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dpa/lsw: Philippsburg, Obrigheim - Pannenserie in AKWs



dpa, 19.03.04

Philippsburg, Obrigheim

> Pannenserie in AKWs
> Zentrierstifte zum Erdbebenschutz fehlen

Philippsburg - Nach der Panne im Atomkraftwerk Philippsburg II ist ein 
ähnlicher Fehler auch im Reaktor von Obrigheim entdeckt worden.

Dies teilte am Freitag das baden- württembergische Umweltministerium mit. 
Demnach fehlten in Obrigheim in einem weniger sicherheitsrelevanten 
Bereich zwei Zentrierstifte zum Erdbebenschutz. Sie seien inzwischen 
wieder eingesetzt worden. Die Anlage müsse nicht vom Netz genommen 
werden. Überprüft wird derzeit, ob auch das Atomkraftwerk Neckarwestheim 
II von dem Fehler betroffen ist.

Der Reaktor in Philippsburg bleibt voraussichtlich noch für einige Tage 
abgeschaltet. Bei Wartungsarbeiten war am Dienstag festgestellt worden, 
dass bei mehreren Pumpen im Notkühlsystem Bolzen fehlten, die im Falle 
eines Erdbebens ein Verrutschen des Motors verhindern sollen. Daraufhin 
wurde Block II in der Nacht zum Mittwoch vorsorglich vom Netz genommen. 
Die Grünen im Landtag bewerteten die Panne als "klares Indiz für ein nach 
wie vor unzureichendes Sicherheitskonzept".

Nach Angaben des Karlsruher Energiekonzerns EnBW ist noch nicht restlos 
geklärt, ob die vier Zentimeter langen Bolzen überhaupt notwendig sind 
für einen Erdbebenschutz. Untersucht werde auch, ob statt der Bolzen 
andere mechanische Möglichkeiten in Frage kämen. Seit wann die 
fingerdicken Zentrierstifte fehlen, ist ebenfalls noch unklar. Die Pumpen 
seien jedenfalls von einer Fremdfirma montiert worden, sagte der EnBW-
Sprecher Dirk Ommeln. Die Behebung des Fehlers sei "keine große 
anlagentechnische Operation".

Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Walter Witzel, erinnerte an 
die Philippsburger Pannenserie aus dem Jahr 2001, die Gegenstand eines 
Untersuchungsausschusses im Landtag waren. Erst vor wenigen Tagen habe 
die so genannte "Task Force" Entwarnung gegeben; Umweltminister Ulrich 
Müller (CDU) habe von einer erfolgreichen Umstrukturierung der 
Atomaufsicht gesprochen. "Eine effektive Kontrolle exisiert aber immer 
noch nicht", kritisierte Witzel.

Dagegen sagte der Sprecher des Umweltministeriums, Hans Klöppner: "Man 
kann nicht hinter jeden Arbeiter einen Kontrolleur stellen." Die 
Sensibilität bei der Betreiberfirma EnBW habe seit 2001 auf jeden Fall 
zugenommen. Der EnBW-Sprecher Ommeln bewertete den aktuellen Fall "gerade 
als Beleg dafür, dass wir aus 2001 gelernt haben. Das Sicherheitskonzept 
hat gegriffen." Weil die Sicherheit über der Wirtschaftlichkeit stehe, 
sei der Reaktor sofort heruntergefahren worden.

Im Herbst 2001 war Philippsburg II erst nach wochenlanger Verzögerung und 
erheblichem Druck des Bundesumweltministeriums abgeschaltet worden. Zuvor 
war bekannt geworden, dass das Notkühlsystem fast 17 Jahre lang nicht 
korrekt befüllt worden war. Nach einer zehnwöchigen Zwangspause ging der 
Meiler im Dezember 2001 wieder ans Netz. Der damalige EnBW-Chef Gerhard 
Goll hatte den Verlust auf eine Million Mark (0,51 Mio Euro) pro 
Ausfalltag geschätzt.

dpa/lsw