KOORDINATIONSKREIS GEGEN CASTOR SAAR
c/o VSJS
Försterstraße 22, 66111
Saarbrücken
Tel. (0681) 635359, Fax: 390 4877
Email: castor-saar@geocities.com
Pressemitteilung:
Castor in Saarbrücken
blockiert
Die Anti-Atom-Bewegung hat am 11. August
1999 in Saarbrücken eine
Blockade-Aktion durchgeführt: der
Tag der totalen Sonnenfinsternis als
Anfang vom Ende der Atomindustrie?
Der Castor-Skandal hat im Mai 98 zu einem
Stopp weiterer verstrahlter
Atomtransporte geführt. Dieser Erfolg
droht nun wieder zunichte gemacht zu
werden, denn seit dem 6.8.99 ist erneut
ein Castor- Transportbehälter
unterwegs: Der in England dekontaminierte
Behälter wurde aus der
britischen Wiederaufbereitungsanlage (WAA)
in Sellafield nach Dunkerque/F
gebracht und dort am 10.8 auf die Schiene
verladen. Von Dunkerque aus
sollte der Behälter noch am gleichen
Tag in das Atomkraftwerk
Neckarwestheim rollen, er wurde jedoch
in Saarbrücken von Atomkraftgegnern
gestoppt. Die Blockierer kritisieren in
diesem Zusam-men-hang das
Verhalten des Lokführers der nicht
direkt vor den gut sichtbaren
Atomkraft-gegnern bremsen wollte sondern
provozierte durchzufahren. Auch
die BGS-Beamten hatten die friedlichen
Blockierer mit ihrem unnötig
aggressiven und massiven Auftreten einzu-schüchtern
versucht. Der für die
Anlieferung ins AKW Neckarwestheim benötigte
Tieflader wurde dort am
gleichen Tag schon für 3 Stunden
blockiert. Am Morgen des 12. August wurde
der Castor dann ein drittes mal in Bitigheim
blockiert. Insgesamt sei dies
eine neue Qualität des Anti-Atom-
widerstandes und ein gelungener Auftakt
für die geplante Totalblockade bei
weiteren Atommülltransporten - egal von
wo nach wo.
Hintergrund: Was für eine Bedeutung
hat der leere Castor-Behälter?
Besagter "Leer-Castor" ist seit Mai 98
der erste wieder nach
Deutschland rollende Behälter. Er
soll in Neckarwestheim mit
verbrauchten Brennelementen beladen werden,
um in die WAA
transportiert zu werden.
Die Betreiber der AKWs Philippsburg, Biblis,
Stade und Neckarwestheim
haben bereits acht Transporte in die WAAs
beantragt. Bisher ist der
Transportestopp noch nicht aufgehoben,
denn die Bedingung für die
Wiederaufnahme der umstrittenen Transporte
sind drei Gutachten, die das
Bundesumweltministerium in Auftrag gegeben
hat. Die ersten beiden
Gutachten sind schon erstellt, das dritte
steht dagegen noch aus. Die
Anlieferung dieses "Leer-Castors" und
seine geplante Beladung sind
wesentlicher Bestandteil dieses dritten
Gutachtens und damit Voraussetzung
für die Wiederaufnahme weiterer Atomtransporte
in der Zukunft. Die
Saarbrücker Atomgegner wollen mit
ihrer Blockade darauf aufmerksam machen,
dass der scheinbar harmlose Transport
des leeren Castor-Behälters in
Wirklichkeit dazu dient, den ungestörten
Weiterbetrieb der Atom-anlagen
sowie weitere Atomtransporte quer durch
Deutschland zu gewährleisten.
"Es soll vor allem gegen die Verschleierungstaktik
der
Bundesregierung protestiert werden, die
sich an den
betriebswirtschaftlichen Interessen der
Atomindustrie, nicht aber am
Schutz der Bevölkerung orientiert",
so Markus Pflüger vom
Koordinationskreis gegen Castor. Obwohl
der Koalitionsvertrag einen
umfassenden und unumkehrbaren Ausstieg
aus der Atomenergie vorsieht, wird
durch das Verhalten der rot-grünen
Bundesregierung offensichtlich der
jahrzehntelange Weiterbetrieb sämtlicher
Atomanlagen garantiert.
Mit dieser Aktion fordern die Atomkraftgegner
den sofortigen Ausstieg aus
der Atomenergie und eine echte ökologische
Energiewende "Ein Ausstieg aus
der Atomenergie ist nicht eine Frage der
Machbarkeit, sondern der Macht!",
so Markus Pflüger. Die Durchsetzung
eines schnellen Ausstiegs scheint
aufgrund der begrenzten Lager-kapazitäten
der AKWs nicht mehr utopisch.
Etwa 6 Transporte sind in nächster
Zeit erforder-lich - aufgrund der zu
erwartenden Proteste sind aber maximal
2 Transporte pro Jahr polizeilich
durchsetzbar. Die Anti-Atom-bewegung will
die einmalige Chance nutzen mit
Hilfe der Verstopfungs-strategie die AKWs
vom Netz zu blockieren. Dazu sei
der Protest gegen diesen Transport ein
gelungener Auftakt gewesen.