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StN: Statt 2500 "nur'' noch 700 Polizeikräfte im Einsatz



Stuttgarter Nachrichten, 01.08.01

> Atommülltransport rollt ungehindert nach Walheim 
> Statt 2500 "nur'' noch 700 Polizeikräfte im Einsatz

Neckarwestheim - Der Atommüll-transport aus dem Kernkraftwerk in 
Neckarwestheim hat am Dienstag seine erste Zwischenstation im 
Kohlekraftwerk in Walheim ohne nennenswerte Zwischenfälle erreicht.

VON SASCHA SCHMIERER

Nach dem Großeinsatz im Frühjahr ist an der Atomfront wieder Ruhe 
eingekehrt. Die Entsorgung der ausgedienten Brennstäbe ist fast schon 
wieder Alltagsgeschäft. Seit Umweltminister Jürgen Trittin den 
Atomkonsens mit den Energieversorgern unter Dach und Fach gebracht hat, 
scheint sich selbst bei hartgesottenen Kernkraftgegnern Resignation breit 
zu machen. Die Tieflader, die am Dienstag drei Behälter vom Typ Excellox-
6 zur Verladestation in Walheim bringen sollten, erreichten um 6 Uhr 
ungehindert ihr Ziel. Zwar versammelten sich kurzzeitig knapp 30 
Demonstranten auf der Transportstrecke, um Protestplakate zu entrollen. 
Doch nach Aufforderung der Polizei verließen sie die Bundesstraße 27 
freiwillig.

Gegen die geballte Übermacht der Beamten hätten die Castor-Gegner auch 
kaum Chancen gehabt. Mit 700 Einsatzkräften war die Polizei angerückt, um 
den Transport zu sichern. Wie schon im April war das Gelände rund um das 
Kernkraftwerk und die Transportstrecke mit Nachtsichtgeräten und 
Bodensensoren überwacht worden, um am Reisetag keine unliebsamen 
Überraschungen zu erleben. Allerdings wurde auch das Polizeikorps 
deutlich abgespeckt. Ende April hatte Landespolizeipräsident Erwin Hetger 
noch rund 2500 Kräfte aufgeboten, um den Atomkraftgegnern entschlossenes 
Handeln zu signalisieren. Diesmal war die Polizeidirektion Ludwigsburg 
selbst für die Einsatzplanung zuständig - auch das sagt viel über die 
gesunkene Brisanz aus.

Ein Massenauflauf an Atomkraftgegnern war freilich auch gar nicht zu 
erwarten. Rund um den Neckarwestheimer Atommeiler befürchten die Bürger 
zwar nach wie vor, dass das geplante Zwischenlager für den Strahlenmüll 
zum Dauerzustand werden könnte. Gegen die Transporte, bei denen der 
atomare Abfall ja von der eigenen Haustür entfernt wird, haben sie 
hingegen wenig einzuwenden. Eine spontane Protestkundgebung am 
Montagabend verzeichnete denn auch wenig Zulauf: Gerade mal 90 Castor-
Gegner versammelten sich vor dem Kirchheimer Bahnhof, um friedlich gegen 
die Transporte zu demonstrieren. Im Bikini und mit Sonnenschirm ging es 
dann in Richtung Rathaus - die Anti-Atom-Szene schwelgte in 
Freibadstimmung.

Die 21 Brennstäbe aus Neckarwestheim sollen heute per Zug zur 
Wiederaufarbeitung ins britische Sellafield fahren. Ins französische La 
Hague rollen Transporte aus Stade, Brunsbüttel, Phillipsburg und Mülheim. 
Gegner sprechen vom "größten Atommülltransport aller Zeiten''.