HA: Deutsche Umwelthilfe bemängelt Brunsbüttel
Hamburger Abendblatt, 18.08.06
> Deutsche Umwelthilfe bemängelt Brunsbüttel
> Atomkraftwerk: Störfall vor zwei Jahren wie im schwedischen Forsmark
BRUNSBÜTTEL -
Ein Störfall vor zwei Jahren im Kernkraftwerk Brunsbüttel (KKB) war
ähnlich wie der kürzlich im schwedischen Reaktor in Forsmark. "Der äußere
Ablauf war nahezu identisch", sagte der Sprecher des KKB-Betreibers
Vattenfall, Ivo Banek, gestern dem Abendblatt. In Brunsbüttel hätten die
Notsysteme aber funktioniert. Die Deutsche Umwelthilfe hatte behauptet,
Brunsbüttel sei schlechter auf diesen Störfall vorbereitet als Forsmark.
Dennoch wird das KKB möglicherweise nachgerüstet, um einige seit Jahren
bekannte Mängel im Sicherheitskonzept so weit wie möglich zu beheben.
"Wir prüfen derzeit, ob die Vorschläge des Betreibers ausreichen", sagte
der Leiter der Atomaufsicht im Kieler Sozialministerium, Wolfgang
Cloosters.
In einem Punkt sind sich der Be-treiber und die Atomaufsicht einig. Das
KKB hat im August 2004 unter Beweis gestellt, daß es einen Störfall wie
in Schweden meistern kann. Damals hatte es in einer armdicken
Stromleitung zur Eigenversorgung des Meilers einen Kurzschluß gegeben.
Nach der Schnellabschaltung des Reaktors sprangen die Notstromdiesel
problemlos an. Ein Grund: Die Diesel in Brunsbüttel hängen direkt an
Notbatterien, während in Forsmark sogenannte Wechselrichter vorgeschaltet
sind. Sie können, wie in Schweden offenbar geschehen, bei einem
Kurzschluß ausfallen. Cloosters wies auf einen weiteren und im Störfall
entscheidenden Unterschied hin: Das Überwachungssystem des Meilers in
Brunsbüttel hat eine eigene Energieversorgung. Ein minutenlanger
Blindflug wie in Forsmark ist damit nahezu ausgeschlossen.
Auf größere Störfälle ist Bruns-büttel aber offenbar weniger gut
vorbereitet. So beklagt die Deutsche Umwelthilfe, daß es im ältesten
Reaktor in Schleswig-Holstein (seit 1976 in Betrieb) nur drei
Notstromdiesel und zwei Stromschienen gibt. Forsmark hat vier Diesel mit
ebenso vielen Leitungen und kann so den Ausfall einzelner Systeme besser
verkraften. Darüber hinaus gab es beim Bau des Kraftwerkes in Brunsbüttel
Planungsfehler beim Störfall-Management. Sie wurden 2002 entdeckt und
machten Schlagzeilen.
"Wir haben damals in Absprache mit der Atomaufsicht einige Veränderungen
vorgenommen", so Banek. Es seien aber weitere Maßnahmen nötig. Insider
gehen davon aus, daß Vattenfall für die Nachrüstung einen zweistelligen
Millionenbetrag investieren müßte. Der Reaktor soll aber nach dem
Atomkonsens im März 2009 abgeschaltet werden.
ubi
erschienen am 18. August 2006