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StZ: Rekord in Wörth



Stuttgarter Zeitung, 02.08.01

> Rekord in Wörth
> Der bisher längste Atomzug rollt, viele werden noch folgen

 Im pfälzischen Bahnhof Wörth startet der längste Atommüllzug aller 
Zeiten - weit gehend unbehindert von Protesten. Die zwölf Container mit 
strahlendem Abfall sollen 
nach Sellafield und La Hague. Noch dieses Jahr werden viele folgen, 
Genehmigungen liegen schon vor.

 Von Armin Käfer

 Stündlich verschickt "x-tausendmal-quer'' übers Internet die neuesten 
Lageberichte von der Castor-Front. Eigentlich haben die Kernkraftgegner 
aber kaum etwas zu vermelden. Die Züge von den Atomkraftwerken Stade, 
Brunsbüttel, Philippsburg, Mülheim-Kärlich und Neckarwestheim rollen 
nahezu unbehindert nach Wörth. Nur vereinzelt regt sich Protest. Die 
Blockadefraktion von "x-tausendmal-quer'' ist noch dabei, die Wunden zu 
lecken, die von der Frühjahrsschlacht im Wendland herrühren.

 "Ermutigendes, aber auch Beängstigendes haben wir erlebt'', heißt es in 
einem Newsletter an "Freundinnen und Freunde'', die sich damals bei 
Gorleben auf die Gleise gesetzt und mit Polizisten geprügelt haben. 
"Seelen-Sanis'' bieten den Invaliden der Antiatomfront ihre Dienste an. 
Wer "Wut, Angst, Entsetzen und Empörung aussprechen und loslassen'' will, 
ist zu einem "Workshop zur emotionalen Aufarbeitung'' eingeladen. 
Währenddessen rollen neue Atommüll-Container zur Wiederaufarbeitung nach 
Sellafield und La Hague.

 Laut Greenpeace handelt es sich bei diesem Zug, der gerade in Wörth 
beladen wird, um den "größten Atommülltransport in der Geschichte der 
BRD''. In Wirklichkeit ist es der längste - noch nie wurden zwölf 
Container auf einmal transportiert. Nach Auskunft des Bundesamtes für 
Strahlenschutz gab es allerdings schon Castor-Züge, die schwerer beladen 
waren. Insgesamt neun Castoren kommen aus den Kernkraftwerken Stade, 
Brunsbüttel und Philippsburg sowie aus dem stillgelegten Atommeiler 
Mülheim-Kärlich, sie sind für La Hague bestimmt. Drei Container vom Typ 
Excellox-6 aus Neckarwestheim befinden sich auf dem Weg in die britische 
Atomfabrik Sellafield. 
Durch Frankreich rollt die strahlende Fracht auf einem gemeinsamen Zug.

 Dies wird nicht der letzte Atommülltransport im laufenden Jahr sein. 
Nach Informationen von Greenpeace hat das Bundesamt für Strahlenschutz 
bereits 64 weitere Transporte genehmigt: 54 davon nach La Hague, zehn 
nach Sellafield. 19 Container wurden in diesem Jahr bereits ins Ausland 
verfrachtet.

 Das Bundesamt für Strahlenschutz hat im Internet exakt aufgelistet, wie 
viele Transportgenehmigungen bis Mitte kommenden Jahres bereits beantragt 
und bewilligt sind. 
Aus der langen Liste ergibt sich, dass in den kommenden zwölf Monaten 778 
Brennelemente in die französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague 
geliefert werden sollen, 42 Brennstäbe nach Sellafield und 579 in das 
Zwischenlager Ahaus im Münsterland. Dort können fast 4000 Tonnen Uran und 
Plutonium aufbewahrt werden. Es gibt Platz für 370 Castor-Container.

 Laut Atomkonsens dürfen die Betreiber der deutschen Kernkraftwerke bis 
Mitte 2005 ihren Müll wiederaufarbeiten. Die Stromindustrie will noch 
2000 Tonnen abgebrannter Brennelemente ins Ausland schaffen. Bis 2011 
muss auch dieses Material wieder zurückverfrachtet werden. Die Branche 
geht davon aus, dass noch 500 Castoren zu transportieren sind - das wären 
mehr als vierzig Nuklearzüge der extra langen Sorte, wie sie zurzeit 
unterwegs sind. Tatsächlich werden es mehr als hundert werden, da die 
meisten Züge nur sechs Castor-Container geladen haben. Der Atomkonsens 
sieht vor, solche Transporte auf das unabdingbar notwendige Maß zu 
beschränken. Die Stromindustrie hat sich verpflichtet, unmittelbar bei 
den Atommeilern dezentrale Zwischenlager zu schaffen. Dort darf der 
Nuklearmüll aber höchstens 40 Jahre lang lagern. 
Bis dahin müssen Umweltminister Trittin und seine Nachfolger ein Endlager 
gefunden haben.

 Internet-Informationen über Atomtransporte: www.bfs.de; www.bmu.de; 
www.greenpeace.de; www.x1000malquer.de