DA-Echo: Wegen Castor auf die Gleise
Darmstädter Echo, 02.08.01
>Wegen Castor auf die Gleise
>Polizeieinsatz in Groß-Gerau gegen Aktionsteilnehmer
(kle). Etwa 20 Teilnehmer am „antirassistischen Grenzcamp“ zwischen
Raunheim und Kelsterbach haben am Mittwoch gegen 15.30 Uhr am
Bahnhof Groß-Gerau/Dornberg die Bahngleise betreten und sind darauf in
Richtung Bahnhof Groß-Gerau gelaufen. Unmittelbar vor diesem Bahnhof
holte ein beträchtliches Aufgebot an Einsatzkräften von
Bereitschaftspolizei und Bundesgrenzschutz die Personen von den Gleisen.
Die überwiegend jungen Leute gaben an, dass sie aus Ablehnung der
Atomenergie und wegen der Entsorgungsproblematik den an diesem Tag
laufenden Brennelemente-Transport behindern wollten; Aktionen sollten
zudem die Bahn treffen, solange sie für diesen Transport zur Verfügung
stehe.
Auf die Aktion war der Bundesgrenzschutz aufmerksam geworden durch
Beobachtungen aus einem Hubschrauber heraus: Die von den Grenzcamp-
Teilnehmern benutzte Strecke war für den aktuellen Castor-Transport eine
der möglichen Routen gewesen, kurzfristig sei dann aber eine andere Route
gewählt worden, wie ein Polizeisprecher sagte.
Dadurch bleibt den aus Norddeutschland kommenden Teilnehmern der
Aktion – Alter: zwischen 15 und 50 Jahre – voraussichtlich der Vorwurf
des gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr erspart; ihnen dürfte
vielmehr eine Verkehrs-Ordnungswidrigkeit zur Last gelegt werden.
Nach dem Abdrängen von den Gleisen wurden die Personalien von 18
Teilnehmern aufgenommen; hierfür wurde eine Fünfzehnjährige mit auf die
Wache genommen, da sie sich nicht ausweisen konnte und aus Gründen
der Fürsorge geklärt werden sollte, ob die Eltern über den Aufenthaltsort
informiert sind.
Am Ort des Geschehens hatte der Bundesgrenzschutz (BGS) die
Sudetenstraße zeitweise abgesperrt; ein Journalist wurde nach seinem
Presseausweis gefragt, nach Vorlage des Dokumentes gleichwohl
zurückgewiesen. Die Gegenfrage nach Funktion oder Person des
abweisenden Grenzschützers blieb hingegen unbeantwortet. Ein Anruf bei
der „Hotline“ des BGS, am Dienstfahrzeug aufgeführt, brachte die
Auskunft, die Einsatzkräfte vor Ort verhielten sich korrekt. Die
Polizeidirektion des Kreises Groß-Gerau vermittelte in dieser Situation.
– Am Abend bedauerte ein BGS-Sprecher das Verhalten vor Ort.
2.8.200