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StZ: Mappus attackiert Trittin erneut wegen der Atomaufsicht



Stuttgarter Zeitung, 09.04.05

> Mappus attackiert Trittin erneut wegen der Atomaufsicht
 
"Länder willkürlich ungleich behandelt" - Bundesumweltminister nennt 
Kritik abwegig - Opposition: Manöver im CDU-Wahlkampf
 
STUTTGART. Der Landesumweltminister Mappus (CDU) hat seinen Bundes-
Kollegen Trittin (Grüne) wieder wegen der Atomaufsicht angegriffen. Die 
Opposition im Südwesten sieht darin nur den Versuch, im Wahlkampf um den 
CDU-Fraktionsvorsitz zu punkten.

Von Andreas Müller

Noch vor kurzem hatte Stefan Mappus den Bundesumweltminister als einen 
"durchgeknallten Spätachtundsechziger" bezeichnet. Diesen Ausdruck 
wiederholte er gestern nicht. Doch der 39-jährige Minister, der sich um 
den Vorsitz der Landtags-CDU bewirbt, griff Jürgen Trittin (Grüne) erneut 
scharf an.

Seine Kritik: Trittin missbrauche die Atomaufsicht "zu politisch-
ideologischen Zwecken". Gleiche Sachverhalte würden willkürlich ungleich 
behandelt, je nachdem, ob das Kernkraftwerk in einem Land mit rot-grüner 
Regierung liege oder nicht. Länder wie Baden-Württemberg, die der 
Atomenergie positiv gegenüberstünden, würden dabei benachteiligt, sagte 
Mappus im Blick auf die Vorgänge um das Kernkraftwerk Philippsburg. Als 
Motiv vermutet er die "fast schon fanatische" Weise, in der Trittin das 
Ziel des Atomausstiegs verfolge. Dies gehe auf Kosten des Rechtsstaats 
und der Sicherheit der noch laufenden Atommeiler.

Der CDU-Minister nannte mehrere Beispiele für die angeblich ungleiche 
Behandlung. So habe es im Kernkraftwerk Unterweser (Niedersachsen) 2001 
ähnliche Probleme wie in Philippsburg gegeben, denen die Bundesaufsicht 
jedoch nicht nachgegangen sei. Der Atommeiler Brunsbüttel (Schleswig-
Holstein) sei nach einer Wasserstoffexplosion noch zwei Monate lang 
weiter betrieben worden. Anders als Philippsburg sei der Reaktor Brokdorf 
(Schleswig-Holstein) nicht vorsorglich abgeschaltet worden, als Probleme 
mit Stiften und Schrauben bekannt wurden.

Trittin ließ die Vorwürfe als "völlig abwegig und substanzlos" 
zurückweisen. Atomaufsicht habe nichts mit Ideologie zu tun, dabei gehe 
es allein um Sicherheit. So habe das Bundesumweltministerium dafür 
gesorgt, dass Biblis 2003 ein halbes Jahr stillstand, weil es Probleme 
mit dem Störfallnachweis gab. In Brunsbüttel sei die Abschaltung der 
Anlage nach der Explosion unterstützt worden, und der Atomaufsicht in 
Bayern habe man "sehr unangenehme Fragen" zu Rohrleitungen im Reaktor 
Isar 1 gestellt. Trittins Sprecher wertete den Auftritt von Mappus als 
"absurdes Theater". Der CDU-Minister beklage sich allen Ernstes darüber, 
dass die Zustände anderswo angeblich genauso schlimm oder noch schlimmer 
seien als in Baden-Württemberg. Sein spöttisches Fazit: "Wir können 
alles, außer Atomaufsicht."

Auch die Opposition im Landtag wies die Attacken scharf zurück. Der SPD-
Abgeordnete Thomas Knapp nannte sie "abenteuerlich" und sprach von einem 
"verbalen Amoklauf". Mappus wolle davon ablenken, "dass seine 
Atomaufsicht so unfähig ist wie in keinem anderen Bundesland". Er solle 
endlich dafür sorgen, dass sie funktioniere. Zudem bescheinigte Knapp dem 
CDU-Mann einen "misslungenen Profilierungsversuch" im Kampf um den CDU-
Fraktionsvorsitz; er wolle sich als "Hardliner" empfehlen.

"Da ist wohl der Wahlkämpfer mit dem Kollegen Mappus durchgegangen", 
kommentierte auch der Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann die 
"skurrile Veranstaltung". Es habe durchaus Gründe, wenn die Atomaufsicht 
auf Baden-Württemberg ein besonderes Auge werfe: In keinem anderen 
Bundesland habe es staatsanwaltschaftliche Ermittlungen zu allen 
Atomkraftwerken gegeben. Zudem suchten andere Länder eine "enge und 
intensive Zusammenarbeit" mit der Bundesaufsicht, während die Stuttgarter 
Behörde dazu "nur unter Druck" bereit sei.

Unter Bezugnahme auf ein StZ-Interview warf Mappus Trittin vor, er 
behaupte fälschlicherweise, die Betreiber von Philippsburg hätten 
versucht, ein Problem "wegzurechnen". Tatsächlich hatte Trittin nur die 
Frage gestellt, ob dies der Fall gewesen sei; dies sei ein Punkt, den 
sein Haus prüfe. Darauf angesprochen sagte Mappus, der Unterschied 
zwischen "Fragezeichen und Ausrufezeichen" sei in diesem Fall nicht 
entscheidend.