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Spiegel Onl.: SCHWEDEN - Vier Atomkraftwerke nach schwerem Störfall abgeschaltet



Speigel online, 03.08.06

SCHWEDEN

> Vier Atomkraftwerke nach schwerem Störfall abgeschaltet

Nach einem schweren Zwischenfall in einem schwedischen Atomkraftwerk sind 
vier Meiler vom Netz genommen worden - die Betreiber können ähnliche 
Störfälle nicht ausschließen. Experten sprechen vom schwersten 
Zwischenfall seit Tschernobyl und Harrisburg.

Stockholm - Nach einem schweren Störfall im Atomkraftwerk Forsmark sind 
insgesamt vier schwedische Reaktoren vom Netz genommen worden. Zwei der 
drei Blöcke des AKW Oskarshamm wurden heruntergefahren, weil die 
Sicherheit nicht gewährleistet sei, teilte der Betreiber mit. Auch in 
Forsmark wurden zwei Reaktoren heruntergefahren.

Atomkraftwerk Forsmark: Schwerer Störfall
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Vattenfall / Hans Blomberg
Atomkraftwerk Forsmark: Schwerer Störfall
Am 25. Juli hatte es im Block Forsmark-1 einen Kurzschluss gegeben, der 
zur Trennung des Reaktors vom Stromnetz führte. Dann versagte die 
Notstromversorgung. Nur weil zwei der vier baugleichen Dieselaggregate 
doch noch ansprangen, konnte in Forsmark ein Teil der Notkühlung wieder 
in Betrieb genommen werden. Näher käme man an eine Kernschmelze nicht 
heran, sagte der Kernkraftexperte Lars-Olov Höglund der schwedischen 
Zeitung "Svenska Dagbladet".

Höglund, als Chef der Konstruktionsabteilung des schwedischen Vattenfall-
Konzerns auch für den Forsmark-Reaktor zuständig, nannte die Störung den 
schwersten Zwischenfall seit Tschernobyl und Harrisburg. Er warf den 
Betreibern in Forsmark vor, den Zwischenfall zu bagatellisieren. Die 
staatliche Atombehörde SKI hatte Höglunds Einschätzung als "übertrieben" 
zurückgewiesen.

Ein Sprecher der Betreiberfirma des AKW Oskarshamm sagte, ein ähnlicher 
Vorfall wie in Forsmark könne nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollen 
nun Anweisungen der Behörden zur Verbesserung der Sicherheit abgewartet 
werden.

Die schwedische Umweltministerin Lena Sommestad will voraussichtlich alle 
schwedischen Reaktoren auf ihre Sicherheit hin prüfen lassen, sobald die 
Untersuchungen des Zwischenfalls abgeschlossen sind.

Nach Bekanntwerden der Reaktorschließung stiegen die Strompreise in 
Schweden auf ein Rekordhoch. Das Land steht am Anfang des Ausstiegs aus 
der Atomenergie und hat seit 1999 bereits zwei der ehemals zwölf 
Reaktoren stillgelegt. Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage zeigt 
jedoch, dass eine wachsende Zahl von Bürgern an der Nukleartechnologie 
festhalten will. Nahezu die Hälfte des schwedischen Strombedarfs wird 
derzeit durch die Atomkraftwerke gedeckt.

sön/AFP/dpa