dpa: Philippsburg - Demonstration vor Castor-Transport
DPA, 06.11.04
> Philippsburg
> Demonstration vor Castor-Transport
Zug soll über Karlsruhe, Graben-Neudorf und Mannheim Richtung Gorleben
(Niedersachsen) fahren
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Dannenberg - Etwa 5000 Menschen haben am Samstag im niedersächsischen
Dannenberg friedlich gegen den bevorstehenden Castor-Transport mit
radioaktivem Atommüll nach Gorleben demonstriert. Begleitet von einem
großen Polizeiaufgebot zogen sie mit Transparenten, Trommeln und Sirenen
zum Verladebahnhof. Dort soll die radioaktive Fracht aus Frankreich am
Montag eintreffen und zur Weiterfahrt ins Zwischenlager Gorleben
umgeladen werden. Landwirte folgten dem Demonstrationszug mit Dutzenden
Traktoren.
Die Anti-Atom-Initiative «X-tausendmal quer» sprach von 5500
Demonstranten aus ganz Deutschland, die Polizei zählte etwa 4500
Teilnehmer. Im Vorjahr hatten nur rund 3500 Kernkraftgegner an der
Auftaktkundgebung im Wendland teilgenommen. Die Polizei hat angekündigt,
weniger Kräfte als im Vorjahr einzusetzen. Eine genaue Zahl wurde jedoch
nicht nennen. Beim Castor-Transport 2003 waren 12 500 Beamte im Einsatz.
Der Zug mit den zwölf Castoren sollte am Samstagabend die Normandie
verlassen. Die genaue Transportroute durch Deutschland ist unbekannt. Die
Polizei erwartet, dass Atomgegner versuchen werden, die Bahnstrecke zu
blockieren. In den Behältern wird der in Glas eingeschmolzene Restabfall
von 600 Tonnen Uran transportiert. Der deutsche Atommüll war in der
französischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague verarbeitet worden.
Der hoch strahlende Restabfall soll langfristig gelagert werden. Seit
1996 gibt es im Schnitt jedes Jahr einen solchen Rücktransport.
Die Europa-Abgeordnete Rebecca Harms (Grüne) forderte unterdessen die
Bundesregierung auf, endlich das seit Jahren geplante Gesetz zur
Endlagersuche vorzulegen. «Wir brauchen noch in dieser Legislaturperiode
ein Gesetz, das die Ideen des Arbeitskreises Endlager aufgreift», sagte
sie der dpa. Der Arbeitskreis war von Rot- Grün eingesetzt worden, um
Kriterien zu entwickeln, wie die Suche nach einem Endlager-Standort auf
eine gesetzliche Basis gestellt werden kann. Die Ergebnisse liegen seit
Ende 2002 vor. Im Salzstock Gorleben sind die Erkundungsarbeiten seit
vier Jahren unterbrochen.
dpa
06.11.2004 - aktualisiert: 06.11.2004, 16:50 Uhr