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dpa: Brunsbüttel



DPA, 16.08.06

> Brunsbüttel
> Sicherheitsmängel im Atommeiler?
 
Berlin - Das Atomkraftwerk Brunsbüttel weist nach Einschätzung der 
Deutschen Umwelthilfe (DUH) gravierende Sicherheitsmängel auf. Der 
Reaktor sei auf Störfälle schlechter vorbereitet als das schwedische 
Kernkraftwerk Forsmark, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch am 
Mittwoch in Berlin.

Die Reaktorsicherheitskommission der Bundesregierung habe Defizite beim 
Aufbau der Notstromversorgung festgestellt. Die Grünen und die 
Umwelthilfe forderten eine Stilllegung des Kernkraftwerks. Das 
Bundesumweltministerium bestätigte die Darstellung grundsätzlich, der 
Betreiber Vattenfall wies Sicherheitsmängel zurück.

"Der Reaktor verfügt über ein konzeptionell veraltetes Notstromsystem", 
sagte Ministeriumssprecher Michael Schroeren. Das System entspreche aber 
inzwischen der Genehmigung. Das Kernkraftwerk Brunsbüttel weist nach 
Angaben von Vattenfall Europe "keine sicherheitstechnischen Mängel auf". 
Das habe auch eine derzeit laufende Sicherheitsprüfung ergeben. 
Simulatortests hätten im Jahr 2002 zwar Hinweise auf "extrem 
unwahrscheinliche Ereignisse" gebracht, die Leittechnik sei inzwischen 
aber verändert worden. Ein Störfall wie in Forsmark in Schweden sei 
ausgeschlossen, weil das Schutzkonzept für die Stromversorgung anders als 
dort gestaffelt sei.

Gabriel hatte in der vergangenen Woche für einen vergleichbaren Fall wie 
im schwedischen Atomkraftwerk Entwarnung gegeben. Der Störfall ist nach 
Ansicht von Gabriel nicht auf deutsche Atommeiler übertragbar. Die 
Atomkraftwerke müssten deshalb nicht kurzfristig abgeschaltet werden. 
Gabriel fordert aber eine detaillierte Prüfung in allen 17 deutschen 
Atommeilern, ob die Sicherheitssysteme durch Kurzschluss oder 
Blitzeinschlag ausfallen können. Nach einem Kurzschluss war der Reaktor 1 
in Forsmark im Juli gestoppt worden, weil zwei von vier 
Notstromaggregaten ausfielen.

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel war 1977 ans Netz gegangen. Im Dezember 
2001 hatte eine Wasserstoffexplosion ein Kühlrohr im Sicherheitsbehälter 
zerfetzt und dem Kühlsystem Wasser entzogen, was erst im Februar 2002 
entdeckt wurde. Vattenfall und E.ON sollten daraufhin eine 
Sicherheitsanalyse erstellen. Die Kommission für Reaktorsicherheit 
stellte laut Umwelthilfe 2003 fest, dass die Defizite in der 
Notstromversorgung auch mit einem moderneren Sicherheitsleitsystem nicht 
ausgeglichen werden könnten. Der Meiler hat drei Notstromdieselaggregate. 
Die Atomaufsicht in Kiel hatte ein ähnliches Vorkommnis für Schleswig-
Holstein nach bisherigem Kenntnisstand ausgeschlossen.

Die Grünen forderten, das Atomkraftwerk Brunsbüttel vom Netz zu nehmen, 
bis Gabriel alle Sicherheitsfragen überprüft hat. "Es ist wenig 
aufschlussreich, ob ein identischer Störfall möglich wäre", sagte Grünen-
Fraktionsvize Bärbel Höhn. "Wichtig ist die Bewertung, ob das 
Gesamtsystem sicherer oder weniger sicher ist." Grünen-Chef Reinhard 
Bütikofer verlangte, alle Kernreaktoren mit geringerem 
Sicherheitsstandard vorzeitig abzuschalten und die Reststrommengen auf 
jüngere Atomkraftwerke zu übertragen. Nach dem Atomgesetz werden die 
ältesten vier Kraftwerke Biblis A und B sowie Neckarwestheim und 
Brunsbüttel in dieser Wahlperiode bis 2009 abgeschaltet.

dpa
16.08.2006 - aktualisiert: 16.08.2006, 19:38 Uhr