afp: Offenbar Sicherheitsmängel in Sellafield entdeckt
AFP, 02.10.05
> Offenbar Sicherheitsmängel in Sellafield entdeckt
London (AFP) - In der britischen Atom-Wiederaufbereitungsanlage
Sellafield sind nach Informationen des "Independent on Sunday" schwere
Sicherheitsmängel festgestellt worden. Experten hätten die Anlage an der
Nordwestküste Englands als "potenziell gefährlich" eingestuft, heißt es
dem Bericht. Ihr Bericht sei eine "schockierende Anklage" der
Wiederaufbereitungsanlage, in der atomare Abfälle für die Lagerung
behandelt werden. Die Aufsichtsinstanz British Nuclear Fuel (BNFL)
erklärte in einer ersten Stellungnahme, Sicherheit habe in Sellafield
"oberste Priorität".
Die britische Regierung habe BNFL dazu verpflichtet, die Funktionsweise
von Sellafield in Abstimmung mit der französischen
Wiederaufarbeitungsfirma Cogema zu überprüfen, heißt es in dem von der
Zeitung zitierten Bericht weiter. Die wissenschaftlichen Grundlagen, auf
denen die Arbeit in Sellafield beruhe, seien fragwürdig, aus
Schilderungen von Beschäftigten gehe hervor, dass die
Sicherheitsvorschriften nicht korrekt beachtet würden. So seien Kabel von
Roboterarmen durchschnitten worden und in dafür ungeeignete Behälter hoch
radioaktive Substanzen abgefüllt worden.
In Sellafield wurden auch große Mengen deutschen Atommülls
wiederaufgearbeitet. Nachdem der Konzern Vattenfall wegen eines Störfalls
in Sellafield auf einen letzten noch dorthin geplanten Transport
verzichtet hatte, erklärte Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne)
die Ära der Wiederaufarbeitung im Ausland jedoch im Juni für beendet. Im
Frühjahr war in Sellafield ein Leck in einer Leitung entdeckt worden,
durch das über Monate hinweg radioaktive Flüssigkeit ausgetreten war.