HN-St: Aufgeheizter Fluss drosselt GKN-Betrieb
Heilbronner Stimme, 21.07.06
> Aufgeheizter Fluss drosselt GKN-Betrieb
Von Joachim Kinzinger
Bei der Hitze steigen auch die Flusstemperaturen. 26 Grad Celsius beträgt
derzeit die Wassertemperatur am Neckarpegel in Lauffen. Bei 28 Grad
müsste die EnBW die Leistungen der Kernkraftwerke in Neckarwestheim
drosseln. Der Konzern hat jedoch eine Sondergenehmigung beantragt.
Wenn die Wassertemperatur im Neckar am Pegel Lauffen 28 Grad Celsius
überschreitet, dürfen die beiden Kernkraftwerke in Neckarwestheim nicht
mehr mit voller Kraft gefahren werden. (Foto: Archiv/Dittmar Dirks)
"Kritische Marken rücken in einzelnen Flussabschnitten des Landes in
Sichtweite", sagt Baden-Württembergs CDU-Umweltministerin Tanja Gönner.
Mit steigenden Temperaturen drohe das ökologische Gleichgewicht in
Gewässern zu kippen. Bei über 28 Grad in Neckar und Rhein seien die
Energieversorger gezwungen, die Leistung der Anlagen zurückzufahren, um
die Kühlwasser-Entnahme zu verringern.
An der Neckar-Mess-Station Lauffen sind bereits 26 Grad erreicht. Für
Mitte nächster Woche erwartet das Umweltministerium, dass der kritische
Wert von 28 Grad überschritten wird, da für die kommenden Tage weiterhin
hohe Lufttemperaturen und keine Niederschläge vorausgesagt sind.
"Alle unsere Kraftwerke laufen planmäßig", erklärt EnBW-Pressesprecher
Ulrich Schröder auf Nachfrage der Heilbronner Stimme - die beiden
Reaktoren in Neckarwestheim und Philippsburg I. Der zweite Block in
Philippsburg sei in Revision. Für Schröder ist die derzeitige Lage noch
nicht mit dem Jahr 2003 vergleichbar. Damals musste der GKN-Betreiber
"kleinere Leistungseinschränkungen" wegen des zu aufgeheizten Neckars
verkraften. Der Energiekonzern hat jedoch für beide GKN-Blöcke eine
Sondergenehmigung beantragt, um trotz anhaltender Hitze weiter am Netz zu
bleiben. Ein Sprecher des Umweltministeriums bestätigte den Eingang: "Wir
werden in den nächsten Tagen darüber entscheiden."
Bei langer Trockenheit rückt auch der zweite Pegel in Lauffen in den
Mittelpunkt: Gestern betrug der Abfluss noch 35 Kubikmeter Wasser pro
Sekunde. Die Menge wird wohl weiter langsam fallen. Den Niedrigwasserfall
bei einem Wert von 25 sieht das Land in der kommenden Woche allerdings
noch nicht erreicht.
1989 mussten die beiden Atommeiler in Neckarwestheim an 22 Tagen ihre
Leistung drosseln, 1991 waren es gar 47 Tage, weil der Warnwert um über
48 Stunden unterschritten wurde. Damit will das Umweltministerium bei
Niedrigwasser den Neckar vor weiteren Verdunstungsverlusten schützen.
Die GKN-Betreiber ließen daher vor Jahren für fünf Millionen Euro das
Stauvolumen in der Ehmetsklinge in Zaberfeld von 190 00 auf 590 000
Kubikmeter erweitern, um den Stausee im Notfall bei Trockenzeiten
anzapfen zu können: maximal 335 000 Kubikmeter Wasser. Aber erst im
Zeitraum vom 15. August bis 31. Dezember. Das reicht aus, um die Blöcke
sieben bis acht Tage lang mit Voll-Last fahren zu dürfen. Im September
2003 forderte GKN erstmals Wasser aus dem Stausee an, das über die Zaber
in den Neckar floss.
Im Hitzesommer 2003 hatte das Land für den besonders gefährdeten Neckar
ein fünfstufiges Sauerstoff-Reglement entwickelt. Sobald der
Sauerstoffgehalt unter vier Mikrogramm pro Liter Wasser sinkt, wird an
Schleusen, Wehren und an Kraftwerken Luft in den Fluss eingesprudelt.
Damit werde ein größeres Sterben der Fische im Gewässer abgewendet,
erklärt Umweltministerin Tanja Gönner.
21.07.2006 00:00