HN-St: GKN-Manager wird nach Atompannen entlassen
Heilbronner Stimme, 18.09.04
> GKN-Manager wird nach Atompannen entlassen
Von Joachim Kinzinger
Nach einer erneuten Panne im Atomkraftwerk Neckarwestheim zog die Energie
Baden-Württemberg (EnBW) die Konsequenzen. Sie hat den Technischen GKN-
Geschäftsführer Dr. Werner Zaiss (57) abberufen. Nicht nur radioaktive
Wasser waren in den Neckar gelangt. Auch ölhaltige Abfälle in der
Maschinenhaus-Entwässerung wurden kontaminiert.
Die Vorkommnisse und Störfälle im Kernkraftwerk Neckarwestheim haben
einem der beiden Geschäftsführer den Job gekostet. Dr. Werner Zaiss (57)
gehört nach 16 Jahren nicht mehr dem Management an. (Foto: Archiv)
Alle erforderlichen Beschlüsse seien eingeleitet, sagte EnBW-Sprecher
Dirk Ommeln zur Trennung von Zaiss. Er könne nicht mit sofortiger Wirkung
entlassen werden. Darüber entscheide die Gesellschafterversammlung. Mit
"verschiedenen Vorkommnissen" begründete Konzernchef Utz Claassen die
Ablösung des GKN-Managers, der seit 1988 für den technischen Bereich
verantwortlich war. Ab sofort gelte eine "kompromisslose Null-Fehler/Null-
Toleranz-Politik". Die EnBW werde sich von jedem Verantwortlichen
trennen, "der bei den Abläufen und im Kommunikationsverhalten seiner
Verantwortung nicht gerecht wird". Das Ziel: die größtmögliche Sicherheit
in Kernkraftwerken.
Bei der Panne am 27. Juli war radioaktiv kontaminiertes Wasser in den
Neckar gelangt. Erst am 18. August wurde der Zwischenfall entdeckt, erst
Tage später von der EnBW als meldepflichtig eingestuft (wir berichteten).
Als Konsequenz leitete Umweltminister Stefan Mappus ein
Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Verantwortliche ein.
Am Donnerstagabend unterrichtete die EnBW das Stuttgarter Ministerium
über weitere Nachforschungen und Details. Das leicht radioaktive Wasser
habe auch flüssige, ölhaltige Abfälle in der Maschinenhaus-Entwässerung
kontaminiert. Mit einem Tankwagen seien die Abfälle abtransportiert
worden. In der Schleuse, so EnBW-Sprecher Ommeln, seien keine Werte
oberhalb der natürlichen Aktivität gemessen worden. Erst die
radiologische Auswertung der Rückstellprobe habe die Kontamination
angezeigt, die mit rund zwei Megabecquerel "gering ist". Die Entsorgung
sei gestoppt. Eine Gefahr für Mensch und Umwelt habe nicht bestanden.
Wo sind die Abfälle? "Wir haben sie bei einer Entsorgungsfirma in
Mannheim sichergestellt", erklärt Pressesprecher Rainer Gessler vom
Umweltministerium. Die Flüssigkeit liege im Vorlagenbehälter einer
chemisch-physikalischen Behandlungsanlage. "Jetzt werden Proben gezogen."
Umweltminister Mappus begrüßt die Konsequenzen, die EnBW-Chef Claassen
aus dem "Freisetzungsereignis" zieht. Er hofft, dass nunmehr der von der
Aufsichtsbehörde erwartete "Ruck" durch das gesamte Unternehmen geht.
Der Neckarwestheimer Bürgermeister Mario Dürr war von Zaiss' Ablösung
überrascht. "Ob dies die richtige Personalpolitik ist, wage ich zu
bezweifeln." So könnten Kritiker "im eigenen Laden mundtot" gemacht
werden.