Veranstaltungsreihe
im April 2006
"20 Jahre nach Tschernobyl - Atomausstieg
jetzt!"
Am 26. April 2006 jährt sich die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl zum 20sten Mal. Während die Folgen dieses GAUs immer mehr in Vergessenheit geraten, jüngeren Menschen möglicherweise gar nicht mehr bekannt sind und von Pro-Atom-Lobbys bewusst manipulierend kleingeredet werden, wird national und international der Ausbau der Atomkraft forciert.
Tschernobyl steht für die Erkenntnis, dass die Atomenergie nicht beherrschbar ist. Die Nutzung der Atomenergie ist mit erheblichen Risiken verbunden:
- Atomkraftwerke sind sicherheitstechnisch nicht beherrschbar. Dies belegt nicht nur die Katastrophe von Tschernobyl, sondern zahlreiche weitere, dramatische Störfälle: Die Kernschmelze im AKW Harrisburg/USA im Jahr 1979, der Unfall in der japanischen WAA Tokaimura 1999, der Beinahe-GAU im AKW Biblis 1987 oder die Explosion im AKW Brunsbüttel im Dezember 2001sind exemplarische Belege hierfür.
- Atomkraftwerke können nicht ökologisch betrieben werden. Ihr Abfallprodukt Plutonium ist extrem giftig. Für den 10.000de von Jahren strahlenden hochradioaktiven Abfall gibt es weltweit keine sichere Endlagermöglichkeit. Auch der Uranabbau hinterlässt verstrahlte und unbewohnbare Gebiete.
- Atomkraftwerke sind gesundheitsschädlich. Sie belasten Atomarbeiterinnen und Arbeiter. Durch die Freisetzung radioaktiver Gase im sogenannten „Normalbetrieb“ leidet die Bevölkerung an Atomanlagen-Standorten unter erhöhten Krebs- und Leukämieerkrankungen.
- Ökonomisch stellt die Atomkraft eine kapitalbindende und hoch subventionierte Großtechnologie dar. Diese ist in ihrem Wirkungsgrad von 30% äußerst ineffizient. Die Kosten und die Risiken der strahlenden Hinterlassenschaften tragen zum größten Teil nicht die Betreiber, sondern die Bevölkerung.
- Atomkraft stellt keine Lösung beim Klimaschutz dar. Betrachtet man die gesamte Brennstoff-Kette, ist der AKW-Betrieb keineswegs klimaneutral. Investitionen in erneuerbare Energien reduzieren den CO2 – Ausstoß schneller und effizienter. Desweiteren sind die weltweiten Uran-Vorräte in einigen Jahrzehnten aufgebraucht.
- Gesellschaftspolitisch führt der Betrieb von Atomanlagen zum Abbau von elementaren Grundrechten (Beispiel Versammlungsverbote) sowie zum Ausbau der Überwachungstechnologien.
- Mit der sogenannten „friedlichen“ Nutzung der Atomkraft ist immer auch die militärische Option der Atombombe untrennbar verbunden. So wird zum Beispiel im bayrischen Forschungsreaktor FRM II bombentaugliches Material verwendet.
Im Zentrum der Veranstaltungen stehen eine Demonstration am 23. April und ein Hearing am 24. April. An beiden Veranstaltungen beteiligen sich internationale Gäste aus Finnland und Russland: Oleg Bodrov (Green World, Sosnovy Bor/Russische Föderation) und Ulla Klötzer (Women against Nuclear Power, Helsinki/Finnland). In Sosnovy Bor ist das älteste AKW vom Tschernobyl-Typ am Netz. Der Betrieb findet unter katastrophalen Bedingungen statt. In Finnland wird das erste neue AKW in Europa vom Typ EPR gebaut. Dieser Prototyp gilt als Türöffner zum AKW-Neubau in Europa, wie er bereits in Frankreich, England, der Türkei, in Holland und in der Schweiz in der Diskussion oder bereits im Genehmigungsverfahren ist.
Die Teilnahme dieser beiden ReferentInnen an unserer Veranstaltungsreihe ermöglicht authentische Berichte über die Tschernobyl – Katastrophe in Russland, über den Ist-Stand in der russischen Atomindustrie. Sie ermöglicht die Darstellung der internationalen Verflechtungen (EPR Finnland) sowie die Einflussnahme der Atomindustrie auf energiepolitische Entscheidungen für die künftige Form der Energiegewinnung. Im Blickpunkt stehen hier zum einen Hintergrundinformationen. Zum anderen erachten wir es für wichtig, internationale Perspektiven und Handlungsansätze für eine atomfreie Zukunft weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist die Realisierung einer menschenfreundlichen und umweltverträglichen Art der Energieerzeugung.
Mit einer Ausstellung aus Beständen der Dokumentationsstelle für unkonventionelle Literatur bei der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart bieten wir einen Rückblick auf 20 Jahre Anti-Atom-Widerstand nach Tschernobyl, im jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontext. Die Ausstellungseröffnung findet am 4. April im DemoZ Ludwigsburg statt.
Das Ausmaß der Katastrophe von Tschernobyl und ihre Folgen wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe durch verschiedene Filme ausführlich beleuchtet. Innerhalb der Woche vor dem Jahrestag werden im Filmhaus Stuttgart und im Kommunalen Kino Heilbronn Spielfilme und Dokumentationen zum Thema gezeigt. Filmvorführungen finden in der Zeit vom 19. bis 26. April täglich statt.
Die Infoveranstaltung „Der Supergau von Tschernobyl“ bietet Informationen zu den Ereignissen und den konkreten Folgen des Supergaus. Im Rahmen der Veranstaltung wird die Dokumentation „Tschernobyl – Der Millionensarg“ gezeigt. Ort der Veranstaltung am 18. April ist das DemoZ Ludwigsburg.
Ein Gedenkgottesdienst in Lauffen a.N. (beim AKW Neckarwestheim) für die Opfer der Katastrophe von Tschernobyl ist Teil der Veranstaltungsreihe. Er findet am 23. April um 9.45 Uhr in der Lauffener Regiswindiskirche (ev. Stadtkirche) statt.
Mit einem Infostand in der Fußgängerzone Stuttgart am Montag, den 24. April, beteiligen wir uns erneut an der Europäischen Unterschriften-Kampagne „Eine Million EuropäerInnen fordern den Ausstieg aus der Atomenergie“. Diese Kampagne wurde jetzt bis Oktober 2006 verlängert.
Seit 20 Jahren findet am AKW Neckarwestheim jährlich am 26. April eine Mahnaktion für die Opfer von Tschernobyl statt. Gerade auch in diesem Jahr fordern wir erneut an diesem Tag im Gedenken an die Opfer der Atomkraft die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen – weltweit. Beginn der Aktion ist um 19.30 Uhr vor Tor 1 des AKWs.
Abschluss der Veranstaltungsreihe ist eine Diskussionsveranstaltung mit der Schweizer Journalistin Susan Boos am 4. Mai im DemoZ Ludwigsburg. Auf Einladung der UNEP (Umweltprogramm der UNO) beteiligte sich Boos an den diesjährigen offiziellen Tschernobyl-Kongressen in Kiew und Weißrussland. Die Veranstaltung bietet somit einen hochaktuellen Einblick in die Lage vor Ort. Sie informiert auch über die offiziellen Verharmlosungsstrategien der Atomindustrie und - befürworter bezüglich der Atomkatastrophe von Tschernobyl.
Die Veranstaltungen finden in der Zeit vom 04. April bis zum 4. Mai 2006 statt. Die Veranstaltungen (außer Kino) kosten keinen Eintritt, es wird jedoch um Spenden gebeten.
Die Veranstaltungsreihe „20 Jahre nach Tschernobyl – Atomausstieg jetzt!“ wird vom Solidaritätsfonds der Hans-Böckler-Stiftung unterstützt.