Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 
Nach der Sonnenfinsternis ATOMAUSSTIEG
     
    ## Ersteller: pool@LINK-CR.bawue.cl.sub.de

    Nach der Sonnenfinsternis ATOMAUSSTIEG -
    Vielfältige Aktionen zur Ankunft eines leeren Transportbehälters in 
    Neckarwestheim

    NECKARWESTHEIM (pool/bka). Mit vielfältigen Aktionen hat die Anti-AKW-
    Bewegung am 11. und am 12.08.1999 auf die Ankunft eines leeren 
    Transportbehälters im Kernkraftwerk Neckarwestheim reagiert. Rund sechzig 
    DemonstrantInnen blockierten am Nachmittag der "schwarzen Sonne" eine für 
    den Straßentransport bestimmte Zugmaschine mit Tieflader. Der eigentliche 
    Transportbehälter wurde zweimal auf der Schiene und einmal vor dem 
    Verlassen des Kohlekraftwerks Walheim in seiner freien Fahrt behindert.

    Nachdem die etwa sechzig Atom-GegnerInnen, davon gut die Hälfte aus dem 
    Wendland das eigentliche "Mega-Ereignis" dieses Jahrhunderts, die totale 
    Sonnenfinsternis (nicht nur) am Standort Neckarwestheim, gebührend und bei
     zeitweisem Aufklaren des Himmels begangen hatten, machten sie sich auf zu
     einem Spaziergang zur Walheimer Höhe. Diese liegt zwischen dem 
    Kohlekraftwerk Walheim (bis hier hin erfolgen die Transporte per Bahn) und
     dem Kernkraftwerk Neckarwestheim, das nur über die Straße zu erreichen 
    ist. Unglücklicherweise mußte die für den Straßentransport vorgesehene 
    Zugmaschine mit Tieflader sowie die Begleitfahrzeuge genau in dem Moment 
    die Walheimer Höhe passieren, als die DemonstrantInnen diesen strategisch 
    günstigen Punkt eingenommen hatten. Statt "Mond trifft Sonne" spielte sich
     nun das wesentlich häufigere Ereignis "Demonstranten treffen Transporter"
     ab und alle Beteiligten sind wohl auf ihre Kosten gekommen: zweieinhalb 
    Stunden totale Blockade! Während diesem Happening auf der Walheimer Höhe 
    wurden zudem einige Bremsschläuche demontiert, einer zerstört, die 
    Fahrzeuge mit Aufklebern bestückt, Schmierseife auf der Straße ausgebracht
     und mit weißer Farbe neuartige Fahrbahnmarkierungen erstellt. Die 
    Blockierer waren fürstlich unter einem Pavillon untergebracht, der sie bei
     der Begegnung des Tages vor überflüssigen Witterungseinflüssen schützte. 
    Von Augenschäden und Festnahmen ist nicht bekannt.

    Lediglich die Polizei war völlig unterbelichtet und hat so - neben den 
    erforderlichen Reparaturarbeiten am Transportfahrzeug - erheblich zum 
    guten Gelingen und zur Dauer der Blockade beigetragen. Nach zwei Stunden 
    hatte sie gerade erstmal 35 Beamte, zumeist aus dem Einzeldienst, 
    zusammengezogen; die meisten dürften wohl bei dem Einsatz für die 
    Sonnenanbeter gebunden gewesen sein. Nach der dritten Aufforderung, die 
    Blockade aufzulösen verliessen die Demonstranten dann die Straße, die 
    dennoch noch einige Zeit gesperrt blieb, was nicht unerheblich zu den 
    Staus bei der Ausreise aus Stuttgart beigetragen haben mag.

    Der eigentliche Transportbehälter machte sich erst gegen Abend auf den Weg
     zum Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar: Um 17.52 Uhr MESZ verließ der 
    Exellor 6 begleitet von einer Waggonladung BGSler den Bahnhof Metz. 
    Zwischen 20:00 Uhr und 20:20 Uhr wurde der Transport in Saarbrücken 
    blockiert. Und auch als der Zug in den frühen Morgenstunden des 12. August
     von Kornwestheim Richtung Neckarwestheim rollte, kam es zu Verzögerungen:
     Bei Bietigheim wurde die Schiene von einigen AtomkraftgegenerInnen 
    blockiert. Diese Blockade wurde bei Eintreffen des Zuges vom BGS relativ 
    zügig geräumt, hat aber zumindest den offiziellen Zeitplan wohl doch 
    einwenig verzögern können. Auch hier kam es lediglich zu einigen 
    Personalienfeststellung und zur Beschlagnahme der zwei mitgeführten 
    Transparente.

    Nachdem der Transportbehälter dann glücklich im Kohlekraftwerk Walheim 
    angekommen und auf den bereitgestellten Tieflader umgeladen war, sollte es
     die letztn zehn Kilometer über die Straße ins GKN gehen. Aber, ach: das 
    Stahltor des Kohlekraftwerks war von einigen Renitenten mit Schlössern 
    verriegelt worden. Und nochmals hieß es warten, wenn auch nur ein viertel 
    Stündchen, bis Tor und Fahrt frei waren. Die verbleibenden 
    DemonstrantInnen verzichteten nicht nur angesichts des mittlerweile aus 
    seinem Dornröschenschlaf erweckten Polizeiaufgebots auf weitere Aktionen.

    Die Aktionen dürften aber wohl ausgereicht haben, um den Verantwortlichen 
    klar zu machen, daß sie bei dem Großereignis "Wiederaufnahme der 
    Atomtransporte" doch mit erheblichem Widerstand zu rechnen hätten. Ob 
    damit dann in diesem Jahrtausend noch zu rechnen ist, bleibt fraglich.
     
     


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