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swp: Umweltminister Mappus soll Auskunft geben



Südwestpresse, 30.11.04

> ATOMKRAFTWERK / Opposition fragt nach Gründen des Neckarwestheimer 
Rauswurfs  	
> Umweltminister Mappus soll Auskunft geben

Die Entlassung des Neckarwestheimer Kraftwerkchefs durch die ENBW im 
vergangenen Sommer wird nun auch den Landtag beschäftigen. Die Opposition 
wirft Umweltminister Stefan Mappus vor, die Öffentlichkeit über die 
wahren Gründe der Kündigung belogen zu haben.
Warum war der Atomexperte Eberhard Grauf Ende Juni seinen Job als 
Reaktorchef in Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) plötzlich los? Auf keinen 
Fall, weil er sich mit ENBW-Chef Utz Claassen über Sicherheitsfragen in 
den Kernkraftwerken gestritten hatte - behaupteten der Stromkonzern und 
die Atomaufsicht im Gleichklang. "Zu keiner Zeit", zitierte 
Umweltminister Stefan Mappus (CDU) Mitte Juli den Stromkonzern, habe es 
zwischen dem Ingenieur und der Firmenleitung "unterschiedliche 
Auffassungen" gegeben. Mappus ließ aber prüfen, ob der Kraftwerkschef das 
ENBW-Sparkonzept nicht mittragen wollte, weil es Konsequenzen für die 
Sicherheit der Meiler habe. Sogar das Berliner Umweltministerium 
schaltete sich in die elf Anhörungen von ENBW-Mitarbeitern ein. Anfang 
November erneuerte Mappus seinen auch gestern wiederholten Befund. Zur 
Entlassung habe nicht die unterschiedliche Wertung von 
Sicherheitsaspekten geführt, erklärt der Minister. "Das krasse 
Gegenteil", sagt Winfried Kretschmann, Chef der Grünen-Landtagsfraktion, 
werde aber durch Protokolle belegt, die jetzt teilweise veröffentlicht 
wurden. In den Aufzeichnungen heißt es, Grauf habe das neue - auf 
Betreiben des Landes installierte - Sicherheitsmanagement als "Alibi- und 
Beruhigungsinstrumentarium" gegeißelt, weil es Ingenieure zu mehr 
Papierkram verdammt und aus dem operativen Geschäft abzieht. Der 
Ingenieur habe überdies die Gleichgültigkeit beschrieben, die unter der 
überlasteten Belegschaft herrsche. Ob diese Kritik berechtigt oder nur 
"destruktiv" war, bleibt bisher unklar. An Graufs fachlicher 
Qualifikation gibt es wohl keinen 
Zweifel, denn der Ingenieur, der seit 1972 in Neckarwestheim arbeitete, 
sitzt nach wie vor in der Reaktorsicherheits-Kommission des 
Bundesumweltministers Jürgen Trittin von den Grünen. Statt die Kritik 
ernstzunehmen, sagte Kretschmann, habe der Stromkonzern seinen 
Kraftwerkschef gefeuert. Minister Mappus habe dieses Vorgehen gedeckt. 
Ohnehin stelle sich die Frage, wie weit Mappus eigentlich eingeweiht war. 
Angeblich hegte der Leiter der Atomabteilung im Stuttgarter 
Umweltministerium schon früher Zweifel an Graufs atomrechtlicher 
Zuverlässigkeit - ohne die Notbremse zu ziehen. Damit sei fraglich, "ob 
der Abteilungsleiter den Anforderungen an seine Position noch gerecht 
wird". Klarheit soll eine Landtags-Initiative der Grünen bringen. 
"Getäuscht und belogen" Auch die SPD sieht die Öffentlichkeit 
von Mappus "hinters Licht geführt, getäuscht und belogen" und verlangt 
eine Korrektur. Fraktionschef Drexler wundert sich auch über 
Bundesminister Trittin, der Mappus" Darstellung trotz Kenntnis der 
Vorgänge nicht öffentlich widersprochen habe. Damit setzte sich Trittin 
"dem Vorwurf falscher Kumpanei aus", meinte Drexler. Minister Mappus wies 
die Vorwürfe als "unerhört und nicht belegbar" zurück. Graufs Kündigung 
sei allein aus Gründen des Verhaltens gegenüber Vorgesetzten und Kollegen 
ausgesprochen worden, nicht wegen der Bewertung von Sicherheitsfragen, 
teilte die ENBW mit.

ANDREAS BÖHME