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dpa: Fragen und Antworten zur Atomkraft



DPA, 08.10.06

> Fragen und Antworten zur Atomkraft

Nebeneinander stehen die Reaktorgebäude A (r) und B des Kernkraftwerks im 
südhessischen Biblis. 	
Nebeneinander stehen die Reaktorgebäude A (r) und B des Kernkraftwerks im 
südhessischen Biblis.

Berlin (dpa) - Fragen und Antworten zur Atomkraft in Deutschland:

Worauf beruht der »Atomausstieg«?

Die Stilllegung beruht auf dem »Atomkonsens« vom Juni 2000 zwischen der 
damaligen rot-grünen Bundesregierung und den vier größten 
Energieunternehmen Deutschlands. Seit 2002 ist der Ausstieg im Atomgesetz 
festgeschrieben. Aus der Union gibt es Forderungen nach längerer Laufzeit 
für Kernkraftwerke. Die SPD lehnt dies ab. Im Koalitionsvertrag von 2005 
einigten sich beide Parteien auf die unveränderte Beibehaltung des 
Vertrags mit der Wirtschaft. Dieser schließt auch den Bau neuer Reaktoren 
und den Transport zur Wiederaufbereitung von Atommüll im Ausland aus. 
Stattdessen soll bis zum Bau eines Endlagers der Atommüll in 
Zwischenlagern an den Standorten der Meiler deponiert werden.

Wie viele Atomkraftwerke sind in Deutschland am Netz?

Derzeit sind noch 17 Kraftwerke an zwölf Standorten in Westdeutschland in 
Betrieb. Die meisten Anlagen haben eine Leistung von etwa 1300 bis 1400 
Megawatt. Die Stilllegung des niedersächsischen Kraftwerks Stade im 
November 2003 war für Atomkraftgegner der erste konkrete Schritt zum 
Ausstieg aus der Atomenergie. Im Mai 2005 wurde der Meiler im badischen 
Obrigheim abgeschaltet. Als nächstes müssten vier Akw stillgelegt werden: 
voraussichtlich 2007 der Reaktorblock A des hessischen Kraftwerks Biblis, 
etwa 2008 Neckarwestheim I bei Karlsruhe sowie 2009 Biblis B und 
Brunsbüttel in Schleswig-Holstein.

Wie lange sollen die übrigen Kraftwerke noch laufen?

Wie lange ein Akw noch Strom produzieren darf, hängt von seiner 
Reststrommenge ab. Diese wurde nach einem komplizierten Schlüssel bei 
einer angenommenen Regellaufzeit eines Meilers von 32 Jahren errechnet. 
Nach dem Atomkonsens sollen alle Meiler schrittweise bis 2021 
abgeschaltet werden. Als letzte sollen 2020 Isar 2 bei Essenbach und 
Emsland bei Lingen sowie 2021 schließlich Neckarwestheim 2 folgen.

Welchen Anteil hat die Atomenergie an der Stromerzeugung?

Die Produktion von 167,1 Milliarden Kilowattstunden Atomstrom im Jahr 
2004 entsprach einem Anteil von 27,5 Prozent der gesamten Stromerzeugung 
von 607 Milliarden Kilowattstunden. Auf den nächsten Plätzen folgen 
Braunkohle (26,1), Steinkohle (22,8) und Naturgas (10,2). Wind- und 
Wasserkraft kommen zusammen auf 8,6 Prozent. Beim Gesamtenergieverbrauch 
hat die Atomenergie nur einen Anteil von 12,6 Prozent. Mineralöl (36,4 
Prozent) und Gas (22,4) liegen hier deutlich vorn.

Welche Vor- und Nachteile hat die Atomkraft?

Befürworter argumentieren mit der Klimafreundlichkeit. Die deutschen 
Kraftwerke ersparten demnach den Ausstoß von etwa 150 Millionen Tonnen 
Kohlendioxid pro Jahr. Nach Angaben des Deutschen Atomforums ist 
Atomenergie in Deutschland »auf absehbare Zeit wettbewerbsfähig«, da die 
Kosten der Erzeugung klar unter dem Marktpreis für Strom lägen. Kritiker 
argumentieren mit Umwelt- und Sicherheitsrisiken sowie der ungelösten 
Entsorgung des Atommülls. Aus Sicht der Atomkraftgegner ermöglichen vor 
allem umfangreiche staatliche Subventionen in Form von Steuerbefreiungen, 
Investitionszuschüssen und Forschungsgeldern den niedrigen Preis des 
Atomstroms.
08.10.2006   dpa