StN: Länder: Kein Risiko bei Reaktoren
Stuttgarter Nachrichten, 09.08.06
> Länder: Kein Risiko bei Reaktoren
> Überprüfung nach Panne in Schweden - Betreiber wollen längere
Laufzeiten
Berlin (dpa) - Nach dem Störfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark
sieht die Atomaufsicht der Bundesländer für die 17 deutschen Reaktoren
keine Gefahren.
Das teilten die Betreiberländer Hessen, Baden-Württemberg, Schleswig-
Holstein, Bayern und Niedersachsen nach den von Bundesumweltminister
Gabriel (SPD) verlangten Sicherheitsüberprüfungen mit. Koalitionsexperten
rechnen daher nicht mit einem vorläufigen Abschalten einzelner
Atommeiler, was Gabriel für den Fall gravierender Sicherheitslücken
verlangt hat.
Das Bundesumweltministerium bestätigte am Abend den Eingang der Länder-
Briefe, für die Gabriel eine Frist bis Dienstag gesetzt hatte. Nach den
Atommeiler-Überprüfungen forderten die Länder vom Bund mehr Informationen
über den Störfall in Schweden.
Im Dauerdisput über den Atomausstieg dementierte das Ministerium zugleich
einen Zeitungsbericht, wonach die Bundesregierung mit den Konzernen über
die Verlängerung von Kraftwerkslaufzeiten verhandle.
Aus Kreisen von Kraftwerksbetreibern hatte die "Financial Times
Deutschland" gemeldet, es gebe Gespräche mit der Regierung über längere
Laufzeiten, um ein Abschalten älterer Kraftwerke wie Biblis und
Neckarwestheim noch in dieser Wahlperiode gemäß dem vertraglich
vereinbarten schrittweisen Atomausstieg bis 2020/21 abzuwenden. Danach
sollten Restlaufzeiten des stillgelegten RWE-Meilers Mülheim-Kärlich an
andere Gesellschaften abgetreten werden. Im Gegenzug seien die Konzerne
bereit, sich auf ein von SPD und Grünen verlangtes Verfahren der
Atomendlagersuche einzulassen, statt von vornherein auf den Salzstock
Gorleben zu bestehen.
Das Ministerium wies dies zurück. "Weder unser Minister noch das Ressort
führen hier irgendwelche Verhandlungen", sagte ein Sprecher. "Es gibt
bisher keine Anträge einzelner Versorger für die Verlagerung von
Laufzeiten. Auch ist ein Ringtausch alter Mülheim-Kärlich-Strommengen auf
andere Betreiberkraftwerke als vertraglich festgelegt überhaupt nicht
möglich."
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer erklärte: "Durch ihre Geheimverhandlungen
mit der Atomlobby begibt sich die Bundesregierung auf einen politisch
höchst gefährlichen Weg." Die FDP-Fraktionsvize Birgit Homburger
erklärte: "Deutsche Kernkraftwerke gehören zu den sichersten weltweit.
Den Störfall in Schweden zum Anlass für die Forderung nach einem
schnelleren Ausstieg zu nehmen, ist unseriös."