SWR: Ex-Atomaufseher hätte Aktienbesitz melden müssen
SWR, 20.07.06
> Stuttgart
> Ex-Atomaufseher hätte Aktienbesitz melden müssen
Der langjährige Chef der Atomaufsicht im Stuttgarter Umweltministerium,
Dietmar Keil, hätte seinen Besitz von EnBW-Aktien melden müssen. Mit
dieser Ansicht widerspricht das Bundesumweltministerium der
Landesumweltministerin Tanja Gönner (CDU), schreibt die "Stuttgarter
Zeitung".
Dietmar Keil (Quelle: dpa)
Dietmar Keil
Bis zu seiner Pensionierung im vergangenen November war der Spitzenbeamte
für die Sicherheit der Kernkraftwerke in Baden-Württemberg zuständig. Von
Seiten des Umweltministeriums hieß es: "Eine beamtenrechtliche
Vorschrift, die es einem Beamten der Kernenergieaufsicht verbietet,
gleichzeitig Aktionär der EnBW zu sein, gibt es nicht."
Dem widersprach nun das Bundesumweltministerium, schreibt das Blatt. Nach
dem Landesverwaltungsverfahrensgesetz "dürfte der für die Atomaufsicht
zuständige Abteilungsleiter verpflichtet gewesen sein, seinem Amtschef
einen Kauf von Aktien der EnBW anzuzeigen", hieß es aus Berlin. Grund: In
seiner damaligen Position hätte Keil an Aufsichtsverfahren gegenüber
Tochterunternehmen der EnBW beteiligt sein können. Der Bund müsse jedoch
nicht mehr einschreiten, da Keil inzwischen pensioniert sei.
Zunächst leugnete Keil seinen Aktienbesitz
Nachdem Keil bei der diesjährigen EnBW-Hauptversammlung anwesend war,
hatte ihn die Zeitung gefragt, ob er Anteilseigner sei. Dies habe der
Pensionär verneint: Er sei lediglich "interessierter Gast". Eine
offizielle Anfrage des Aktionärsvertreters Matthias Gaebler habe
allerdings ergeben, dass Keil 41 EnBW-Aktien besitze. 20 Stimmrechte habe
er selbst wahrgenommen und 21 auf einen Bekannten übertragen. Bei einem
damaligen Kurs von rund 50 Euro ergab das einen Bestand im Wert von etwa
2.000 Euro. Im Nachhinein habe Keil bestätigt, schon seit Jahren EnBW-
Anteilseigner zu sein.