesamten Stromerzeugung (2004).

Auf den Plätzen folgen Braunkohle (26,1), Steinkohle (22,8) und 
Naturgas (10,2). Wind- und Wasserkraft kommen zusammen auf 8,6 
Prozent. Beim Gesamtenergieverbrauch hat die Atomenergie nur einen 
Anteil von 12,6 Prozent. Mineralöl (36,4 Prozent) und Gas (22,4) 
liegen hier vorn. dpa


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> Schweden in der Energiefalle

Der Beinahe-GAU im Atomkraftwerk Forsmark wird den einst 
beschlossenen Ausstieg kaum beschleunigen / Das skandinavische Land 
verbraucht extrem viel Strom

VON KARL-HEINZ KARISCH

Na prima. Durch Computersimulationen sei jetzt geklärt worden, wie es 
zu dem Beinahe-GAU im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark 1 am 25. 
Juli kommen konnte, teilte die Betreiberfirma Vattenfall mit. 
Einzelheiten wollte man zunächst nicht nennen. Der Vorfall sei zwar 
eine "ernste Sache", meint die konservative schwedische Tageszeitung 
Svenska Dagbladet. Es sei aber inzwischen klar, "dass die Lage gut 
gemeistert wurde und zu keinem Zeitpunkt die Gefahr einer 
Kernschmelze bestand".

Das mag stimmen. Dennoch ist es nach Ansicht von Experten völlig 
inakzeptabel, dass eine Bedienungsmannschaft 23 Minuten nicht weiß, 
was im Atomreaktor vor sich geht, weil die Anzeigen ausgefallen 
sind. Es war großes Glück, dass die Bremsstäbe nach der Abschaltung 
tatsächlich automatisch einfuhren, um die atomare Kettenreaktion zu 
unterbrechen, und auch die notwendige Kühlung erhalten blieb. Das 
alles aber stellte sich aber erst im Nachhinein heraus.

Am Rand der Katastrophe

Die Beruhigungsparolen von Vattenfall und schwedischer Atomaufsicht 
SKI können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Reaktor am Rande 
einer Katastrophe entlangschlitterte. Denn die Überspannungen im 
äußeren Stromnetz hatten in zwei Wechselstromgleichrichtern zu 
Kurzschlüssen geführt, es hätten aber auch alle vier betroffen sein 
können. So sprangen wenigstens zwei der vier Notstromaggregate an. 
Dass gleichzeitig auch noch die Notstromversorgung aus Batterien 
ausfiel, zeigt, wie labil solche technisch aufwendigen Systeme sind.

"Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die Mitarbeiter von 
Forsmark auf die Situation einwandfrei reagiert haben", betont 
SKI-Direktor Anders Jörle. Das Personal habe auch den Wasserstand im 
Reaktor unter Kontrolle gehabt und hätte, so Jörle, jederzeit 
eingreifen können, wenn er unter eine Gefahrenmarke gefallen wäre. 
Alle baugleichen Reaktoren würden nun gründlich durchleuchtet, damit 
sie ohne Gefahr wieder in Betrieb gehen könnten.

Rund ein Sechstel des schwedischen Stroms wird von den drei Reaktoren 
in Forsmark produziert, sie haben zusammen eine Leistung von drei 
Megawatt. Die Schweden sind regelrechte Energiefresser. Der 
Pro-Kopf-Verbrauch ist zweieinhalbmal so hoch wie in Deutschland, 
vor allem, weil viele Häuser elektrisch beheizt werden. Deshalb ist 
für Schweden, das mehr als die Hälfte des Stroms aus Atomkraft 
gewinnt und das in trockenen Jahren wegen fehlender Wasserkraft 
sogar Elektrizität aus dem Ausland importieren muss, der Ausstieg 
politisch längst keine reale Option mehr.

Zwar hatte sich 1980 die Mehrheit der Wähler für ein Ende der 
Atomkraft bis 2010 ausgesprochen. Doch angesichts steigender 
Energiepreise und fehlender Alternativen geriet selbst die 
Abschaltung zweier alter Reaktoren in Barsebäck zum Politikum. Sie 
stehen nur 20 Kilometer von der dänischen Hauptstadt Kopenhagen 
entfernt. Die dänische Regierung drang deshalb mehrfach auf ein Aus 
für diese Atomreaktoren.

Noch zehn Reaktoren in Schweden

Nachbar Dänemark hat vorgemacht, dass ein Industrieland auch ohne 
Atomkraft auskommen kann. Dort wird mittlerweile fast ein Viertel 
des Stroms aus Windenergie gewonnen. Doch bereits die Stilllegung 
von Barsebäck 1 im November 1999 führte zu heftigen Protesten der 
schwedischen Industrie. Erst mit jahrelanger Verspätung und nach 
langen Diskussionen ging dann auch Barsebäck 2 im Mai 2005 vom Netz. 
Heute gibt es noch zehn schwedische Reaktoren. Fünf davon sind 
derzeit abgeschaltet; einer aus Wartungsgründen, vier, weil sie 
baugleich mit dem Unglücksreaktor Forsmark 1 sind.

In den vergangenen Jahren mehrten sich die Stimmen in Schweden, die 
den Bau neuer Atomanlagen forderten. Auch der Beinahe-GAU in 
Forsmark wird an dieser Haltung wenig ändern. Unter Druck ist jetzt 
der sozialdemokratische Ministerpräsident Göran Persson. Sechs 
Wochen vor den Parlamentswahlen fordern die Grünen und die 
Linkspartei (VP) einen beschleunigten Ausstieg aus der Atomkraft. 
Beide Parteien stützen bislang Perssons Minderheitsregierung. Der 
konservative Gegenspieler Frederik Reinfeldt hingegen ist ein 
Befürworter der Atomkraft und will das Thema groß im Wahlkampf 
spielen.



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