AP: Entwarnung für deutsche Kernkraftwerke kritisiert
AP, 09.08.06
> Entwarnung für deutsche Kernkraftwerke kritisiert
Berlin (AP) Umweltschützer haben die Entwarnung für die deutschen
Atomkraftwerke nach dem Störfall in Schweden kritisiert. Greenpeace
erklärte am Mittwoch in Hamburg, noch liege der entscheidende Bericht
über den Vorfall in Forsmark der schwedischen Atomaufsichtsbehörde nicht
vor. Deshalb seien die Äußerungen der unionsgeführten Bundesländer
falsch, ein solcher Störfall könne in Deutschland nicht passieren.
Auch der Naturschutzbund NABU nannte die Entwarnungen der Atomaufsicht
mehrerer Bundesländer vorschnell. «Wir erwarten von den Landesbehörden
sehr gründliche Untersuchungen, bevor endgültige
Aussagen gemacht werden», sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die
bisherigen Erklärungen erinnerten sehr an die üblichen Beschwichtigungen
und basierten vor allem auf Angaben der Betreiber.
Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW wies darauf hin, dass die
Behörden die Problematik der bei Wartungsarbeiten häufig auftretenden
Fehler vollständig ausklammerten. «Umweltminister Gabriel konzentriert
sich jetzt auf die Vergleichbarkeit von elektrischen Schaltplänen und
setzt dabei voraus, dass bei Wartungsarbeiten keine Fehler gemacht
werden, die die Sicherheitssysteme jederzeit außer Kraft setzen können»,
sagte IPPNW-Atomexperte Hendrik Paulitz. Wegen des Kostendrucks im Zuge
der Liberalisierung der Energiewirtschaft seien aber die Zeiten für
Wartungsarbeiten drastisch verkürzt worden.
Die Vizefraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn, erklärte, wie in
Forsmark offenbarten sich Schwachstellen der Atomkraftwerke erst im
laufenden Betrieb. Dieses Risiko werde auch durch die jetzt vom
Bundesumweltministerium angeordnete Sicherheitsüberprüfung nicht
ausgeräumt. «Auch die Betreiber der Atomkraftwerke in Schweden haben ihre
Anlagen vor dem Störfall für sicher gehalten.»
Die Linken im Bundestag forderten, nach der Beinah-Havarie in einem
schwedischen AKW sollte nicht mehr über längere Laufzeiten diskutiert
werden, sondern darüber, welche deutschen Meiler schleunigst vom Netz zu
nehmen sind. Umweltsprecherin Eva Bulling-Schröter meinte, die Kette von
nicht vorhersehenden Fehler und Havarien zeige, dass die Atomtechnologie
nicht beherrschbar sei: «Deshalb gehört sie schnellstens abgeschafft.»
Die stellvertretende Unionsfraktionschefin Katherina Reiche nannte es
unverantwortlich, wenn jetzt versucht werde, deutsche Atomkraftwerke als
unsicher darzustellen. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte. «Deutsche
Kernkraftwerke gehören nach wie vor zu den sichersten der Welt.»
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