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dpa,
27.03.01
Castor-Transport
kommt problemlos durch Baden-Württemberg
Wörth/Walheim
(dpa) - Erstmals seit vier Jahren rollt wieder ein
Castor-Transport mit Atommüll drch Deutschland.
Auf seinem
Weg von der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La
Hague
ins Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen ist der Zug mit
den sechs
Spezialbehältern für hochradioaktive Abfälle
am Dienstagmorgen
störungsfrei durch Baden-Württemberg gefahren. Er
passierte nach
dreistündiger Fahrt um 6.40 Uhr hinter Wittighausen die
Landesgrenze nach
Bayern.
«Wir
sind zufrieden mit dem Verlauf des Transports. Wir hatten zwar
einige Störungen, aber generell haben sich beide Seiten
sehr vernünftig
verhalten», sagte Harald Trautmann, der Sprecher des
Bundesgrenzschutzamtes Stuttgart und lobte damit das Verhalten
von
Demonstranten und Polizisten.
Im Laufe
des Tages soll der Zug mit den rund 85 Tonnen Atommüll
in
Dannenberg eintreffen. Dort werden die Behälter vom Zug
auf Lastwagen
umgeladen und am Mittwoch in Gorleben eintreffen.
Durch Blockadeaktionen
zahlreicher versprengter Gruppen von Atom- Gegnern
entlang der Strecke zwischen dem elsässischen Grenzbahnhof
Lauterburg und
Wörth hatte sich in der Nacht die Ankunft des Zuges in
Wörth (Rheinland-
Pfalz) um rund eineinhalb Stunden verzögert. In Frankreich
hatte der am
frühen Montagmorgen vom Verladebahnhof Valognes gestartete
Transport kaum
Proteste ausgelöst. In Nancy und Bar-le-Duc kamen 140 Atomkraftgegner
zusammen, um zu demonstrieren. Ein großes Polizeiaufgebot
sicherte in
Frankreich den Zug, der planmäßig um 23.27 Uhr bei
Lauterburg die Grenze
nach Deutschland überquerte.
Durch Gleisblockaden
bei Hagenbach, Maximiliansau und Wörth kam der Zug
auf den 12 Kilometern von der Grenze nach Wörth allerdings
nur noch im
Stopp-and-Go-Verkehr weiter; er traf erst um 0.45 Uhr verspätet
in Wörth
ein. Dort wurden mehrere Begleitwaggons in den Zug eingehängt,
in denen
Beamte des Bundesgrenzschutzes den Transport nach Niedersachsen
begleiten
werden. Außerdem wurden die Lokomotiven gewechselt. Erst
um 3.33 Uhr
konnte der Zug über den Rhein nach Karlsruhe abfahren.
Nach
Polizeiangaben wurden 50 Demonstranten festgenommen; sie kamen
aber bis
zum Morgen wieder frei. Eine Sprecherin der Südwestdeutschen
Anti-Atom-
Initiativen berichtete von sieben Leichtverletzten.
Nach den
Worten von Trautmann hatten die Beamten «alle Hände
voll zu
tun», um die an verschiedenen Stellen auf die Gleise stürmenden
Castor-
Gegner von der Bahnstrecke zu entfernen. 500 Demonstranten stellten
sich
immer wieder auf die Gleise und blockierten mit Holzbarrikaden
die
Weiterfahrt. Die Leute hätten keinen Widerstand geleistet,
erklärte die
Polizei. Ein oder zwei Menschen hätten sich angekettet,
berichtete der
BGS; sie mussten mit Bolzenschneidern losgeschnitten werden.
Ein
Hubschrauber kreiste über den Gleisen und leuchtete die
Einsatzorte aus.
Auch Wasserwerfer standen bereit.
In Wörth
gelang es vier Demonstranten, auf dem Bahnsteig vor den Castoren
ein Transparent mit dem Slogan «Atommüll stopp»
zu entrollen. Nach
unbestätigten Schätzungen waren mehrere 1000 Polizisten
im Einsatz.
Nach Aussage
von Heidi Lindstedt, Sprecherin des Aktionsbündnisses Castor-
Widerstand Neckarwestheim, haben die Proteste ihr Ziel erreicht.
Es sei
gelungen, auf die Gleise zu kommen und die Castoren nicht ohne
Widerstand
passieren zu lassen. In Baden-Württemberg verhinderte massiver
Polizeieinsatz erneute Blockaden der Transport- Gegner: So sahen
in
Walheim am Neckar, wo vor vier Jahren heftig protestiert worden
war, 70
frierende Demonstranten die Castoren nur aus sicherer Entfernung.
53
Atomkraftgegner vorläufig festgenommen
Wörth
(dpa) - Bei Demonstrationen gegen den Castor-Transport sind
in der
letzten Nacht in der Südpfalz 53 Menschen festgenommen
worden. Nach
Polizeiangaben wird gegen 14 von ihnen ein Verfahren wegen gefährlichen
Eingriffs in den Schienenverkehr eingeleitet. Die Atomkraftgegner
hatten den mit Atommüll beladenen Zug zum Halten gezwungen.
Inzwischen haben die Aktivisten im Wendland ihre Proteste gegen
den Castor-Transport verstärkt. Greenpeace- Mitglieder
ketteten sich an eine Brücke. Die Castoren sind mittlerweile
in Hessen.
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