FR: SPD bekräftigt Atomausstieg
Frankfurter Rundschau, 07.08.06
> SPD bekräftigt Atomausstieg
> "Keine längeren AKW-Laufzeiten" nach Störfall in Schweden
Der Störfall in einem Kernkraftwerk in Schweden hat die Debatte über den
Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland neu angefacht.
Berlin - Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Ulrich Kelber hält die
Atomtechnologie für nicht beherrschbar, lehnt aber einen schnelleren
Atomausstieg ab. "Es wäre angemessen, den Atomausstieg zu beschleunigen,
aber es gibt gültige Verträge", sagte Kelber. "Die Technologie ist extrem
anfällig für terroristische Angriffe oder Sabotageakte."
Die Diskussion über eine Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atommeiler
hält der SPD-Politiker für beendet. "Mit uns ist über eine Verlängerung
nicht zu reden." Angela Merkel habe zwar klar gemacht, dass sie anderer
Meinung sei, stehe aber zum vereinbarten Atomausstieg. Unionspolitiker
wie Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Hessens Ministerpräsident
Roland Koch (CDU) sowie FDP-Chef Guido Westerwelle machen sich dagegen
für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke stark.
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn warnte die große Koalition vor einer
Rückkehr zur Kernenergie und drohte mit Protesten außerhalb des
Parlaments. "Wenn Union oder SPD auf die Idee kommen, wieder in die
Atomwirtschaft einzusteigen, sehen wir uns auf dem Acker wieder", sagte
Kuhn.
Grüne sehen sich bestätigt
Ex-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sprach von einem verhinderten
"Super-GAU" in Schweden. Grünen-Energiepolitiker Hans-Josef Fell
forderte, die Atomkraftwerke schneller als vereinbart abzuschalten.
Das Bundesumweltministerium verwies auf den vereinbarten Atomausstieg bis
2020. Man wolle vorerst von keinem "Beinahe-GAU" in Schweden sprechen und
zunächst die Fakten auswerten, hieß es.
Bei dem Störfall im schwedischen Kraftwerk Forsmark war man nach Ansicht
des früheren Forsmark-Chefkonstrukteurs Lars-Olov Höglund nur etwa 20
Minuten von einem "Super-GAU" durch Kernschmelze entfernt gewesen. dpa/ap