Symbolisch
das AKW verschlossen
Pressemitteilung
der Bürgerinitiativen gegen das AKW Mülheim-Kärlich
Um gegen die
Wiederaufarbeitung deutschen Atommülls in Frankreich zu protestieren,
wurde in der Nacht vom 22. zum 23.01.2002 das Tor zum Stichgleis
des AKW Mülheimm-Kärlich verkettet.
Mit der Aktion sollte Solidarität mit den französischen
AtomkraftgegnerInnen demonstiert werden.
Ein Transparent mit der Aufschrift "VOS DÉCHETS NUCLÉAIRES
CONTAMINENT LA HAGUE ET LA MER - Euer Atommüll verseucht La
Hague und das Meer" wurde über den Gleisen befestigt.
Das Werksgleis, auf dem der Atommüll rollt, wurde somit symbolisch
gesperrt. Die Beteiligten betonten abermals, dass durch die Wiederaufarbeitung
nicht etwa weniger, sondern nur noch mehr gefährlicher Atommüll
anfällt.
Ein kurzer
Tagesbericht aus Saarbruecken:
Die angemeldete
Mahnwache (9 Uhr bis 14 Uhr, ca. 10 Leute) in unmittelbarer Naehe
zum Hauptbahnhof wurde von der Presse (Funk, Fernsehen, Schreiberlinge)
gut besucht, von Polizei und BGS aber kaum beachtet. Letzteres wohl
deshalb, weil heute morgen schon klar war, dass der Transport erst
gegen 21:00 Uhr in Frankreich
zu sein hatte. Aus diesem Grund wurde eine zweite Versammlung von
18 Uhr bis CASTOR-Durchfahrt angemeldet. Allerdings wurde diese
nur unter der Auflage genehmigt, dass sich die Veranstaltungsteil-
nehmeden nicht naeher als 100 Meter den Schienen naehern duerfen.
Damit war unser "entlang-der-schienen-spaziergang" verboten.
Als Grund fuer diese Auflage wurde angeben, dass die Anmeldende
Person schon mal durch Anti-Atom-Aktionen auffaellig geworden war
(und man ihr deshalb alles Denkbare zutrauen muesse). Ein zweiter
Grund war die fehlende Kooperationsbereitschaft der Anmelderin,
die
gar nicht erst zu einem Gespraech mit der Einsatzleitung erschienen
war, weil sie telefonisch nicht erreichbar war und deshalb von dem
genauen Termin nichts wissen konnte. Boese Absicht also...
Bei der Versammlung
um 18 Uhr waren ca. 15 Leute (Saarbruecken, Trier, Blieskastel)
und ein paar BGS-Wannen da. Als der Hubschrauber die Transportstrecke
abzufliegen begann, wurde die Versammlung von
uns aufgeloest und die Leute versuchten in Kleingruppen zum CASTOR-
Spotting an die Bahnstrecke zu gelangen. Vielerorts kam es zu Katz-und-
Maus-Spielchen mit BGS und Polizei. Personalien wurden festgestellt.
Die Anmelderin der inzwischen beendeten Versammlung durfte noch
immer nicht dichter als 100 Meter an die Schiene!
Dann rollten die CASTORen (19:55 Uhr) und dann war alles vorbei.
Es regnete noch immer.
Die Welt:
Castor-Transport
ohne Störungen
Erster Atommüll-Zug des Jahres von Brunsbüttel nach La
Hague unterwegs
Von Sandra Schipp
Der erste Atommülltransport
dieses Jahres ist am Mittwochmorgen durch
Norddeutschland gerollt. Der Transport fuhr gegen 3 Uhr mit einem
Castorbehälter vom Atomkraftwerk Brunsbüttel in Schleswig-Holstein
los. Ziel
ist die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague.
Störaktionen
von Atomkraftgegnern gab es nach Angaben des Bundesgrenzschutzes
(BGS) in Hamburg nicht. "So ruhig war es noch nie", sagte
ein BGS-Sprecher.
Selbst im Internet seien nur "sehr wenig Aktionen" bekannt
gegeben worden.
Offenbar interessiere die Menschen das Thema nicht mehr so sehr
und der
Widerstand werde schwächer.
Nach Angaben
von Jochen Stay, bis vor kurzem Sprecher der Anti-Atom-Initiative
X-tausendmal quer, wollen sich die Atomkraftgegner in diesem Jahr
auf vier
Castor-Transporte konzentrieren. Es habe sich gezeigt, dass die
Aktionen von
kleinen Gruppen "in den Medien schwer zu vermitteln" seien.
Daher wollten die
Anti-Atom-Initiativen ihre Kräfte bündeln und Schwerpunktaktionen
durchführen.
Die Widerstandsbewegung gegen die Atomkraft sei nicht geschwächt.
Stay
betonte: "Da steckt noch eine Menge Leben drin."
Dass die Atomindustrie
die Transporttermine verheimlichen wolle, sei für die
Atomkraftgegner "noch nie ein Problem gewesen". Allerdings
sei es "skandalös",
dass die Öffentlichkeit von Umweltverbänden statt von
den Behörden über die
Transporte informiert werde, kritisierte Stay. Die Umweltschutzorganisation
Greenpeace warf der Atomindustrie vor, durch "klammheimliche"
Castor-Transporte
die Bevölkerung zu gefährden. Um Proteste zu verhindern,
sollten die Transporte
unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, sagte Greenpeace-Sprecher
Stefan Schurig. Dies sei jedoch "unverantwortlich", da
die Castoren mit hoch
radioaktivem Material durch dicht besiedelte Gebiete rollten.
Der Bund für
Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte die
Bundesregierung erneut auf, die Transportgenehmigungen für
deutschen Atommüll
ins Ausland zurückzuziehen. Das Risiko von Terroranschlägen
sei seit dem 11.
September "unkalkulierbar". Attentate auf die Wiederaufarbeitungsanlage
im
französischen La Hague oder dem britischen Sellafield könnten
Strahlenmengen
freisetzen, die "im schlimmsten Fall die Verseuchung Mitteleuropas
durch den
Reaktorgau von Tschernobyl in den Schatten stellen würden".
Schurig kündigte
an, die Anti-Atom-Bewegung werde den Transport von insgesamt
125 Castorbehältern in die Wiederaufarbeitungsanlagen in diesem
Jahr "nicht
einfach durchgehen lassen". Durch die anhaltenden Proteste
sei im vergangenen
Jahr nur die Hälfte der geplanten Atommülltransporte auf
die Reise geschickt
worden. Greenpeace könne allerdings "nicht vor jedem Castor
sitzen", und das
treffe auch für andere Anti-Atom-Bewegungen zu.
Der nächste
Castor-Transport nach Gorleben wird nach Angaben von Schurig und
Stay erst im Herbst stattfinden. Schurig betonte: "Eine derartige
innenpolitische Zerreißprobe will man vor der Bundestagswahl
nicht mehr haben."
Nach Angaben von Stay gibt es für diesen Termin zudem "Andeutungen
aus den
Behörden".
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