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von castor.de
Geplanter
Grenzübertritt des CASTORS:
Montag, 10.11., ab 12.40
Uhr!
Castor-Transport
von La Hague nach Gorleben
Zeitreise:
aus dem Jahr 1986 ins dritte Jahr des 2. Jahrtausends
Wir
erinnern Euch an den Super-GAU in Tschernobyl 1986, nachdem
ein gewisser Joschka Fischer ein Buch mit dem Titel "Der
Ausstieg aus der Atomenergie ist machbar" (Rowohlt
Taschenbuch Verlag, 1986, ISBN: 3-499-15923-6) herausgab.
Mitwirkender: Otto Schily.
Wie war damals die Situation?
Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl stand die Lobby
der atomaren Verseucher mit dem Rücken zur Wand.
In verschiedensten Städten waren immer wieder zehntausende
auf den Straßen, der Druck aus der Bevölkerung
war allen Repressionsmaßnahmen zum Trotz so groß,
dass es zu greifbaren Erfolgen kam:
Die lange heiß umkämpfte WAA Wackersdorf musste
von der Atomlobby aufgegeben werden.
In Italien wurden alle vorhandenen AKW auf Druck der Bevölkerung
abgeschaltet, in Österreich wurde das erste dort
geplante AKW nicht gebaut und der komplette Verzicht auf
die Atomkraftnutzung in der Verfassung festgeschrieben.
Atomkraftbefürworter bekamen damals keinen Fuß
mehr auf den Boden.
Was
hat sich seit damals getan?
Nach Tschernobyl war die Stimmung in der Bevölkerung
mehr als nur passiv ablehnend gegen die Atomkraftnutzung.
Das Wissen um die Gefährlichkeit und die Unbeherrschbarkeit
dieser Technologie ist dasselbe geblieben. Die Stimmung
allerdings ist heute anders: Tschernobyl ist in seiner
Brisanz verdrängt worden. Viele Menschen haben darauf
vertraut, dass der Kampf um ein Ende der Atomkraftnutzung
für sie von Delegierten in Parlamenten geführt
werden könne und würde. Der Öffentlichkeit
wurde gepredigt, mit dem sogenannten "Atomkonsens"
sei der Ausstieg aus der Atomkraftnutzung geschafft, das
Thema sowohl vom politischen als erst recht auch vom privaten
Tisch gefegt. Die rot-grüne Bundesregierung hat versucht,
die Anti-Atom-Bewegung mit der Lüge vom Atomausstieg
klein zu kriegen.
Dieses Vertragswerk wurde auf beispiellos undemokratische
Weise zwischen Industrie und Regierung ohne Diskussions-Beteiligung
von Parlament oder gesellschaftlichen Gruppen ausgehandelt.
In Wirklichkeit hat dieses Papier rein gar nichts mit
einem Atomausstieg zu tun. Es wurde lediglich festgeschrieben,
dass
- in
Deutschland (!) keine neuen AKW gebaut werden. Das jeweilige
AKW bei Euch vor der Haustür darf eventuell noch
über 30 Jahre laufen - die Atommüllmenge wird
sich verdreifachen!
- die
Atomkraftwerksbetreiber die AKW sicherheitstechnisch
nicht auf den jeweils neusten Stand bringen müssen.
- die
AKW-Betreiber auch weiterhin nur für einen Bruchteil
der durch mögliche Katastrophen entstehende Schäden
haften müssen!
- Uran
bzw. die daraus gefertigten Brennstäbe als Energieträger
weiterhin steuerfrei bleiben.
- Man
sich mit der Endlagersuche ruhig noch weitere 20 Jahre
Zeit lassen kann
Wie
ist die Lage heute?
Heute sehen wir uns folgender Situation gegenüber:
In Deutschland wird gerade regelrechte Hetze gegen die
Windkraftnutzung betrieben und außer einer Förderung
von regenerativen Energien findet keine ökologische
Energiewende statt. Das geplante Endlager Gorleben wird
durch immer weitere Atommüll-Transporte dorthin de
facto realisiert, es wurde sogar eine Pilotkonditionierungsanlage
in Gorleben genehmigt, die Atommüll für die
Endlagerung verpacken soll. Und das, obwohl wissenschaftlich
erwiesen ist, dass der dortige Salzstock zur Lagerung
radioaktiver Abfälle völlig ungeeignet ist.
"Rot-Grün" hat der Urananreicherungsanlage
(UAA) in Gronau die Ausweitung der Produktionskapazität
genehmigt. In diesem extrem heißen Sommer sanken
die Wasserstände in den Flüssen so stark ab,
dass die Abwassereinleitungen der AKW zu einer Überschreitung
der genehmigten Flusswassertemperaturen führten.
Daraufhin wurden nicht die AKW abgeschaltet, sondern kurzerhand
die Temperaturgrenzwerte hochgesetzt.
In
anderen Teilen Europas sieht es nicht besser aus:
In Frankreich steht der Neubau eines AKW, dem deutsch-französischen
Druckwasserreaktor (EPR), bevor. Der EPR soll als Exportschlager
(etwa in die "dritte Welt") dienen. Außerdem
ist in Finnland ein Neubau geplant.
Viele Menschen haben sich frustriert aus dem politischen
Leben zurückgezogen. Die Gründe hierfür
liegen nicht nur an der Atompolitik. In ganz Europa wird
der Sozialabbau mit zunehmender Schärfe vorangetrieben.
Europa und die USA haben nicht erst seit dem 11.September
2001 den Krieg zum gesellschaftsfähigen Politikinstrument
gemacht und rüsten dafür weiter auf. Europa
wird mit rigoroser Brutalität zu einer Festung gegen
verfolgte und verarmte Menschen aus den Ländern des
Südens ausgebaut. Viele Menschen fühlen sich
ohnmächtig angesichts der rücksichtslosen Profitgier
der Mächtigen.
Was
steht an?
Es bleibt an uns, unermüdlich gegen die Lethargie
anzuarbeiten und weiterhin den Verbrechern der Atomlobby
mit Vergnügen in ihre atomare, menschenfeindliche
Suppe zu spucken.
So bedauerlich es ist: Das nächste "Tschernobyl"
ist jederzeit möglich. Wer weiß, ob es dann
"Biblis", "Belleville sur Loire",
oder "Brokdorf" heißen wird? Eines wissen
wir: das Ende des atomaren Wahnsinns wird kommen. Lasst
uns dafür sorgen, dass WIR und nicht die Technik
selbst es sein werden, die das Ende der Atomkraftnutzung
herbeiführen! Damit eine andere, herrschaftsfreie
Welt möglich wird gilt es aktiv zu werden!

Was
ist zu tun?
Widerstand kann auf allen Ebenen geleistet werden: Ob
gegen die UranAnreicherungsAnlage in Gronau, die regelmäßig
stattfindenden Castor-Transporte oder den Neubau von AKW,
von der Energiewende bis zur Solidarität mit dem
Widerstand in anderen Ländern (z.B. Uranabbaugebiete).
Auch bei den Aktionsformen gibt es viele Möglichkeiten,
die Anti-Atom-Bewegung ist für ihre Kreativität
bekannt: Ob Demo oder Leserbrief, aufklärende Gespräche
übern Gartenzaun oder gleich die Ankettaktion mit
Rohr im Gleisbett, Sitz-Blockaden, Häkeln gegen Atomkraft
was auch immer. Ihr werdet noch mehr Phantasie haben als
die VerfasserInnen dieses Flugblatts.
Obwohl wir nicht an die "unendlich heilenden Kräfte
des Geldes" glauben, finden wir es wichtig, zu einem
Ökostromanbieter zu wechseln, der nicht mit einem
Atomkonzern verquickt ist.
Das wesentliche aber ist: Eure aktive Beteiligung.
Die "Autoren" des abgebildeten Buches haben
uns überdeutlich gezeigt, dass die Abschaltung der
AKW von uns selbst vorangetrieben werden muss.
Nicht von sogenannten Vertretern.
Wir können uns das nicht abnehmen lassen.
Das Aus für die Nutzung der Atomkraft wird auf der
Strasse erkämpft!
Oder eben auf der Schiene!
Das
"Streckenkonzept"
Für alle diejenigen, die nicht die Gelegenheit haben,
schon vor der Grenze etwas gemeinsam mit französischen
AktivistInnen zu unternehmen, gibt es auch dies Jahr wieder
das südwestdeutsche Streckenkonzept!
Das heißt, wie schon letztes Jahr werden Widerstand
und Protest nicht an einem Ort gebündelt, sondern:
es wird dezentral agiert. Zum einen können wir so
wohnortnah protestieren. Zum anderen bietet es maximale
Planungsunsicherheit für die Transporteure des radioaktiven
Schrotts! Denn ihr werdet bestimmt spontan noch viel mehr
Anlaufpunkte und Aktionsstellen entstehen lassen!
Informiert Euch vor Ort,wann der Castor kommt und wo
genau Ihr den Anlaufpunkt findet!
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