MaMo: Polizei nimmt 30 Demonstranten in Gewahrsam
Mannheimer Morgen, 13.11.01
> Polizei nimmt 30 Demonstranten in Gewahrsam
> Castor in Wörth
Wörth. Bei Demonstrationen gegen den Castor-Transport sind am Montag
in der Südpfalz 30 Atomkraftgegner in Gewahrsam genommen worden. Damit
wollte die Polizei nach eigenen Angaben Blockaden entlang der
Bahnstrecke verhindern. Eine Sprecherin der südwestdeutschen Anti-Atom-
Initiativen sagte hingegen, etwa 50 Demonstranten seien abgeführt
worden, als sie bei Wörth/Maximiliansau die Schienen blockiert hätten.
Der Zug mit sechs Castor-Behältern, der ins niedersächsische Gorleben
fahren soll, war am Nachmittag aus Frankreich kommend im rheinland-
pfälzischen Wörth eingetroffen. Dort wurden die französischen
Lokomotiven gegen deutsche ausgetauscht. Am frühen Abend sollte der
Zug Richtung Baden-Württemberg weiterfahren. Vor den Atommüllzug
rollten am Nachmittag fünf Demonstranten ein rotes Transparent mit der
Aufschrift "Stopp Castor". Auf Anordnung des Bundesgrenzschutzes (BGS)
mussten die Demonstranten das Plakat zusammenrollen und den Bahnsteig
verlassen.
Der mit sechs Atommüllcontainern beladene Zug aus der
Wiederaufarbeitungsanlage La Hague hatte am Mittag die deutsch-
französische Grenze bei Lauterburg überquert und laut Polizei ohne
Halt und Störungen das etwa zwölf Kilometer entfernte Wörth erreicht.
Die Einfahrt in die Bundesrepublik sei neben dem letzten
Streckenabschnitt bei Gorleben eine problematische Stelle, da es sich
um eine wenig befahrene Nebenstrecke handele, sagte Polizeisprecher
Heinz Hussy. Die Demonstranten hatten für diesen Abschnitt heftige
Proteste angekündigt.
Weil der Zug früher als geplant in Frankreich losgefahren sei, seien
viele Demonstranten nicht rechtzeitig an der Strecke eingetroffen,
sagte die Sprecherin der Anti-Atom-Initiativen, Heide Lindstedt.
Allerdings hätten die anwesenden Atomkraftgegner dafür gesorgt, dass
der Transport nicht unbemerkt und ohne Widerstand gefahren sei. dpa