SWR: Konstanz/Ulm - Breite Front gegen Atomendlager
SWR, 25.09.06
> Konstanz/Ulm
> Breite Front gegen Atomendlager
Die Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in
Hannover, wonach auch Baden-Württemberg als Standort eines Atomendlagers
in Frage kommt, sorgt weiter für Diskussionen. In Konstanz und Ulm
formiert sich breiter Widerstand.
Kartenausschnitt: Ulm Konstanz (Quelle: SWR)
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Die von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem
Ergebnis, dass sich zwei Regionen in Baden-Württemberg aufgrund ihrer
geologischen Beschaffenheit für den Bau eines Atomendlagers eignen: das
erste Gebiet reicht die Donau entlang von Ulm bis Riedlingen (Kreis
Biberach), das zweite befindet sich im Kreis Konstanz ungefähr zwischen
den Orten Gottmadingen und Engen.
Bürgerinitiative und Argumente dagegen
Zwar wird ein Sprecher des Umweltministeriums mit den Worten zitiert,
dass ein Endlager in Baden-Württemberg derzeit nicht zur Debatte stehe.
Dennoch verlautete aus Biberach, dass dort eine Bürgerinitiative
gegründet werden soll. Nun haben die Studie auch mehrere Bürgermeister
und der Landrat des Kreises Konstanz kritisiert. Der Standort zwischen
den Orten Gottmadingen und Engen sei ungeeignet, sagte Landrat Frank
Hämmerle in Konstanz. Es müsse berücksichtigt werden, dass sich dort in
unmittelbarer Nähe zirkulierendes Grundwasser befindet. Die
Gesteinsschichten seien durchlässig.
Keine Endlagerung wegen des Grundwassers
Der Kreis der Gegner im Raum Konstanz berief sich auf Erkenntnisse des
Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGBR) beim
Regierungspräsidium Freiburg; danach kommt die Endlagerung hier wegen des
Grundwassers nicht in Frage. Die Vertreter der Region entgegneten mit
Blick auf das anvisierte Endlager in Gorleben, dass in Norddeutschland
Tonstein vorkomme, der Mindestanforderungen an eine geologische Barriere
"wie Undurchlässigkeit, hohe Festigkeit und Hohlraumstabilität" erfülle.
Zudem gingen sie davon aus, dass Steinsalz in Salzstöcken aus
geowissenschaftlicher Sicht am beste für die Endlagerung geeignet sei.
"Die politischen Vertreter der Region werden alles dafür tun, dass das
Thema atomares Endmülllager im Landkreis Konstanz von Anfang an keine
reelle Chance auf Umsetzung erhält", hieß es in der gemeinsamen, auch vom
Freiburger Regierungspräsidenten Sven von Ungern-Sternberg mitgetragenen
Stellungnahme.
BGR-Untersuchung noch nicht abgeschlossen
Die Untersuchung über die Eignung von Tongesteinen ist nach Angaben des
BGR noch nicht abgeschlossen. Die Ergebnisse beruhen laut Zwischenbericht
auf Karten, Archivmaterial und Bohrungen. Vor-Ort-Untersuchungen und
Probebohrungen gab indes noch nicht.