Die
Wolke
Radioaktivität
kann man nicht fühlen, nicht sehen, nicht schmecken
- Radioaktivität kann man nur messen. Radioaktivität
führt auch in geringen Langzeit-Dosierungen zu Erkrankungen.
In
und um Tschernobyl herrschte in den Tagen nach dem Supergau
typisches Hochdruckwetter, d.h. der Wind war sehr schwach
und stark wechselnd. In nur 1,5 km Höhe betrug die
Windgeschwindigkeit bereits 8 - 10 m/Sekunde, die Strömungsgeschwindigkeiten
lagen zwischen 30 und 60 km/h. Die Wolke erreichte deshalb
bereits nach 24 Stunden Skandinavien. Dort zeigten die
Messgeräte sofort die überhöhte radioaktive
Strahlung an, der Streit um die globalen Auswirkungen
der Reaktorkatasrophe auf die Gesundheit der Menschen
begann. Während in der Sowjetunion die Politiker
alles vertuschen und leugnen wollten, setzten die BRD-Politiker
und die deutsche Atomindustrie auf verharmlosen, kann
bei uns nicht passieren, ist doch alles ganz weit weg.
Aufgrund
der Wind- und Strömungsgeschwindigkeiten können
die radioaktiven Wolken in fünf Perioden eingeteilt
werden:
1.
Gebiet: Skandinavien, Finnland, Baltikum
Emission aus dem Reaktor: 26. April
Ankunft: 27. bis 30. April
2.
Gebiet: östliches Mitteleuropa, Süddeutschland,
Italien, Jugoslawien
Emission: 27. April
Ankunft: 28. April bis 2. Mai
3. Gebiet: Ukraine
und ostwärts
Emission: 28. - 29. April
Ankunft: 28. April bis 2. Mai
4.
Gebiet: Balkan, Rumänien, Bulgarien
Emission: 29. - 30. April
Ankunft: 1. bis 4. Mai
5.
Gebiet: Schwarzes Meer, Türkei
Emission: 1. - 4. Mai
Ankunft: 2. Mai und danach
Bundesrepublik
Deutschland:
Vom
30. April auf den 1. Mai führten schwere Regenfälle
zu einem breiten Band von radioaktiven Naßablagerungen
in Südostfrankreich, der Schweiz, Österreich,
der damaligen Tschechoslowakei und in Süddeutschland.
Bis zum 2. Mai erfasste die radioaktive Wolke ganz Deutschland.
Britische und amerikanische Untersuchungen über die
globalen Auswirkungen der Katastrophe fanden heraus, dass
die tatsächliche kollektive Dosis der Gesamtbevölkerung
in der BRD am höchsten in Europa war. Der größte
Teil hiervon entfällt auf die Menschen in Süddeutschland.
Laut
der Strahlenschutzkommission (veröffentlicht 1987)
betrug die Kontamination des Erdbodens durch Caesium 137
in der BRD flächendeckend 2001 - 10.000 Becquerel.
Jedoch in Süddeutschland je nach Kontamination zwischen
10.001 bis zu 45.000 Becquerel.
Das langlebige Caesium 137 hat eine Halbwertszeit (!)
von 30 Jahren. Es ist dasjenige Isotop, das für die
radioaktive Verseuchung der Umwelt nach Atombombentests
und bei Unfällen in Atomreaktoren am meisten verantwortlich
ist.