dpa: Studie zu Atomendlager untersucht Lagermöglichkeiten im Donautal
dpa, 20.09.06
> Studie zu Atomendlager untersucht Lagermöglichkeiten im Donautal
Ulm/Hannover - Baden-Württemberg kommt als möglicher Standort für ein
Atomendlager ins Gespräch: Nach einer Studie der Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover, die im Auftrag der
Bundesregierung erstellt wurde, könnten sich zwei Regionen im Südwesten
wegen ihrer geologischen Beschaffenheit für die Errichtung eines
Endlagers eignen. Das erste Gebiet reicht die Donau entlang von Ulm bis
Riedlingen (Kries Biberach), das zweite befindet sich im Kreis Konstanz
ungefähr zwischen den Orten Gottmadingen und Engen, wie die "Stuttgarter
Zeitung" berichtet.
Die Untersuchung über die Eignung von Tongesteinen ist nach Angaben des
BGR noch nicht abgeschlossen. Die Ergebnisse beruhen laut Zwischenbericht
auf Karten, Archivmaterial und Bohrungen. Vor-Ort-Untersuchungen und
Probebohrungen wurden indes noch nicht vorgenommen. Eine
Buchveröffentlichung des Ergebnisses wird Ende des Jahres erwartet.
Gleichzusetzen mit konkreten Alternativen für Endlagerstätten seien die
neu erforschten Tongesteinsvorkommen nicht, wie ein BGR-Mitarbeiter der
"Stuttgarter Zeitung" sagte.
Bisher waren vor allem die Salzstöcke in Niedersachsen als Atomendlager
im Gespräch. Um ein Endlager in Baden-Württemberg zu verhindern, will der
Biberacher SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster am 30. September eine
Bürgerinitiative gründen. Das Ergebnis der Voruntersuchungen der BGR sei
für ihn Anlass zur Sorge, dass die Riedlinger Gegend tatsächlich als
Endlagerstandort in Frage komme, heißt es auf seiner Internetseite.
Besser früh als zu spät will der 35-jährige "alles unternehmen, um eine
Endlagerstätte für Atommüll entlang der Donau zu verhindern".
Die Landtags-Grünen bezeichneten die Überlegungen für ein Endlager
zwischen Riedlingen und Donau als "Treppenwitz". "Bekanntlich ist die
Donauregion in Baden-Württemberg löchrig wie ein Schweizer Käse", sagte
der energiepolitische Sprecher Franz Untersteller in Stuttgart. Eine
Gesteinsformation, in der Atommüll hunderttausende von Jahren sicher
eingeschlossen werden könne, sehe anders aus.