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Tschernobyl 26.04.1986
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Langzeitfolgen und Strahlentote

Was braucht man nach einem Supergau?

Viele Menschen die Brände löschen, aufräumen, säubern, evakuieren, täglich Fahrzeuge und Gebäude dekontaminieren, Erde abtragen, Straßen neu asphaltieren, Beerdigungen durchführen, Verletzte und Verstrahlte versorgen, Jod-Tabletten verteilen, Sperrzonen einrichten und bewachen, die Einsargung vom Block 4 vornehmen und unter Lebensgefahr einen Sarkophag bauen. Nichtvorhandene Geigerzähler, mehrere hundert Fachleute und Arbeiter die täglich weiter in den Blöcken 1-3 Atomstrom produzieren, Hubschrauber und Piloten, Krisenstäbe, Politiker die kurzfristig vor Ort erscheinen, Medikamente und medizinisches Gerät, viele Ärzte die jahrzehntelang Kinder auf Leukämie und Schilddrüsenkrebs untersuchen und behandeln, bei Erwachsenen und Kindern Krebsgeschwüre operieren, Wissenschaftler die im Auftrag der Politiker öffentliche Stellungnahmen abgeben, ein Verbot Strahlenmesswerte zu veröffentlichen...
und vor allen Dingen: offiziell keine Toten!

  • Nach dem Supergau wurden in Tschernobyl mindestens 650.000 soganannte Liquidatoren zu unterschiedlichen Arbeiten eingesetzt. Dies waren Soldaten, Bauarbeiter, Bergleute, Polizisten usw. Sie begannen unmittelbar danach mit nur notdürftiger Schutzausrüstung im 10 - bis 90 Sekundentakt auf dem Dach der beschädigten Reaktoren zu arbeiten. Ein längerer Einsatz wäre sofort tödlich gewesen. Sie waren als "Bioroboter" eingesetzt, da bei den Robotern die Elektronik aufgrund der Strahlung außer gefecht gesetzt wurde. Alle waren auch in der Folgezeit bei allen Arbeiten einer erhöhten Strahlung ausgesetzt. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in der Ukraine sind dort allein bis 1996 ca. 15.000 der Liquidatoren gestorben. Offizielle Zahlen aus anderen Regionen gibt es nicht. Es kann von mindestens 25.000 Toten unter den Liquidatoren ausgegangen werden. Invaliden, Tumor- und Leukämiekranke, Herz-Kreislaufkranke, Entzündungen im Magen-Darm-Bereich, psychische Erkrankungen betreffen zusätzlich eine unbekannte Zahl unter ihnen und vor allen Dingen auch unter der betroffenen Bevölkerung in den verstrahlten Gebieten. Zahlen und Statistiken über Strahlentote unter der Zivilbevölkerung gibt es nicht, sie anzulegen stand unter Strafe.

  • Die Leukämie- und Schilddrüsenkrebserkrankungen bei Kindern stiegen wenige Jahre nach dem Supergau in vielen Regionen sehr stark an. Hier gibt es von Ärzten nachgewiesene regionale Krankheitszahlen, die um das hundertfache anstiegen. Allein in Weißrußland haben 800.000 Jungen und Mädchen unter den gesundheitlichen Folgewirkungen von Tschernobyl zu leiden.

  • Der amerikanische Arzt und Knochenmarkspezialist Robert Gale hat nach der Reaktorkatastrophe viele Strahlengeschädigte behandelt. Er ging bereits im April 1988 davon aus, dass es in den Ländern der UdSSR zusätzlich 25.000 Krebstote und in den westlichen Industrieländern weitere 50.000 Krebstote infolge der freigesetzten radioaktiven Strahlung von Tschernobyl gibt.

Die offizielle Version ist immer noch, dass es 31 Tote aufgrund der Reaktorkatastrophe gab. Dies sind die in den ersten Tagen einen qualvollen Strahlentot gestorbenen Feuerwehrleute und Belegschaftsangehörige. Allein in den drei Folgejahren bis 1989 starben insgesamt 65 Belegschaftsangehörige von Tschernobyl!

Den Gipfel der Unverschämtheit stellt die im Herbst 2005, bewußt im Vorfeld zum zwanzigjährigen Jahrestag von Tschernobyl abgegebene Stellungnahme der Internationalen Atomenergieorganistion (IAEO) abgegebene Erklärung dar. Darin wird behauptet, dass es infolge der Reaktorkatastrophe nur ca. 50 Strahlentote gegeben hätte!
(Die haben übrigens ihren Sitz in Wien)



Wir empfehlen folgende Bücher:

Tschernousenko, Tschernobyl - die Wahrheit, Rowohlt Verlag
Verstrahlt, vergiftet, vergessen - die Opfer von Tschernobyl, Insel Verlag
Medwedjew, das Vermächtnis von Tschernobyl, Daedalus Verlag
Karisch/Wille, der Tschernobyl-Schock, Fischer Verlag
Medwedew, verbrannte Seelen, Hanser Verlag
Susan Boos, beherrschtes Entsetzen, Rotpunktverlag