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StZ: Uran wie normale Fracht transportiert?



Stuttgarter Zeitung, 13.04.05

> Uran wie normale Fracht transportiert?
 
Karlsruher Institut kommt in die Schlagzeilen - Umweltministerium hat 
nichts zu beanstanden
 
Einen dubiosen Urantransport aus einem Karlsruher Institut hat es nach 
Überzeugung des baden-württembergischen Umweltministeriums nie gegeben. 
Der Bürgerbeauftragte der EU-Kommission ist sich da allerdings nicht so 
sicher.

Von Meinrad Heck

Der Fall aus dem Karlsruher Forschungszentrum war 2002 der Europäischen 
Kommission gemeldet worden und unlängst durch Medienberichte öffentlich 
geworden. Eine früher beim Karlsruher Institut für Transurane (ITU) 
angestellte Chemikerin hatte gegenüber der EU-Kommission schwere 
Sicherheitsmängel beim Transport von radioaktivem Material offenbart. Vor 
allem ein Fall im Sommer 1997 hatte die Wissenschaftlerin nicht ruhen 
lassen. Damals soll ihren Aussagen zufolge knapp ein Gramm radioaktives 
Uranoxid "als normale Frachtsendung per Kurier" an ein Laboratorium in 
den Vereinigten Staaten geschickt worden sein.

Das Material hätte allerdings aus Sicherheitsgründen als Gefahrgut 
deklariert sein müssen, was nicht geschehen sei. Nach Eingang der 
Beschwerde hatte die EU-Kommission den Fall unter anderem an das baden-
württembergische Umwelt- und Verkehrsministerium weitergeleitet. Dort war 
die Chemikerin angehört und als "insgesamt glaubwürdig" eingestuft 
worden.

Neben dem dubiosen Urantransport hatte die Frau vor allem grundsätzliche 
Sicherheitsmängel im Karlsruher Institut beim Transport von nuklearem 
Material moniert. Darüber hinaus habe die Wissenschaftlerin 
"Einschüchterungsversuche und persönliche Schikanen" kritisiert, nachdem 
ihre Beschwerde eingegangen war, erklärte der Bürgerbeauftrage der EU-
Kommission.

Zu dem Karlsruher Fall hatte das Umweltministerium in einer ersten 
Reaktion erklärt, der fragliche Urantransport, "der angeblich illegal 
durchgeführt worden sei, hat nie stattgefunden". Ministerium und 
Gewerbeaufsicht hatten in dem Karlsruher Institut nachgeforscht und keine 
Belege gefunden. Dieser Einschätzung widerspricht allerdings der EU-
Bürgerbeauftragte, an den sich die Chemikerin gewandt hatte. In einem 
Empfehlungsentwurf an die Kommission wird im Gegensatz zur Stuttgarter 
Ministeriumsmeinung ausdrücklich festgestellt, dass es eben "keinen 
ausreichenden Nachweis für eine ordnungsgemäße Untersuchung" gebe.

Auf erneute Nachfrage erklärte ein Ministeriumssprecher, man sei den 
Anschuldigungen der früheren ITU-Mitarbeiterin "intensiv nachgegangen". 
Das Umweltministerium sei weiterhin überzeugt, der fragliche Transport 
habe nicht stattgefunden. Der derzeitige Leiter des Karlsruher Instituts 
habe dies "nochmals bestätigt". Damit bleibt es zunächst bei den 
unterschiedlichen Auffassungen.

Dass es in dem Karlsruher Institut zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, 
geht aus einem anderen Beispiel hervor. Die Chemikerin hatte einen 
weiteren Transport von abgereichertem Uran vom September 1998 kritisiert. 
Das Material soll lediglich durch einen Wachmann übergeben worden sein. 
Diesen Vorfall hatte das Umweltministerium angesichts von 200 Transporten 
jährlich lediglich als "kleine Schlamperei" eingestuft.

Das wiederholt kritisierte Karlsruher Institut soll laut Eigenwerbung 
"Unterstützung für die Politik im Bereich der nuklearen Sicherheit" 
bieten. Die 220 Mitarbeiter gehören der so genannten Gemeinsamen 
Forschungsstelle der Europäischen Kommission an, die unter anderem den 
illegalen Handel mit Kernmaterial unterbinden will. Bereits im Jahr 2001 
hatten Sicherheitsmängel in dem Institut zu einer kritischen Anfrage der 
Grünen im Landtag geführt.

Damals war bekannt geworden, dass eine Frau aus Pakistan als 
Mitarbeiterin einer Fremdfirma vom Landeskriminalamt im Rahmen einer 
Sicherheitsüberprüfung zunächst als unbedenklich eingestuft und 
beschäftigt worden war. Als vertrauliche Verschlusssache berichtete der 
Verfassungsschutz seinerzeit fünf Monate später, die Mitarbeiterin habe 
die Terroranschläge in New York vom 11. September 2001 "befürwortet" und 
zähle "zu den Gründern einer arabisch-islamistischen Vereinigung". Die 
Frau, die ihre Äußerungen zum Terroranschlag in einer Vernehmung als 
"falsch verstanden" darstellte, war daraufhin entlassen worden.

Sicherheitsprobleme beim Transport auch kleiner Mengen radioaktiven 
Materials scheint es, den Aussagen der Chemikerin zufolge, nicht nur in 
Karlsruhe zu geben. Die Frau hatte der EU-Kommission auch von einem 
irregulären Transport im Jahr 1999 von Holland nach Großbritannien 
berichtet. Ermittlungen hatten seinerzeit bestätigt, dass es um eine - so 
wörtlich - "unbeabsichtigte Versendung einer Probe, die eine Dosis 
Plutonium enthielt", gegangen war.