HN-St.: Atommüll rollt nach Sellafield
Heilbronner Stimme, 01.08.01
> Atommüll rollt nach Sellafield
> Abtransport vom Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar
Von Eva Herre und Joachim Rück
Weniger Einsatzkräfte, reibungsloser Ablauf - das ist das Fazit der
Polizei nach dem gestrigen Atommülltransport vom
Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar (GKN) nach Walheim. Vom Verladebahnhof
auf dem Gelände des Dampfkraftwerks rollt die atomare Last heute auf der
Schiene in die britische Wiederaufbereitungsanlage Sellafield.
Um 5.11 Uhr öffnete sich gestern Morgen Tor 2 des GKN in Neckarwestheim
für den Atommüll-Transport. Genau 40 Minuten später schlossen sich hinter
den drei Excellox-Behältern langsam die Tore des Walheimer
Dampfkraftwerks.
Lediglich etwa drei Dutzend Demonstranten standen an der Strecke, die
meisten davon auf der Walheimer Höhe. Rund 700 Polizisten waren gestern
im Einsatz, meldete die Ludwigsburger Direktion.
Zum Vergleich: Beim Excellox-Transport Ende März hatte die Polizei 2500
Beamte aufgeboten.
"Insgesamt sind wir mit dem Ablauf sehr zufrieden", bilanzierte
Einsatzleiter Ernst Horlacher einige Minuten nach Ankunft der brisanten
Fracht: "Erheblich weniger Einsatzkräfte, erheblich weniger
Störpotenzial."
Der Polizeibericht erwähnt nur zwei Vorfälle: Sieben Personen versuchten,
die Bundesstraße 27 zu blockieren, um den Transport an der Weiterfahrt zu
hindern. Und hinter dem Konvoi spannten Demonstranten kurzzeitig ein
Transparent quer über die Straße.
Bereits am Vorabend des Straßentransports hatten sich zwischen 100 und 150 Kernkraftgegner am Kirchheimer Bahnhof versammelt. Sie marschierten friedlich zum Rathaus.
Knapp 40 verbrachten die Nacht am Ortsausgang.
Für das geringe "Störpotenzial" gibt es einige Gründe: Ferienzeit, Abfahrt im Morgengrauen und kurzfristiges Ansetzen des Straßentransports. Erst am Donnerstag waren die leeren Excellox-Behälter in Neckarwestheim angelief
ert worden.
Aber das ist laut GKN-Pressesprecher Uwe Mundt nur bedingt Taktik: " Sie hätten eine Woche früher kommen sollen.
Doch die Messgeräte der britischen Kontrollbehörde waren falsch geeicht, so dass die Strahlung der Behälter zwei Becquerel pro Quadratzentimeter betragen hatte und sie noch einmal gereinigt werden mussten. Der Grenzwert l
iegt allerdings mit vier Becquerel immer noch höher."
Heute Nachmittag rollen die 21 radioaktiven Brennelemente in den drei Excellox-Behältern via Bahn vom Dampfkraftwerk Walheim in die britische Wiederaufbereitungsanlage Sellafield.
Zeitgleich werden die abgebrannten Brennstäbe aus den fünf
Kernkraftwerken Stade, Brunsbüttel, Mühlheim-Kärlich und Philippsburg in
das französische La Hague gebracht.
Atomkraftgegner sprechen vom größten Atommülltransport in der Geschichte
der BRD.
01.08.2001