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StN: Anhörung zum Atommüll-Provisorium verzögert sich



Stuttgarter Nachrichrten, 07.11.01

(S. 1)
> Atomlager-Anhörung beginnt mit Streit

Heilbronn (sas) - Mit einem Befangenheitsantrag gegen Versammlungsleiter 
Bruno Thomauske vom Bundesamt für Strahlenschutz hat am Dienstag in der 
Heilbronner Stauwehrhalle der Erörterungstermin zum Atommüll-
Zwischenlager beim Kernkraftwerk Neckarwestheim begonnen. In den nächsten 
Tagen werden dort die 3488 Einwendungen gegen den Neckarwestheimer 
Atomstollen behandelt. Vertreter des Landes fehlten beim Auftakt in der 
von starken Sicherheitskräften abgeriegelten Veranstaltungshalle. 


> Anhörung zum Atommüll-Provisorium verzögert sich
> Erörterung zum GKN-Zwischenlager startet mit Befangenheitsantrag gegen 
den Versammlungsleiter Heilbronn

Mit einem Befangenheitsantrag gegen Versammlungsleiter Bruno Thomauske 
vom Bundesamt für Strahlenschutz hat am Dienstag in der Heilbronner 
Stauwehrhalle der Erörterungstermin zum Atommüll-Zwischenlager beim 
Kernkraftwerk Neckarwestheim begonnen.

VON SASCHA SCHMIERER

In den nächsten Tagen werden bei der Veranstaltung die 3488 Einwendungen 
gegen den Neckarwestheimer Atomstollen behandelt. Das Kernkraftwerk 
plant, zwei unterirdische Tunnelröhren zur provisorischen Lagerung 
ausgedienter Brennstäbe in den Muschelkalk am Neckarufer zu treiben. In 
den 18 Meter hohen und 90 Meter langen Stollen könnten bis zu 151 Castor-
Behälter bis zu 40 Jahre lang aufbewahrt werden.

Laut Werner Zaiss, Technik-Chef des Atommeilers, führt die Einrichtung 
des Zwischenlagers am Standort zu keiner zusätzlichen Strahlenbelastung: 
¸¸Die nach dem Stand von Wissenschaft und Technik erforderliche Vorsorge 
gegen Schäden durch die Aufbewahrung bestrahlter Kernbrennstoffe ist 
getroffen'', betont der Geschäftsführer am Dienstag zu Beginn der 
Erörterung. Die lokalen Atomkraftgegner sehen das anders. Sie befürchten 
erhebliche Gesundheitsgefahren durch jahrzehntelang im Untergrund 
lagernden Strahlenmüll.

Zumal rund um den Atommeiler die Angst wächst, dass die Brennstäbe bis in 
alle Ewigkeit vor der Haustüre liegen. ¸¸Man kann nicht atomaren Abfall 
produzieren und Zwischenlager bauen, ohne zu wissen, wo der Müll 
endgültig bleiben soll'', meint Wolfram Scheffbuch, Sprecher des Bunds 
der Bürgerinitiativen. Die Anwohner seien Opfer einer nicht durchdachten 
Energiepolitik - weil Wiederaufarbeitungsanlagen wegen hoher Emissionen 
politisch nicht haltbar seien und das Moratorium fürs einst geplante 
Endlager in Gorleben laufe, sei ein nationales Endlager in weite Ferne 
gerückt. Aufs Bundesamt für Strahlenschutz setzen die Atomkraftgegner in 
ihrem Kampf gegen das Zwischenlager freilich wenig Hoffnung. Der Behörde, 
so der Vorwurf, gehe es vor allem darum, Atomtransporte zu vermeiden - 
der Atomkonsens mache sonst keinen Sinn. Ein Spruchband vor der 
Stauwehrhalle macht deutlich, welche Chancen sich die Einwender bei der 
Erörterung ausrechnen: ¸¸Tretet ein und lasset alle Hoffnung fahren'' 
steht auf dem Transparent. Der triste Betonbau im Stadtteil Horkheim wird 
von Sicherheitspersonal massiv bewacht, nur Einwender haben Zutritt zur 
Erörterung. Die stoppt am Dienstag zunächst, bevor sie richtig begonnen 
hat: Drei Einwender werfen Moderator Bruno Thomauske vor, bei der 
Verhandlung ums Interimslager im April zu spät Informationen geliefert zu 
haben. Das Präsidium des Bundesamtes weist dies zurück, so dass das 
Verfahren am späten Nachmittag weitergehen kann. Beim Auftakt fehlten 
Vertreter des Landes: Die für Umwelt- und Wirtschaftsministerium 
reservierten Plätze blieben leer. Ohnehin hatte es im Vorfeld Streit um 
den Veranstaltungsort gegeben. Neckarwestheims Bürgermeister Mario Dürr 
hatte sich geweigert, die Reblandhalle ans Strahlenschutz-Bundesamt zu 
vermieten und das Erörterungsverfahren kritisiert.