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AP: Wegen Atompolitik - Stuttgart attackiert Trittin



AP, 08.04.05

> Wegen Atompolitik
> Stuttgart attackiert Trittin
 
Landesumweltminister Mappus wirft Grünen-Politiker Willkür vor
 
Stuttgart - Der baden-württembergische Umweltminister Stefan Mappus hat 
die Atompolitik der Bundesregierung als willkürlich und ideologisch 
kritisiert. Der CDU-Politiker warf Bundesumweltminister Jürgen Trittin 
(Grüne) am Freitag in Stuttgart vor, das Ziel des Atomausstiegs fast 
schon fanatisch zu verfolgen. Die Grundsätze des Rechtsstaats und der 
Sicherheit der noch am Netz befindlichen Anlagen blieben dabei immer 
wieder auf der Strecke.

Mappus warf Trittin Willkür vor. Gleiche Sachverhalte würden ungleich 
behandelt, je nachdem, ob das Atomkraftwerk in einem Land mit rot-grüner 
Regierung liege oder nicht. Ein solches Vorgehen sei verantwortungslos. 
Der CDU-Politiker verwies unter anderem auf einen Vorfall im 
Atomkraftwerk im Dezember 2001 im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel, 
wo es zu einer Wasserstoffexplosion in der Deckelsprühleitung am 
Reaktordruckbehälter gekommen sei - laut Mappus der gravierendste 
Störfall in den zurückliegenden 30 Jahren. Dennoch sei die Anlage zwei 
Monate lang weiterbetrieben worden, obwohl es verschiedene Signale und 
Hinweise auf die Explosion gegeben hatte. Eine politische Rücksichtnahme 
auf die damalige rot-grüne Landesregierung "liege daher auf der Hand".

"Die Bundesaufsicht wird politisch-ideologisch instrumentalisiert und 
gegen Länder gerichtet, die der Kernenergienutzung positiv 
gegenüberstehen", sagte Mappus. Grüne Kernenergiepolitik sei nicht an der 
Realität und am Gemeinwohl, sondern an Ideologie und Einzelinteressen 
ausgerichtet. "Es gibt frappierende Parallelen zwischen der 
katastrophalen Visa-Politik, von Außenminister Joschka Fischer, die der 
Ideologie einer multikulturellen Gesellschaft andere gesellschaftliche 
Interessen und rechtliche Grenzen konsequent untergeordnet hat, und der 
Politik des Ausstiegs aus der Kernenergie im Hause Trittin", sagte der 
CDU-Politiker.

Hintergrund der Kritik ist ein Streit über Sicherheitsauflagen für das 
Atomkraftwerk Philippsburg II. Mappus sagte, innerbetriebliche Abläufe in 
der Anlage seien nicht zu beanstanden: "Es gab auch keinen Störfall und 
es hat auch keine Gefahr für die Bevölkerung und die Umgebung sowie das 
Betriebspersonal bestanden." Das Berliner Umweltministerium hatte Ende 
Februar von seinem Weisungsrecht als Bundesaufsicht Gebrauch gemacht. Den 
Angaben zufolge muss der Reaktor abgeschaltet werden, wenn die Energie 
Baden-Württemberg (EnBW) den Anweisungen nicht nachkommt und nicht 
nachweisen kann, "dass Störfälle hinreichend sicher beherrscht werden".

Das Bundesumweltministerium hatte bemängelt, dass die EnBW als Betreiber 
der Anlage seit Juni den Nachweis für die Beherrschung eines eventuellen 
Kühlmittelstörfalls schuldig geblieben sei. Trotzdem sei der Betrieb 
fortgesetzt worden. Erst am 12. Januar 2005 habe die EnBW die 
erforderlichen Maßnahmen ergriffen und das Problem der Stuttgarter 
Atomaufsicht gemeldet. Als Konsequenz daraus will das 
Bundesumweltministerium den Betreiber verpflichten, von sich aus die 
Anlage abzuschalten, wenn Grenzwerte oder andere Vorgaben zur 
Störfallbeherrschung nicht eingehalten werden.