[älterer Artikel][Neuerer Artikel][Übersicht][

manager-magazin: AKW-ABSCHALTUNGEN - Jonglieren mit Reststrom



Manager-Magazin, 08.08.06

> AKW-ABSCHALTUNGEN
> Jonglieren mit Reststrom

Per Ringtausch der genehmigten Kapazitäten wollen die Betreiber der 
geplanten Abschaltung einiger Meiler entgehen. Das werde nicht 
funktionieren, erklärt das Umweltministerium. Doch Wirtschaftsminister 
Michael Glos fordert längere AKW-Laufzeiten. Können die Betreiber 
wirklich der Abschaltung entgehen, oder sie hinauszögern?

Berlin - Das Bundesumweltministerium hat einen Zeitungsbericht 
zurückgewiesen, wonach es Verhandlungen der deutschen Atomkraftwerks-
Betreiber mit der Regierung über längere Laufzeiten für die Atommeiler 
gibt.

© DPA
Großansicht
Zankäpfel: Die Biblis-Atommeiler möchte das Land Hessen länger nutzen als 
es von der Bundesregierung vorgesehen ist

"Es gibt keine Gespräche mit den Betreibern", sagte am Dienstag ein 
Ministeriumssprecher. Der bei den Energiekonzernen diskutierte Ringtausch 
zur Übertragung von Restlaufzeiten auf ältere Atomkraftwerke sei 
rechtlich zudem gar nicht möglich. Die "Financial Times Deutschland" 
hatte dagegen berichtet, die Energiekonzerne stünden in Gesprächen mit 
dem Umwelt- und dem Wirtschaftsministerium, um die Abschaltung von 
Atomkraftwerken in dieser Wahlperiode zu verhindern. Bis 2009 müssen nach 
dem Atomausstiegsgesetz die vier Atommeiler Biblis A und B, 
Neckarwestheim 1 und Brunsbüttel vom Netz gehen.

Bereits im Juni hatte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) Überlegungen 
der Energiekonzerne für einen Ringtausch eine klare Absage erteilt. Es 
sei unmöglich, Restlaufzeiten auf alte Atomanlagen wie Biblis A und 
Brunsbrüttel zu übertragen. Aus den Energiekonzernen war damals bestätigt 
worden, dass es bei den Stromtöchtern entsprechende Gedankenspiele gebe.

Im Zentrum stünden dabei freie Reststrommengen des nie in Betrieb 
gegangenen Reaktors Mülheim-Kärlich, die älteren Atomkraftwerken 
zugeteilt werden könnten. Damit würden ältere Atomanlagen über die 
Bundestagswahl 2009 hinaus in Betrieb bleiben. Dahinter stehen Hoffnungen 
der Branche, dass nach der Bundestagswahl 2009 eine neue Regierung den 
Atomausstieg rückgängig machen könnte.

Umweltministerium hat keine Verlängerungsanträge

Der Ministeriumssprecher sagte, bislang gebe es nur Ankündigungen aus der 
Branche, dass Anträge zur Übertragung von Restlaufzeiten gestellt werden 
sollten. Diese würden gegebenenfalls nach Recht und Gesetz geprüft. 
Bislang lägen dem Ministerium aber keine Anträge vor.

In der großen Koalition ist der Atomausstieg ein nicht endendes 
Streitthema, obwohl im Koalitionsvertrag auf Druck der SPD festgelegt 
wurde, dass am Atomausstieg nicht gerüttelt werden soll. 
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wirbt dennoch für längere 
Laufzeiten für deutsche Atomkraftwerke, während Gabriel auf dem 
Atomausstieg beharrt.

Zusätzliche Brisanz erhält das Thema durch den jüngsten Störfall im 
Atomkraftwerk Forsmark in Schweden. Noch ist nicht abschließend geklärt, 
ob nicht auch in deutschen Anlagen solche Vorfälle möglich sein könnten. 
Das Bundesumweltministerium hatte die Atomaufsichtsbehörden der Länder 
zum Check aufgefordert. Nach dem Störfall sieht die Atomaufsicht mehrerer 
Bundesländer keine Gefahren für die deutschen Reaktoren. "Alles, was wir 
bisher wissen, gibt es keine Hinweise auf eine Vergleichbarkeit", sagte 
Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) am Dienstag. Auch die 
zuständigen Landesministerien in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein 
schlossen einen ähnlichen Störfall aus.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters