StN: Bei Atomausstieg - EnBW-Chef rechnet mit satten Preisen
Stuttgarter nachrichten, 19.09.06
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Utz Claassen spricht von erwartetem Preisanstieg um 20 bis 50 Prozent
Karlsruhe - EnBW-Chef Utz Claassen rechnet für den Fall des Atomausstiegs
mit Strompreiserhöhungen "im zweistelligen Prozentbereich". Die
Kostensteigerungen wären erheblich: Je nach dem gewählten Ersatz für die
abzuschaltenden Atomkraftwerke, würden sich die Kosten um 20 bis 50
Prozent erhöhen, sagte der Chef der Karlsruher Energie Baden-Württemberg
(EnBW) dem Nachrichtenmagazin "Focus". Beim Einsatz der Windenergie seien
Kostensteigerungen um bis zu 200 Prozent zu erwarten.
Claassen forderte, den Atomausstieg aufzuschieben. "Sind wir als Land so
reich, sind wir als Gesellschaft so arrogant und vermessen, dass wir 30
Milliarden Euro volkswirtschaftlichen Vermögens vorzeitig vernichten
wollen? Wenn ich mir Pisa-Test und Rütli-Schule und Gesundheitsreform
anschaue, habe ich da meine Zweifel." Das Atomkraftwerk Neckarwestheim,
dessen Abschaltung 2009 ansteht, will der Konzern-Chef auf jeden Fall
länger nutzen. Die EnBW werde im vierten Quartal 2006 den Antrag stellen,
Reststrommengen anderer Kernkraftwerke auf Neckarwestheim I zu
übertragen.
Der weltweite Energieverbrauch werde sich langfristig verdoppeln oder
verdreifachen, prognostizierte Claassen. Dieser Bedarf lasse sich nicht
allein mit mehr Effizienz und regenerativer Energie decken. "Wenn wir
dann auf die fossilen Brennstoffe setzen, richten wir eine
Klimakatastrophe an. In aller Welt entscheidet man sich dafür, die
Kernkraft auszubauen."
Auch den Vorschlag von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), die
Suche nach einem Atommüll-Endlager neu zu beginnen, lehnte Claassen ab.
Mit Gorleben sei ein geeignetes Endlager gefunden. Die ebenfalls von
Gabriel angeregte Trennung von Stromnetz und -erzeugung lehnte er ab.
"Das wäre wohl eine Teilenteignung. Durch Verstaatlichung zum Wettbewerb?
Das verstehe ich nicht."
Der EnBW-Chef bot an, im Falle eines Verzichts auf den Atomausstieg die
finanzielle Entlastung "zumindest teilweise an die Gesellschaft
zurückgeben" und in Forschungsförderung, regenerative Energie oder
Speichermedien investieren zu wollen.