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StN: Loch im Acker löst Angst um Atommeiler aus



Stuttgarter Nachrichten, 08.03.03

> Loch im Acker löst Angst um Atommeiler aus
> Kernkraftgegner fordern neue Studien zur Sicherheit
 
Besigheim/Neckarwestheim - Eine Doline auf einem Ackerstück bei Besigheim 
im Landkreis Ludwigsburg hat die Atomkraftgegner in der Region auf den 
Plan gerufen. Sie befürchten, dass sich Einbrüche im Erdreich auch auf 
dem Gelände des Kernkraftwerks in Neckarwestheim ereignen könnten - mit 
möglicherweise fatalen Folgen.

VON SASCHA SCHMIERER

Ein Loch ist im Acker - die Atomkraftgegner schlagen Alarm: Weil das nur 
wenige Kilometer von den Reaktorblöcken des Kernkraftwerks entfernt 
liegende Feld sich auf einem vergleichbaren Untergrund befindet, wird ein 
Abschalten des Atommeilers gefordert. Wolfram Scheffbuch, Sprecher des 
Bundes der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN), mahnt neue 
Gutachten über die Risiken des Baugrunds in Neckarwestheim an und will 
durch zusätzliche Probebohrungen auch die Standfestigkeit des geplanten 
Zwischenlagers erwiesen sehen. Die Grünen im Landtag planen eine 
parlamentarische Initiative zur Neubewertung der Risiken des Untergrunds. 
Und selbst das Umweltministerium will sich bei den Kollegen vom 
Geologischen Landesamt nach etwaigen neuen Erkenntnissen über die 
Standfestigkeit des Atommeilers erkundigen.

Das 18 Meter tiefe Loch auf einem Feld bei Besigheim ist gerade mal vier 
Kilometer vom Standort des Atomkraftwerks entfernt. Der Besitzer hatte 
offenbar vergeblich versucht, den "Krater" zu schließen. 400 Kubikmeter 
Füllmaterial, so Scheffbuch, soll der Landwirt ergebnislos in die Doline 
gekippt haben. Trotz Aushub sei die Öffnung im Acker weiter 
nachgebrochen.

Das Problem: Nach Ansicht des Stuttgarter Geologen Herrmann Behmel weist 
der Untergrund unter dem Feld die gleiche Struktur auf wie das Gelände, 
auf dem die zwei Reaktorblöcke stehen. Bei der für die Gegend typischen 
geologischen Situation werde die Gipsschicht unter der Erde durchs 
Grundwasser ausgelaugt.

Dadurch können laut Behmel Hohlräume entstehen, die ohne Vorwarnung 
einstürzen. Ähnliche "Erdfälle" seien etwa 1966 in Eisingen bei Pforzheim 
oder 1995 in der Nähe von Bad Mergentheim passiert. Für die 
Atomkraftgegner zeigt der Vorfall, dass der Boden unterm Atommeiler nicht 
sicher ist. Scheffbuch: "Ein solcher Hohlraumeinsturz kann jederzeit auch 
unter wichtigen Rohrleitungen des Kühlsystems passieren. Ein Ausfall des 
Reaktorkühlung hätte aber verheerende Folgen."
 
Aktualisiert: 08.03.2003, 05:06 Uhr