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HN-St: Hitzefrei für Kernkraftwerke im Land



Heilbronner Stimme,. 02.08.06

> Hitzefrei für Kernkraftwerke im Land

Von Joachim Rüeck

Die Landesregierung hat einen Notfallplan beschlossen, der die 
Stromversorgung in Hitzeperioden sichern soll. Hintergrund für die 
Übereinkunft mit den Energieunternehmen ist, dass die Sommer nach 
Erkenntnissen des Umweltministeriums in den kommenden Jahren immer heißer 
werden.

Blick über den Neckar auf das Kernkraftwerk Neckarwestheim: Mit ihrem 
Notfallplan für die Energieversorgung will die Landesregierung auch eine 
zu große Erwärmung der Flüsse vermeiden. (Foto: Dittmar Dirks)

Von Joachim Rüeck

Noch bevor der Plan der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist, fand er 
Anwendung: Die Temperaturen in Rhein und Neckar hatten sich Ende 
vergangener Woche der für manche Fischarten kritischen Marke von 28 Grad 
bedrohlich angenähert. Schon Tage zuvor hatte die Energieversorgung Baden-
Württemberg (EnBW) beantragt, Block I des Atomkraftwerks Philippsburg bis 
29 Grad weiter zu betreiben. Um die Situation zu entspannen, schaltete 
das Unternehmen angeblich die Blöcke anderer Kraftwerke ab.

Das Umweltministerium erteilte lediglich eine Ausnahmegenehmigung bis 
28,5 Grad. Und so soll auch weiterhin vorgegangen werden. "Uns fehlen 
Erfahrungswerte. Wir fahren auf Sicht", sagt ein Ministeriumssprecher. 
Erst wenn absehbar sei, dass auch diese Temperatur überschritten werde, 
könne eine noch stärkere Abweichung von wasserrechtlichen Vorgaben 
erlaubt werden.

Der mehrstufige Eskalationsplan schreibt einen Mindestkraftwerkspark 
fest, der unverzichtbar ist, um die Netzspannung aufrecht zu erhalten. 
Welche Kraftwerke dazu gehören, wollen die Energieversorger nicht 
veröffentlichen - die Atommeiler aber mit Sicherheit. Könnten die ersten 
Kraftwerke dieser Kategorie nicht mehr weiterbetrieben werden, müsste in 
einzelnen Gebieten der Strom abgestellt werden, sagte Wirtschaftsminister 
Ernst Pfister (FDP). Das sei immer noch besser als ein unkontrollierter 
Blackout. Doch von dieser Situation sei das Land "noch meilenweit 
entfernt".

Den Vorsorgegedanken des standardisierten Vorgehens bei extremer Hitze 
betonte Umweltministerin Tanja Gönner (CDU). Falls kritische Situationen 
drohten, werde es einen intensiven Austausch von Daten und Informationen 
zwischen Regierung und Unternehmen geben. In Krisen stünden zwar 
ökologische Belange im Vordergrund. Doch "bei einer drohenden Gefährdung 
der Versorgungssicherheit" kämen Ausnahmen in Betracht - allerdings mit 
Auflagen verbunden und zeitlich befristet.

02.08.2006 00:00