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Ftd: Atomkonzerne sollen länger laufen



FTD, 26.09.06

> Atomkonzerne sollen länger laufen

Der Energiekonzern RWE hat eine längere Laufzeit für das Atomkraftwerk 
Biblis beantragt. Kurz darauf kündigte auch der Energieversorger EnBW an, 
das Werk Neckarwestheim I länger am Netz lassen zu wollen.

Biblis ist das älteste deutsche Atomkraftwerk
     Biblis ist das älteste deutsche Atomkraftwerk

RWE hat beantragt, 30 Terawattstunden aus dem Stromkontingent des 
Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich auf das südhessische Kernkraftwerk Biblis 
A zu überbertragen. Die Anlage Mülheim-Kärlich befindet sich im Rückbau. 
Ein Weiterbetrieb ist aus Sicht des Unternehmens technisch 
uneingeschränkt möglich, sicherheitstechnisch voll verantwortbar und 
wirtschaftlich geboten", sagte RWE. Mit der längeren Laufzeit würde 
Biblis A genauso lange am Netz bleiben wie Block B.

Auch der Energieversorger EnBW will eine längere Laufzeit für ein 
Atomkraftwerk erreichen. "Wir werden den Antrag im vierten Quartal 
stellen", sagte ein Sprecher.

Der RWE-Antrag führe zu keiner Veränderung der Gesamtproduktionsmenge, 
die vereinbarungsgemäß von deutschen Kernkraftwerken noch produziert 
werden kann, sagte der Vorstandschef der zuständigen RWE Power, Jan 
Zilius. Er forderte eine ergebnisoffene Diskussion über die Zukunft der 
Atomkraft. Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag zum 
Atomausstieg bis zum Jahr 2020 bekannt.

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Umweltschützer übten scharfe Kritik an dem Schritt und warfen den 
Versorgern vor, sich vom Atomkonsens verabschieden zu wollen. Im noch 
unter Rot-Grün verabschiedeten Atomkonsens sei ausdrücklich vereinbart 
worden, dass Strommengen von Mülheim-Kärlich aus Sicherheitsgründen nicht 
auf den ältesten deutschen Reaktor Biblis A übertragen werden dürften. 
Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte, der Antrag sei ein "Anschlag auf 
die Sicherheit der Bevölkerung". Der Naturschutzbund NABU erklärte, RWE 
reiße "aus reiner Profitgier gesellschaftliche Gräben wieder auf".

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), der über die Anträge 
entscheiden muss, will sich am Dienstagnachmittag in Berlin dazu äußern.