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jW: Heißer Herbst für Konzerne



Junge Welt, 27.09.06

> Heißer Herbst für Konzerne
> Atomgegner kündigen Demos in Biblis, Brunsbüttel und Gorleben an

Reimar Paul

Atomkraftgegner bereiten bundesweite Proteste gegen die vom 
Energieunternehmen RWE beantragte Laufzeitverlängerung für das 
Atomkraftwerk Biblis A (Hessen) vor. Außer in Biblis werde es am 4. 
November auch in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) eine Demonstration 
geben, sagte am Mittwoch der Sprecher der Initiative »X-tausendmal quer«, 
Jochen Stay. Für den 11. November rufen Umweltschützer zu einer 
bundesweiten Kundgebung in Gorleben auf.

RWE hatte am Dienstag bei der Bundesregierung beantragt, den mehr als 30 
Jahre alten Reaktor Biblis A länger laufen zu lassen als im sogenannten 
Atomkonsens vereinbart. Danach müßte das Kraftwerk spätestens 2008 
abgeschaltet werden. Auch für das Atomkraftwerk Brunsbüttel prüfen dessen 
Betreiber E.on und Vattenfall nach eigenen Angaben einen Antrag auf 
längere Laufzeiten.

»Die großen Stromkonzerne wollen die ältesten Reaktoren nichtabschalten. 
Sie spielen mit unser aller Leben«, erklärte Stay. Die Anti-Atom-Bewegung 
werde den Konzernen einen »heißen Herbst« bereiten. Nach Stays Angaben 
wollen sich zahlreiche Bürgerinitiativen und Umweltverbänden an den 
parallel stattfindenden Demonstrationen am 4. November in Biblis und 
Brunsbüttel beteiligen.

Bereits eine Woche später beginnen in Gorleben die Proteste gegen einen 
neuerlichen Castor-Transport ins Wendland. Zwölf Behälter mit 
hochradioaktiven Abfällen aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage 
La Hague sollen mit dem Zug nach Dannenberg und von dort weiter auf 
Lastwagen ins Gorlebener Zwischenlager gebracht werden. Außer der 
Auftaktdemonstration am 11. November planen Atomgegner unter anderem eine 
große Sitzblockade auf der Straße zum Verladebahnhof.

In einer Anzeige, die in möglichst vielen Zeitungen erscheinen soll, 
wollen die Atomkraftgegner der Polizei außerdem ein »Versammlungsverbot« 
für die Zeit des Castortransports erteilen. Hintergrund ist, daß die 
Polizei bei den Atommülltransporten regelmäßig weiträumige Demo-Verbote 
zwischen Lüneburg und Gorleben verhängt. Begründet werden sie mit 
absurden Gefahrenprognosen aus zusammengesuchten, teilweise frei 
erfundenen, Vorfällen aus der Vergangenheit. Die Versammlungsverbote 
wurden von den Gerichten meist für unrechtmäßig erklärt - allerdings 
immer erst nach den Castortransporten.

In der Begründung ihrer Bekanntmachung wollen die Atomkraftgegner nun 
ihrerseits eine Gefahrenprognose rund um die Nutzung von Atomkraft 
veröffentlichen. »Mit unserer Verfügung werden wir 20 Jahre nach dem 
Tschernobyl-GAU unsere Argumente gegen die Nutzung der Atomenergie, gegen 
den Versuch, den maroden Salzstock Gorleben zum Endlager zu machen, und 
gegen den polizeilichen Besatzungszustand im Wendland minutiös 
zusammentragen«, sagte am Mittwoch Francis Althoff von der 
Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (www.castor.de).