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Erklärung
der Gruppe
Am 7. November
2004 starb Sébastien, als ihn die Lokomotive des Atommüllzugs
nach Gorleben erfasste. Einige Wochen zuvor hatte er sich mit
anderen von uns zum Handeln entschieden, um die Angreifbarkeit
dieser Transporte publik zu machen. Die Tatsache, dass er tot
ist, sollte nicht vergessen lassen, dass diese Aktion gewaltfrei,
überlegt und freiwillig war.
Auch wenn
dieses Drama es so erscheinen lässt, war unsere Tat keinesfalls
unverantwortlich, bzw. ein Akt der Verzweiflung. Unser Engagement
ist das Ergebnis tiefster Überzeugung reeller und bestehender
Gefahren, welche die Atomkraft schon viel zu lange darstellt.
Diese Aktion war gemeinsam genauestens vorbereitet: genaue Ortskenntnisse
und die Berücksichtigung eines Notfallsstopps.
Wir hatten
mehrfach die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass der
Zug nicht anhalten könnte. Da wir uns in einer langgezogenen
Kurve mit eingeschränkter Sicht befanden, war uns klar,
dass wir notfalls die Gleise sehr schnell verlassen müssten.
Wir lagen zu viert neben den Schienen, da wir zwei Rohre unter
den Gleisen platziert hatten. Niemand lag zwischen den Schienen,
um notfalls schnell wegzukommen. Wir waren nicht angekettet
und hatten so die Möglichkeit schnell den Arm aus dem Rohr
zu ziehen.
Leider konnte
die Gruppe, die den Zug 1500m vorher zum Bremsen bringen sollte,
nicht handeln. Der Hubschrauber, der ständig dem Zug voraus
fliegt, fehlte. Er war "Tanken"; aber die Gruppe rechnete
damit, dass er die Ankunft des Zuges signalisieren würde.
Da neben dem Zug Fahrzeuge der Gendarmerie mit hoher Geschwindigkeit
fuhren, konnte die Stoppergruppe nicht handeln. Der Transport
konnte also weder vom Hubschrauber, noch von den Stoppern gewarnt
werden und kam so mit 100km/h auf uns zu. Diese Verkettung von
Umständen brachte uns in Gefahr. So hatten die Personen,
die an den Gleisen lagen, sehr wenig Zeit festzustellen, dass
der Zug seine Geschwindigkeit nicht verringerte. Wir hatten
es geübt sekundenschnell wegzukommen.
Sébastien
wurde dabei erfasst, als er die Gleise verließ. Sein Arm
steckte nicht in dem Rohr fest, wie die durchzuführenden
Untersuchungen beweisen werden. Es ging alles so schnell, dass
wir ihm nicht helfen konnten.
Wir waren
in der Kälte zehn Stunden lang etwa 30 m von den Gleisen
entfernt am Waldrand versteckt. In dieser Zeit wurden weder
wir, noch die Vorposten zur Benachrichtigung (15 Kilometer entfernt
vom Ort der Aktion), noch die Gruppe von den Sicherheitskräften
entdeckt, die den Zug stoppen sollte. Wir wurden auch nicht
entdeckt, als wir im Vorfeld um fünf Uhr morgens die Rohre
unter die Schienen legten. Es ist klar, die Verantwortung jedes
Beteiligten muss festgestellt werden, unsere inbegriffen. Zur
Stunde erleben wir einen der schlimmsten Augenblicke unseres
Lebens.
Neben vielen
bekannten Gründen für die Aktion, ging es uns in erster
Linie der Schutz unseres Planeten, der Jahr für Jahr mehr
zerstört wird. Es ging uns aber auch um die Ablehnung jeder
Infragestellung dieses monolithischen Staats. Wir haben nicht
aus Unreife oder Abenteuerlust versucht den Zug zu stoppen,
sondern weil die Atompolitik dieses Landes nur so zu einer elementaren
Frage werden kann. Sébastien ist durch einen Unfall gestorben,
er hat es sich nicht ausgesucht, niemand wollte es. Er starb
nicht nach einem Discobesuch betrunken am Steuer, sondern um
seiner Überzeugung Gehör zu verschaffen.
Sein Tod
wird deshalb für uns nie ein beliebiges Vorkommnis sein.
In der Situation, in der wir derart verlassen und verloren waren,
hätten wir uns nie vorgestellt so viel Unterstützung
zu bekommen. Wir danken vor allem unseren Freunden und Eltern,
vielen Initiativen, aber auch Tausenden anonymen Deutschen und
Franzosen, die in seinem Andenken Demonstrationen und Andachten
organisierten. Die Stärke der Solidarität überwältigt
und berührt uns. Das Wichtigste ist für uns, einen
Bruder zu beweinen und seine Familie zu unterstützen, nicht
sein Bild zu instrumentalisieren. "Bichon" war voller
Lebensfreude und -energie, nicht nur Atomkraftgegner. Dieser
Text ist weder eine Beichte noch eine Anschuldigung, wir wollen
dadurch nur die Wahrheit dieser Ereignisse wiedergeben.
Seine Weggefährtinnen
und Weggefährten
Indymedia,
15.11.04
Mediale
Nebelkerzentaktik zum Castorunglück
von c -
15.11.2004 13:49
Der Artikel
"Staatsanwaltschaft bestätigt die Blockierer",
abrufbar unter http://germany.indymedia.org/2004/11/98981.shtml
, weist auf mögliche bewusste Verwirrung der Öffentlichkeit
hin. Hier eine Zusammenfassung der regionalen Bericherstattung
in Lothringen am 9.11., zwei Tage nach dem Unglück, bei
dem der Castorgegner Sébastien Briat ums Leben kam.
Es war für den normalsterblichen Bürger in den ersten
Tagen nach dem Castor-Unglück tatsächlich alles andere
als einfach herauszufinden, welche Erkenntnisse zu den Todesumständen
von Sébastien Briat vorlagen. Am ausführlichsten
berichtete die lothringische Zeitung L´Est Républicain,
je einen weiteren Artikel in Zusammenhang mit Sebastiens Tod
veröffentlichten am 9.11 "Le Republicain Lorrain",
ebenfalls aus der Region und das Pariser Blatt "L´Humanité".
"L´Humanité" gab allerdings mehr die
Einschätzung von einigen Organisationen wieder, während
die Regionalblätter den Schwerpunkt auf die Umstände
des Unglücks legten. Zahlreiche Angaben wurden dabei immer
widersprüchlicher.
Der Eklatanteste
Widerspruch war sicher der zwischen der hartnäckigen und
mehrere Tage anhaltenden Behauptung, Sébastien sei angekettet
gewesen und der Tatsache, dass der Republicain Lorrain eben
bereits am 9.11 berichtete, Sebastiens Körper sei "mehrere
Dutzend Meter durch die Luft geschleudert" worden und dass
laut L´Est Republicain das Vorhängeschloss in geöffnetem
Zustand wiederaufgefunden worden war.
Weitere
erhebliche, sehr auffallende Widersprüche ließen
sich im Übrigen vor allem in Zusammenhang mit der Frage
nach dem "Organisationsgrad" Sébastiens feststellen,
der allgemein aufallend viel Raum gegeben wurde: Mal wurde behauptet,
er sei Mitglied des Netzwerks "Sortir du nucléaire"
gewesen, Mal sollte er überhaupt nicht organisiert gewesen
sein, Mal sollte er einer lokalen, selbstorganisierten Gruppe
angehört haben. Es war für den aufmerksamen Leser
unübersehbar, dass offenbar Versuche stattfanden, die Frage
nach dem "Organisationsgrad" Sébastiens in
den Vordergrund zu Rücken, während die Dimension der
fahrlässigen, ja billigenden in Kauf Nahme von Unfällen
durch Behörden und Transportbetreiber so gut wie gar nicht
zum Thema gemacht wurde.
Das Netzwerk
Sortir du nucléaire hatte ausdrücklich migeteilt,
dass "die Transporte radioaktiven Materials die Bürger
dazu bringen, erhebliche Risiken in Kauf zu nehmen, um ihrer
Oppsition gegen jene Transporte Ausdruck zu verleihen",
gleiches taten viele andere Gruppen. Dies wurde in der Medienberichterstattung
aber deutlich vernachlässigt.
Die Informationen,
die am 9.11. zu bekommen waren, drehten sich um Folgendes:
2.200 Tonnen,
auf mehreren Hundert Metern Länge, bei einer Geschwindigkeit,
die laut L´Est Républicain "zwischen"
80 und 100 Stundenkilometern beziffert wurde, während der
Republicain Lorrain bereits auf staatsanwaktschaftlich festgestellte
98 Kmh hinwies - in einer Kurve, wie bekannt - hätten den
Castorgegner erfasst, weil da keine Vollbremsung mehr helfen
konnte. Das Vorhängeschloss, mit dem die Kette befestigt
gewesen sei, werde untersucht. Der Staatsanwalt gehe von 800
Metern Bremsweg aus und betone offenbar, eine Geschwindigkeit
von 100 Stundenkilometern sei "Vorschriftsgemäß"
für ein solches "Ensemble". Zwei von den Castorgegnern,
die wenige Stunden vor Sébastien Briats Tod bei Laneuville-Devant-Nancy
den Zug blockierten wolle die Justiz offenbar Verkehrsstörung
vorwerfen.
Die Zuggeschwindigkeit
wurde also nach Kräften relativiert, vom Ausfallen des
zum tanken geflogenen Hubschraubers war gar nicht die Rede,
zumindest berichteten die lothringischen Tageszeitung am 9.11.
nichts mehr davon. Vielmehr ließ sich aus den dort veröffentlichen
Informationen ableiten, dass die Staatsanwaltschaft - in auffallendem
Einklang mit Stellungnahmen des Transportbetreibers COGEMA -
die Schuld offenbar zuerst bei jenen suchte, die solche Aktionen
überhaupt durchführen.
"Im
Internet zu kaufen" lautete die Schlagzeile, mit der dann
jener Abschnitt eines Artikels zum Stand der Ermittlungen betitelt
war. Es wurde darin hervorgehoben, die Blockierer bei Laneuville-Devant-Nancy
hätten sich auf gerader Strecke positioniert, während
die in Avricourt, wo Sébastien starb, hinter einer Kurve
waren, bevor erneut der Antiatom-Aktivist Poirot zitiert wurde,
der am Sonntag die Unglücksstelle besichtigt hatte. Poirot
habe dort erklärt, die gewählte Stelle sei gefährlich
gewesen. Offenbar wollte der langjährige Veranstalter von
Blockadetrainings damit die Vermutung äußern, dass
die Blockierer womöglich nicht über die nötige
Erfahrung verfügten, da seine Aussage mit dem Hinweis einher
ging, dass sich erfahrene Aktivisten streng an gewisse Regeln
halten. Vermutlich lag ihm, als langjährigen Aktivisten
und Blockadetraining-Veranstalter viel daran, dass sich die
grundsätzlich immer willkommenen Unterstützer der
Proteste mit den von solchen Transporten und deren Durchführungsweise
ausgehenden Gefahren bewusst auseinandersetzen. Die mediale
Verflechtung von Poirots Aussage mit denen des Staatsanwalts
hinterließt dem aufmerksamen Leser daher einen bitteren
Nachgeschmack.
Die Staatsanwaltschaft
wurde nämlich als nächstes zitiert. Poirot hatte auf
den standardmäßigen Gebrauch von Rauchkerzen ("fumigènes")
hingewiesen. Laut L´Est Republicain werden diese Rauchsignale
"Von den Behörden berücksichtigt, um den Zug
zu stoppen". Mit Sicherheit wurden sich sehr viele erst
in jenen Tagen und Stunden gewahr, dass eine solche Praxis existiert
und von gro´ter Bedeutung ist. Den Wunsch, einen Atomülltransport
zu stoppen, kann aber jeder haben und die Mittel, die gesamte
Bevölkerung zu Informieren haben nur die Behörden,
nicht die vielen Initiativen, die sich gegen diese Transporte
organisieren.
Viel- und
nichtssagend zugleich lautete dann ein Zitat des Staatsanwalts
Michel Senthille direkt nach dem Hinweis, dass die Behörden
solche Signale "berücksichtigen": "Es ist
genau in diesem Augenblick [d.h., wenn die Rauchkerzensignale
erfolgen, d.R.], dass sich die Aktivisten auf den Schienen positionieren
und das Schloss ihrer [Blockade-, d.R.] Vorrichtung verschließen".
Daraufhin
folgte eine Beschreibung der Prozedur am Gleis, nach der ein
Stahlrohr unter den Schienen platziert wird, in dessen beiden
Öffnungen je ein Blockierer seinen Arm steckt. Das Handgelenk
sei mit einem Kabel verbunden, das mit einer "Achse"
im Inneren des Rohres verbunden und mit Vorhängeschloss
befestigt werde, woraufhin nur "ein Eingriff der mit dem
nötigen Equipment versehenen Ordnungskräfte"
die Protestierer befreien könne. Vielsagend schloss der
Absatz mit dem Hinweis ab, es werde hierfür ein Set verwendet,
das deutscher Herkunft und im Internet zu kaufen sei und dass
es heiße, die Gruppe in Avricourt habe die Informationen
über den Fahrplan des Zuges einer einschlägigen, "spezialisierten"
Internetseite entnommen.
Im nächsten
Abschnitt des Artikels mit Zwischenschlagzeile "Das
Vorhängeschloss wurde in geöffnetem Zustand aufgefunden"
wurde versucht, erste ermittlerische Vermutungen zum Ablauf
der Aktion wiederzugeben. Die Rohre seien vermutlich am Vormittag
gelegt worden. Vier von den acht Aktivisten hätten sich
nach dem Passieren der Gendarmen, die dem Konvoi vorausfuhren,
sich an den Schienen positioniert während die anderen vier
sich der Abgabe von Signalen um den Zug zu stoppen angenommen
hätten. Ganz dem beschriebenen Aktionsstandard entsprechend,
soweit. Kein Wort aber dazu, unter welchen Umständen Signale
abgegeben wurden oder auch nicht und auch keine Frage daach.
Von rasenden Polizeifahrzeugen, durch die eine Abgabe von Signalen
anscheinend auf entscheidende Weise verunmöglicht wurde,
erfuhr die Öffentlichkeit erst Tage später durch eine
Erklärung der Gruppe um Sébastien.
Telepolis,
09.11.04
Die
Anweisung "Vorsichtige Fahrt" wurde nicht gegeben
Ralf Streck
09.11.2004
Noch sind
Einzelheiten ungeklärt, wie der 21-jährige Gegner
der Castortransporte in Lothringen ums Leben gekommen ist
Obwohl die
genauen Umstände des Todes von Sébastien Briat noch
unklar sind, kommen weitere Details ans Licht ( Trauer über
den Tod eines Atomkraftgegners). Nun hat der ermittelnde Staatsanwalt
die Geschwindigkeit des Zugs mit genau 98 Stundenkilometern
angegeben. Michel Senthille fügte an: "Er war 2.200
Tonnen schwer und 398 Meter lang. Ein solcher Zug benötigt
800 Meter, um zu halten." Nach einer Besichtigung des Unglücksorts
widerspricht aber der elsässische Anti-Atomkraft Aktivist
Gilbert Poirot dessen Darstellung, die Sichtweite habe keine
200 Meter betragen habe.
Nach Informationen
der Zeitung Libération soll der Zug über eine Erlaubnis
"MA 100" verfügt haben und habe somit 100 Stundenkilometer
fahren dürfen. Damit läge er zwar im legalen Bereich,
sei aber trotzdem zu schnell gefahren, erklärte die Bahngewerkschaft
Sud Rail. Es habe eine Anweisung für eine "vorsichtige
Fahrt" gefehlt. Das bedeute, vor jedem "auftauchenden
Hindernis" anhalten zu können. "In diesen Kurven
wären das maximal 20 oder 30 Stundenkilometer", sagte
deren Sprecher Dominique Malvaux. Es sei bekannt gewesen, dass
es in der Region Elsass-Lothringen verstärkt zu Blockaden
kommen könnte, entsprechende Pressemitteilungen habe es
gegeben. Maßnahmen seien nicht getroffen worden.
Malvaux
fragt: "Was wäre gewesen, wenn das Hindernis statt
einem Demonstranten ein Lastwagen gewesen wäre?" Sud
Rail spricht über die Blockade von einer "legitimen
staatsbürgerlich Aktion", welche die Gewerkschaft
unterstütze und spricht der Familie und Freunden ihre Solidarität
aus.
Sowohl die
französische Bahn SNCF, die Cogema als Auftraggeber und
die Behörden schieben sich schon einmal gegenseitig die
Verantwortung zu, wer für eine Anweisung über eine
"vorsichtige Fahrt" zuständig gewesen wäre.
Das französische Netzwerk "Sortir du nucléaire"
hat für Mittwoch aufgerufen, aus Protest an Bahnhöfen
um 18 Uhr Blumen abzulegen. Auch wenn die Todesumstände
nicht noch geklärt seien, sei klar, dass elementare Sicherheitsbedingungen
missachtet worden seien.
Wie die
Regionalzeitung L'Est Republicain berichtet, sei die Kette an
den Bahngleisen geöffnet gewesen, als die Polizisten sie
gefunden hatten. Erst eine Untersuchung könne zeigen, ob
sie zum Zeitpunkt des Unglücks noch geschlossen oder bereits
geöffnet war. Möglicherweise habe sich Sébastien
Briat, trotz Anwesenheit von drei Mitdemonstranten, in der Panik
nicht rechtzeitig befreien können.
Der Castor-Transport
von der Wiederaufbereitungsanlage La Hague hat heute Vormittag,
geschützt von mehreren Tausend Polizisten, nach zweieinhalbtägiger
Fahrt das Zwischenlager Gorleben erreicht. In Groß Gusborn
und in Quickborn hatten jeweils einige Hundert Demonstranten
Sitzblockaden durchgeführt, die von der Polizei geräumt
wurden. Auf der nördlichen Strecke nach Gorleben hatten
sich in Quickborn fünf Demonstranten in der Nacht an einen
Betonblock angekettet, der fest mit einem Traktor verbunden
war.
J.-Y. Landrac,
Réseau Sortir du Nucléaire, 09.11.04
Information
on the accident
Sorry for
the language, but as the information is requested by Friend
of the Earth South-Korea and as I don't speak Korean... Meist
information ist in Deutsch über der BIU Lüchow-Dannenberg
oder X1000quer verfügbar.
The activist was Sébastien Briat, a young French man
(21) of an small local social involved organization (I prefer
not to name the organization, as I don't know if they made the
action in the name of the organization).
We don't know if the 8 person made the action under the name
of this organization or as persons.
The train was transporting HAW (High Active Waste) from the
RP (Reprocessing Plant) of La Hague (France) to Gorleben (Germany),
to a temporary storage facility, but everyone knows that it
will be a final underground disposal there.
The young people did the action as they are involved in the
campaign against the disposal in Bure, the "French version"
of Gorleben (a "research center " which will be converted
to a disposal facility).
All the
organizations reacted rather correctly, even the nuclear lobby
didn't misuse the tragedy (it must be pointed out, as it was
not expected).
Only the government seems to react "strangely", as
we point out that the military secret that prevent us to inform
the public about nuclear energy, makes it more difficult for
activists to get the information about the timetables, the way
to protest and the safety measures, it has been said that this
train (with HAW and not with spent fuel) is not under military
secret.
That is false: it is. Just in the "circular letter"
of the decree, it's the appliance guide of the decree, but it
has no legal value, this kind of transport would not be concerned.
But in the decree, it is, and only the decree as legal value.
The antinuclear movement is deeply shocked.
Some journalists said more or less that he was guilty or that
we are guilty (as mixing demonstrations and actions), but the
general attitude is correct.
Trittin, the German environment minister wrote to the French
one. It's new that Pelletier was connected to the anti-nuclear
movement...
We'll make a common action on Wednesday in many train stations
with candles at 6 pm (GMT +1). The date of burial is not known
yet. Some German groups started to collect money for the burial.
We will support the activists as requested, for instance with
a lawyer. I can't tell so much yet, as we saw the other people
involved only this evening, and I didn't the feedback.
Most of the press release on the topic can be found on http://www.sortirdunucleaire.org
Two of the Réseau below (sorry no time for the translation).
Indymedia,
08.11.04
Todsichere
Castortransporte töten doch
von Celine
- 08.11.2004 14:33
Mit großer Verspätung beginnen Menschen Sébastien
Briat beim Namen zu nennen. Der 21-Jährige Castorgegner
verlor gestern sein Leben, als er am Km. 408 der Bahntrasse,
auf der sich um 14,43 Uhr des 7. November der hochgefährliche
und falsch deklarierte Castor-Transport vom französischen
Valognes (Manche) bei La Hague nach Gorleben bewegte, beim Auffahren
des Zuges nicht mehr rechtzeitig die Schienen verlassen konnte.
Sébastien wollte zusammen mit sieben Mitstreitern den
Zug blockieren. Eine ähnliche Aktion des zivilen Ungehorsams
war 14 weiteren Transportgegnern am Vormittag in Laneuville-Devant-Nancy
gelungen. Die französische Tageszeitung Libération
zitiert einen 26-jährigen Teilnehmer. Dieser erklärt,
dass jeder einzelne von ihnen über den Ablauf der Aktion
gebrieft worden war. Mitstreiter hätten die Aufgabe gehabt,
einen Kilometer vor der Blockade auf selbige hinzuweisen. Der
Zug stoppte rechtzeitig. Nach Angaben des Aktivisten befand
sich die Blockade auf einer geraden Strecke der Bahnlinie. Sie
konnten deutlich sehen, wie der Zug zum stehen kam. " Wir
haben es geschafft, den Zug über zweieinhalbe Stunden aufzuhalten.
Wir waren überglücklich".
Laut Libération
kannten sich die Angehörigen der beiden Gruppen nicht.
Ob die zweite Gruppe, der Sèbastien angehörte, von
der erfolgreichen Aktion bei Nancy wusste, geht aus dem Artikel
nicht hervor. Die Blockadetechnik war allerdings ähnlich
angelegt. Unter den Schienen lagen Rohre, die zum Anketten dienen
sollten. Nach Angaben des Aktivisten, der an der Blockade bei
Laneuville-Devant-Nancy beteiligt war, begab sich seine Gruppe
dann zum Gleis, als der Hubschrauber, der den Transport begleitete,
sie entdeckt hatte. Nun heißt es, im Fall der zweiten
Blockade, bei der Sébastien starb, sei der Helikopter
gerade zum Tanken geflogen - ersatzlos. Dem ersten von zwei
Motorradpolizisten, die auf einem Feldweg entlang der Gleise
dem Castor-Transport voraus gefahren sein sollen, sollen Sébastien
und seine MitstreiterInnen nicht aufgefallen sein, so mehrere
französische Blätter, darunter die Webausgabe der
lothringischen Tageszeitung " L´ Est républicain".
Dort heißt es, dass die Aktivisten, die sich im Wald versteckt
hatten, versucht haben sollen, nach dem Passieren des ersten
Motorradgendarmen die Blockade aufzustellen. Der zweite soll
sie wahrgenommen haben, aber zu spät. Er soll seine Sirene
aktiviert und den Transportgegnern zugerufen haben, sich vom
Gleis zu entfernen. Offenbar schafften es auch die drei, die
sich zusammen mit Sébastien anketten wollten nur knapp,
sich in Sicherheit zu bringen. Sébastien schaffte es
nicht.
Der zeitliche
Abstand zwischen den beiden Motorradgendarmen soll drei Minuten
betragen haben. Die Zeit, um die Gleise zu erreichen und sich
anzuketten muss demnach sehr kurz gewesen sein. Ausgehend von
einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern, was den Aussagen
von zahlreichen Aktivisten widerspricht, nach denen der Zug
mit geschätzten 100 Stundenkilometern unterwegs war, kalkulierte
ein Vertreter der französischen Bahngesellschaft SNCF für
den 660 Meter langen Zug einen Bremsweg von 600 Metern. Es heißt,
dass der Lokführer keine Chance hatte, früher zu bremsen,
weil die Blockade hinter einer Kurve lag, so dass die Menschen
auf den Gleisen völlig unvermittelt in sein Blickfeld gerieten.
Angeblich betrug die Sichtweite des Lokführers 200 Meter.
Gilbert
Poirot von den Anti-Castor Brigaden und elsässischer Sprecher
des Netzwerks "Initiatives citoyennes européennes
contre le nucléaire" (Europäische Bürgerinitiativen
gegen Atomkraft) scheint nicht auszuschließen, dass bei
der Durchführung der Aktion ein Fehler unterlaufen ist:
"Vor dem Blockieren eines Zuges machen die Aktivisten mit
Hilfe einer Taschenlampe auf sich aufmerksam. Und man lässt
es sein, wenn man sieht, dass das nicht geht. Die Aktivisten
müssen einen Abschnitt der Sicherheitsverkehrungen vergessen
haben", sagte Poirot Libération. Poirot, der auch
Mitorganisator zahlreicher Blockadetrainigs war, hatte sich
gestern zur Unglücksstelle begeben. Michel Marie, Mitglied
der ständigen Vertretung des Collectif national contre
l'Enfouissement des Déchets Radioactifs (CEDRA), (Nationales
Kollektiv gegen die unterirdische Lagerung radioaktiven Abfalls)
fragt sich, ob sich Sébastiens Fuß irgendwie eingeklemmt
haben könnte. Dem Webmagazin "infodujour" sagte
er allerdings auch, er sei "tief geschockt durch dieses
Ereignis, das trotz der Warnung der Kollektive, dafür zu
sorgen, dass die Aktion den elementaren Sicherheitsregeln Rechnung
trägt". Diese Gedanken tun der Tatsache keinen Abbruch,
dass die Castor Transporte systematisch unter fahrlässiges
in Kauf nehmen von allen möglichen Unfällen stattfinden.
Der Helikopter flog ersatzlos zum Tanken und ganze zwei Gendarmen
fuhren die Strecke im Vorfeld des Zuges ab, obwohl in der Vergangenheit
in der Region bereits Blockaden stattgefunden hatten und der
Zug fuhr offenbar bei hoher Geschwindigkeit um die Kurve.
Sèbastien
ist nicht mehr unter uns, er verblutete aufgrund des durch die
Räder des Konvois abgetrennten Beins. Die letzten Augenblicke
seines Lebens müssen schrecklich gewesen sein. Seine Mitstreiter
stehen immer noch unter Schock, was die Staatsanwaltschaft nicht
daran hinderte, sie zu befragen. Die Trauer unter den Atomkraft-
und Castorgegnern ist groß, ihr stets ignorierter Hinweis
auf die Sicherheitsrisiken bei der Verfrachtung radioaktiven
Mülls hat sich auf bittere Weise bestätigt. Laut Michel
Marie ist "Die Sicherheit der Anrainer nicht gewährleistet,
wie man erwarten könnte. Das ist das traurige Fazit, das
aus diesem Unfall gezogen werden kann, der sich selbst nach
den schlimmsten Szenarien des Transportbetreibers nie hätte
ereignen können".
Telepolis,
08.11.04
Trauer
über den Tod eines Atomkraftgegners
Ralf Streck 08.11.2004
Die Proteste gegen den Castor-Transport aus der Wiederaufarbeitungsanlage
nach Gorleben gehen "anders" weiter, nachdem gestern
ein Atomkraftgegner von dem Zug überrollt wurde
"Die Atomkraft hat gestern auf den Schienen getötet"
beginnt heute ein Artikel in der französischen Tageszeitung
Libération. Denn am Sonntag Nachmittag wurde der 21-Jährige
Sebastian B. beim lothringischen Avricourt vom Castorzug überrollt,
der mit 2.000 Tonnen hochradioaktiven Atommüll beladen
ist. Die 12 Behälter (Castoren) hatten am Samstag die französische
Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague verlassen. Der Zug befindet
sich auf dem Weg ins deutsche Zwischenlager im niedersächsischen
Gorleben.
Vieles über den Tod von Sebastian B. ist unklar. Er stammt
aus dem Departement La Meuse, wo in Lothringen auch Frankreichs
Endlager für hochradioaktiven Müll gebaut wird. Klar
ist, dass der Zug dem 21-Jährigen ein Bein abgetrennt hat
und die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen hat.
Der junge Mann sei an den Gleisen festgekettet gewesen, gab
die zuständige Präfektur bekannt. Allerdings, so die
Staatsanwaltschaft, "gelang es drei Aktivisten, sich zu
lösen". Warum es Sebastian B. nicht schaffte, verstehen
auch die französischen Atomkraftgegner nicht. Jean-Yvon
Landrac, Sprecher des französischen Netzwerks für
den Atomausstieg, erklärte gegenüber Telepolis, es
habe sich um eine "erfahrene Gruppe" gehandelt.
"Es muss einiges schief gelaufen sein", sagte Landrac
schockiert. Aber es sei unglaublich, dass der Zug mit einer
so gefährlichen Fracht mit 100 Stundenkilometern durch
eine Kurve fährt. Dabei war er erst kurz zuvor bei Nancy
von Atomkraftgegnern fast drei Stunden blockiert worden. Er
fuhr so schnell, obwohl der Hubschrauber für die vorrausschauende
Luftüberwachung gerade tanken geflogen war. Auch Versuche
eines Motorradfahrers, den Zugführer vor den Personen auf
den Schienen zu warnen, schlugen offenbar fehl. Ob die Blockierer
noch mit Leuchtraketen auf sich aufmerksam gemacht hatten, konnte
Landrac nicht sagen. Normalerweise werden in Frankreich so die
Zugführer gewarnt.
Die Sozialistische Partei ( PS) fragt die Regierung nun, warum
"keinerlei Sicherheitsmaßnahmen durch die Polizei"
vorgenommen worden seien. Und die Grünen verlangen eine
"tiefgreifende Debatte" über die Atompolitik.
Die Cogema, Betreiberfirma von La Hague, fordern sie auf, die
"Transporte mit radioaktivem Abfall sofort zu stoppen".
Für den Tod des Atomkraftgegners seien Präsident Jacques
Chirac und der Premierminister Jean-Pierre Raffarin verantwortlich.
"Wir sind schockiert über diesen furchtbaren Unfall",
erklärte Marianne Koch von X-tausendmal quer. Die Atomkraftgegner
aus Deutschland hatten gestern ihre geplanten Widerstandsaktionen
zumeist in Mahnwachen umgewandelt. Zuerst sei man sprachlos
und gelähmt gewesen, doch viele in und um Gorleben wollten
ihrer Betroffenheit konkreten Ausdruck verleihen. Die Proteste
werden nun auf eine andere Weise weitergehen. "Wir werden
unsere Trauer auf die Straße tragen", sagte Koch.
Man werde auf den Strecken für den heutigen Straßentransport
von Dannenberg nach Gorleben eine Sitzblockade durchführen.
"Wir denken, damit im Sinne des Verstorbenen zu handeln."
Das sei das Signal, das wir von der französischen Anti-Atom-Bewegung
bekommen haben."
Zu klären wird es neben den Todesumständen in Frankreich
aber auch noch etwas anderes geben. War es ebenfalls nur eine
Nachlässigkeit oder bewusste Irreführung, dass der
Castorzug mit falschen Ladepapieren bezeichnet war. Statt "DHA"
oder "Déchets hautement actifs" waren die Wagen
mit nur "combustibles usés" (abgebrannte Brennelemente)
beschriftet. Doch die transportierten Glaskokillen bestehen
zu fast 100% aus hochradioaktivem Atommüll, abgebrannte
Brennelement nur zu etwa 5%. Das Gefährdungspotenzial von
Glaskokillen ist deutlich höher.
7. 11. 2004:
AFP - Übersetzung auf Indymedia
Atomkraftgegner
beim Versuch getötet, einen Zug mit nuklearen Abfällen
zu stoppen
7. 11. 2004
- sfp - Ein 21-jähriger Umweltaktivist, der sich am Sonntag
bei Avricourt (Dep. Meurthe-et-Moselle) an ein Gleis gekettet
hatte, wurde von dem Zug mit nuklearen Abfällen, dem er
die Durchfahrt verwehren wollte, getötet.
Der Zug
fuhr am Sonntag gegen 18 Uhr weiter in Richtung Deutschland,
wie aus einer Quelle der Präfektur zu erfahren war.
Nach Angaben
der Präfektur des Departements Meurthe-et-Moselle "hat
sich gegen 14:40 Uhr eine Gruppe von acht Personen auf das Eisenbahngleis
Paris - Strasbourg begeben, auf dem ein Transport mit nichtmilitärischen
nuklearen Abfällen aus Valognes (Manche) in Richtung zur
deutschen Grenze fuhr."
"Nachdem
der Zug mit gedrosselter Geschwindigkeit eine Kurve durchfahren
hatte, sei er auf die Gruppe gestoßen, die sich zerstreute,
mit Ausnahme einer Person, die verletzt wurde. Trotz der sofort
am Unfallort geleisteten Rettungsmaßnahmen ist der junge
Mann an den Folgen seiner Verletzungen gestorben", gab
die Präfektur bekannt.
Das Opfer,
Mitglied einer Gruppe von Aktivisten, die vermutlich aus dem
Departement Meuse [dem Nachbar-Departement, Umgebung von Metz,
d.Ü.] stammten, "hatte sich an die Schienen gekettet
und ihm wurde ein Bein abgetrennt", gab der Staatsanwalt
von Nancy, Michel Senthille, auf einer Pressekonferenz in Avricourt
bekannt.
Nach Angabe
von M. Senthille "fuhr der 400 m lange und 2000 Tonnen
schwere Zug mit 100 km/h und kam aus einer Kurve, als er den
Demonstranten verletzte".
Die Gruppe
hatte "eine aus einem großen Rohr bestehende Vorrichtung
auf dem Gleis" plaziert, an das sich vier Aktivisten ankoppeln
konnten, "die sich ans Gleis fesseln können, sobald
der Zug hält", wie er angab. "Drei der Aktivisten
gelang es, sich zu lösen, fügte der Staatsanwalt hinzu.
Er fuhr
fort: Die Aktivisten waren wahrscheinlich im Wald verborgen
gewesen, denn sie waren von einem Motorradfahrer der Gendarmerie
nicht entdeckt worden, der drei Minuten vor dem Zug auf einem
Weg längs der Eisenbahnstrecke voranfuhr. Ein anderer Motorradfahrer
unmittelbar vor dem Zug "hat die jungen Leute gesehen und
dem Lokführer ein Zeichen gegeben, der aber den Zug nicht
mehr rechtzeitig anhalten konnte".
Ein Hubschrauber
zur Sicherung des Transports war zum Zeitpunkt des Unfalls weggeflogen
um zu tanken.
Ein richterliches
Untersuchungsverfahren ist eingeleitet worden, gab der Staatsanwalt
bekannt.
Die Grünen,
die sich vom Tod des Demonstranten "tief geschockt"
zeigten, haben "eine "wahrhaft demokratische Diskussion"
über die Atompolitik gefordert.
Der Zug
mit nuklearen Abfällen hatte am Sonnabend 20:51 die Eisenbahnstation
der Cogema (Gruppe Areva) in Valognes (Ärmelkanal) in Richtung
des Atomlagers Gorleben (Norddeutschland) verlassen.
Ein Sprecher
der Cogema bezeichnete den Unfall als "dramatisch"
und erklärte, das Personal von Cogema Logistics, das den
Zug überwacht, sei "sehr schockiert".
Der Transport
besteht aus 12 Behältern mit endaufbereiteten Abfällen
(résidus ultimes). Es handelt sich um die siebte Rückführung
von verglasten Abfällen nach Deutschland, nach der Aufbereitung
im Werk von La Hague (Manche) seit April 1996, der Unterzeichnung
eines Vertrags zwischen den deutschen Energiegesellschaften
und der Cogema.
Der Konvoi
soll bis Dannenberg den Schienenweg benutzen, wo er dann ca.
zwanzig Kilometer auf der Straße nach Gorleben weiterfahren
soll.
Dieser Zug
mit nuklearen Abfällen war bereits zwischen 11:20 und 13:20
bei Laneuveville-devant-Nancy (Dep. Meurthe-et-Moselle) von
zwei Demonstranten blockiert worden. Sie hatten sich an die
Gleise gekettet, bevor sie von Sicherheitsangestellten des Zuges
entfernt wurden. Die Gruppe von Avricourt "hatte keine
direkte Verbindung zu den Aktivisten", die diese erste
Aktion durchgeführt hatten, wie der Staatsanwalt von Nancy
angab.