DDP: Wie sicher ist Biblis?
ddp, 04.08.06
> Wie sicher ist Biblis?
Wiesbaden (ddp-hes). Nach dem Störfall im schwedischen Kernkraftwerk
Forsmark rückt die Sicherheit des pannenanfälligen Atomkraftwerks Biblis
wieder in den Blickpunkt. Die Grünen forderten am Freitag eine
Überprüfung des südhessischen Meilers. Das Umweltministerium in Wiesbaden
teilte mit, es habe den TÜV und die Betreiberfirma RWE Power um eine
Bewertung des Vorfalls in Schweden gebeten. Erstes Ergebnis sei, dass der
sicherheitstechnische Zustand von Biblis «wesentlich besser» sei als der
des Reaktors in Schweden.
In den beiden Biblis-Reaktorblöcken komme eine andere Notstromtechnik zum
Einsatz als in Forsmark, sagte eine Ministeriumssprecherin. Nach ihren
Worten ist das Ministerium als hessische Atomaufsichtsbehörde nach dem
Zwischenfall in Schweden von sich aus aktiv geworden und auf den TÜV und
RWE zugegangen. Dies sei normal, wenn es in einem anderen Atomkraftwerk
einen ungewöhnlichen Vorgang gebe, hieß es.
Der Geschäftsführer der Grünen-Landtagsfraktion, Frank Kaufmann, forderte
am Freitag von der Landesregierung Informationen darüber, wie sich die
Notstromversorgung von Biblis und Forsmark unterscheiden. Außerdem müsse
die Regierung sagen, «wie die Funktionsfähigkeit der Notstromversorgung
in Biblis sichergestellt und überprüft wird und welche Konsequenzen aus
dem Störfall gezogen werden».
Kaufmann sagte, wie in Forsmark habe es auch schon in Biblis oft Probleme
mit der Notstromversorgung gegeben. Der Grünen-Politiker erinnerte an
einen Zwischenfall im Februar 2004. Damals hatte die
Notstandsstromversorgung zwischen Block B und Block A für etwa zwei
Stunden lang nur noch teilweise zur Verfügung gestanden. Der Vorfall
wurde in die Meldekategorie «Eilt» eingestuft.
Ausgelöst hatte den Zwischenfall ein witterungsbedingter Schaden an zwei
zum Kraftwerk führenden Leitungen. Daraufhin hatte sich der Reaktor
automatisch abgeschaltet. Zeitgleich fiel eine Turbine aus, die den
Eigenbedarf des Kernkraftwerks an Strom sicherstellen soll. Als Folge war
die Notstromverbindung zwischen den Reaktorblöcken unterbrochen, ein
Dieselgenerator musste das Kraftwerk mit Strom versorgen.
Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW sieht in dem damaligen Vorfall
in Biblis ein Zeichen für eine «ganz grundlegende, nicht lösbare
Sicherheitslücke». Schon ein Unwetter, ein durch Schneelasten umfallender
Strommast oder ein Sabotageakt könne zu einem Kurzschluss und damit zu
einer gefährlichen Situation in den deutschen Atomkraftwerken führen,
sagte ein Sprecher von IPPNW.
(ddp)