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Langzeitfolgen
und Strahlentote
Was
braucht man nach einem Supergau?
Viele
Menschen die Brände löschen, aufräumen, säubern,
evakuieren, täglich Fahrzeuge und Gebäude dekontaminieren,
Erde abtragen, Straßen neu asphaltieren, Beerdigungen
durchführen, Verletzte und Verstrahlte versorgen, Jod-Tabletten
verteilen, Sperrzonen einrichten und bewachen, die Einsargung
vom Block 4 vornehmen und unter Lebensgefahr einen Sarkophag
bauen. Nichtvorhandene Geigerzähler, mehrere hundert
Fachleute und Arbeiter die täglich weiter in den Blöcken
1-3 Atomstrom produzieren, Hubschrauber und Piloten, Krisenstäbe,
Politiker die kurzfristig vor Ort erscheinen, Medikamente
und medizinisches Gerät, viele Ärzte die jahrzehntelang
Kinder auf Leukämie und Schilddrüsenkrebs untersuchen
und behandeln, bei Erwachsenen und Kindern Krebsgeschwüre
operieren, Wissenschaftler die im Auftrag der Politiker
öffentliche Stellungnahmen abgeben, ein Verbot Strahlenmesswerte
zu veröffentlichen...
und vor allen Dingen: offiziell keine Toten!
- Nach
dem Supergau wurden in Tschernobyl mindestens 650.000
soganannte Liquidatoren zu unterschiedlichen Arbeiten
eingesetzt. Dies waren Soldaten, Bauarbeiter, Bergleute,
Polizisten usw. Sie begannen unmittelbar danach mit nur
notdürftiger Schutzausrüstung im 10 - bis 90
Sekundentakt auf dem Dach der beschädigten Reaktoren
zu arbeiten. Ein längerer Einsatz wäre sofort
tödlich gewesen. Sie waren als "Bioroboter"
eingesetzt, da bei den Robotern die Elektronik aufgrund
der Strahlung außer gefecht gesetzt wurde. Alle
waren auch in der Folgezeit bei allen Arbeiten einer erhöhten
Strahlung ausgesetzt. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden
in der Ukraine sind dort allein bis 1996 ca. 15.000
der Liquidatoren gestorben. Offizielle Zahlen aus
anderen Regionen gibt es nicht. Es kann von mindestens
25.000 Toten unter den Liquidatoren ausgegangen
werden. Invaliden, Tumor- und Leukämiekranke, Herz-Kreislaufkranke,
Entzündungen im Magen-Darm-Bereich, psychische Erkrankungen
betreffen zusätzlich eine unbekannte Zahl unter ihnen
und vor allen Dingen auch unter der betroffenen Bevölkerung
in den verstrahlten Gebieten. Zahlen und Statistiken über
Strahlentote unter der Zivilbevölkerung gibt es nicht,
sie anzulegen stand unter Strafe.
- Die
Leukämie- und Schilddrüsenkrebserkrankungen
bei Kindern stiegen wenige Jahre nach dem Supergau in
vielen Regionen sehr stark an. Hier gibt es von Ärzten
nachgewiesene regionale Krankheitszahlen, die um das hundertfache
anstiegen. Allein in Weißrußland haben 800.000
Jungen und Mädchen unter den gesundheitlichen Folgewirkungen
von Tschernobyl zu leiden.
-
Der amerikanische Arzt und Knochenmarkspezialist
Robert Gale hat nach der Reaktorkatastrophe viele
Strahlengeschädigte behandelt. Er ging bereits im
April 1988 davon aus, dass es in den Ländern
der UdSSR zusätzlich 25.000 Krebstote und
in den westlichen Industrieländern weitere 50.000
Krebstote infolge der freigesetzten radioaktiven Strahlung
von Tschernobyl gibt.
Die
offizielle Version ist immer noch, dass es 31
Tote aufgrund der Reaktorkatastrophe gab. Dies sind
die in den ersten Tagen einen qualvollen Strahlentot gestorbenen
Feuerwehrleute und Belegschaftsangehörige. Allein
in den drei Folgejahren bis 1989 starben insgesamt 65 Belegschaftsangehörige
von Tschernobyl!
Den
Gipfel der Unverschämtheit stellt die im Herbst
2005, bewußt im Vorfeld zum zwanzigjährigen
Jahrestag von Tschernobyl abgegebene Stellungnahme der
Internationalen Atomenergieorganistion (IAEO) abgegebene
Erklärung dar. Darin wird behauptet, dass es infolge
der Reaktorkatastrophe nur ca. 50 Strahlentote gegeben
hätte!
(Die haben übrigens ihren Sitz in Wien)
Wir empfehlen folgende Bücher:
Tschernousenko,
Tschernobyl - die Wahrheit, Rowohlt Verlag
Verstrahlt, vergiftet, vergessen - die Opfer von Tschernobyl,
Insel Verlag
Medwedjew, das Vermächtnis von Tschernobyl, Daedalus
Verlag
Karisch/Wille, der Tschernobyl-Schock, Fischer Verlag
Medwedew, verbrannte Seelen, Hanser Verlag
Susan Boos, beherrschtes Entsetzen, Rotpunktverlag
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