StZ: Mappus sieht sich von Trittin bestätigt
Stuttgarter Zeitung, 01.12.04
> Mappus sieht sich von Trittin bestätigt
> Im Fall Grauf mit Bundesumweltminister einig" - Atomexperte wieder in
Kommission?
STUTTGART. Im Streit um den entlassenen Reaktorchef bekommt
Landesumweltminister Stefan Mappus (CDU) Rückendeckung von
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne). Offen ist, ob der
Atomexperte in der Reaktorsicherheitskommission bleibt.
Von Andreas Müller
Noch am Vortag war Mappus von der Opposition, darunter auch den Grünen,
scharf angegriffen worden. Gestern nun verwies er zufrieden auf den
grünen Bundesumweltminister: Auch Jürgen Trittin sehe keinen Anlass, die
Entlassung von Eberhard Grauf als Reaktorchef in Neckarwestheim zu
beanstanden. So habe er es mitteilen lassen.
"Diese Aussage lässt die Vorwürfe der Opposition wie ein Kartenhaus in
sich zusammenfallen", folgerte Mappus. Wir haben weder gelogen noch die
Öffentlichkeit getäuscht." Vielmehr habe eine Befragung im Beisein von
Vertretern des Bundesumweltministeriums eindeutig ergeben, dass Grauf
nicht aus sicherheitsrelevanten Gründen gekündigt worden sei.
Man habe nicht bestritten, erklärte Mappus weiter, dass es bei dem
Gespräch vor dem Rauswurf um Sicherheitsfragen gegangen sei; deswegen
habe man ja die ungewöhnliche Befragung veranlasst. In einer
Presseerklärung vom 19. Juli hatte das Ministerium allerdings unter
Berufung auf den Stromkonzern EnBW behauptet, "über den sicheren
Anlagebetrieb habe es zwischen dem Leiter von Block 11 des GKN und der
Geschäftsführung zu keiner Zeit unterschiedliche Auffassungen gegeben".
Mappus wies den Verdacht zurück, Grauf sei als "unbequemer Mahner in
Sachen Sicherheit kurzerhand entlassen" worden. Grund der Kündigung sei
vielmehr die Art und Weise gewesen, wie er wiederholt Kritik vorgebracht
habe. Dies sei das letzte Glied in einer Kette von Verhaltensweisen"
gewesen, die eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr erlaubt
hätten.
Bestätigt zeigte sich der Stuttgarter Umweltminister auch von Äußerungen
aus dem Hause Trittin, der entlassene Reaktorchef habe versucht,
"sicherheitsverbessernde Maßnahmen abzuwehren". Damit ist offenbar seine
Kritik an dem neuen Sicherheitsmanagementsystem und der Zusammenfassung
aller fünf baden-württembergischen Kernkraftwerke in einer
Betriebsgesellschaft (EnKK) gemeint. Grauf hatte insbesondere bemängelt,
dass zur Umsetzung des neuen Sicherheitsmanagements nicht genügend
Personal zur Verfügung stehe: Ingenieure müssten Papierarbeit verrichten,
obwohl sie dringender im operativen Bereich benötigt wurden. Gegen das
Aufgehen des Kernkraftwerks Neckarwestheim in der EnKK hatte es vor Ort
breite Widerstände gegeben. Sogar EnBW-Chef Utz Claassen hatte nach
Unternehmensangaben "Verständnis für die Mitarbeiter einer gesunden'
Tochtergesellschaft bekundet, die gleichwohl zur Sanierung der
angeschlagenen EnBW-Konzernmutter einen persönlichen Beitrag zu leisten
haben".
Ob Grauf in der Reaktorsicherheitskommission des Bundes bleibt, blieb
gestern zunächst unklar. Ein Sprecher Trittins hatte hingewiesen, dass
seine Mitgliedschaft in dem Gremium zum Jahresende ausläuft. Noch im
Sommer hatte der Minister die Forderung der EnBW, Grauf aus der
Kommission zu entfernen oder nicht wieder zu berufen, scharf
zurückgewiesen. Der Stromkonzern hatte argumentiert, nach dem Rauswurf in
Neckarwestheim erfülle Grauf auch nicht mehr das Anforderungsprofil für
eine Mitgliedschaft. Darauf reagierte Trittin mit einer Eloge auf den
international renommierten Sicherheitsexperten: Grauf sei ihm "mit seiner
Fachkenntnis und Erfahrung sowie seiner offenen und unvoreingenommenen
Argumentation eine wichtige Stütze".