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StZ: Trittin düpiert Atomaufseher



Stuttgarter Zeitung, 24.12.04

> Trittin düpiert Atomaufseher
> Reaktorchef verliert Posten

STUTI7GART. Der Atomexperte Eberhard Grauf wird nicht mehr der 
Reaktorsicherheitskommission angehören. Das hat Bundesumweltminister 
Jürgen Trittin (Grüne) entschieden - gegen das Votum seiner Fachleute, 
aber gemäß dem Wunsch der EnBW.

Von Andreas Müller

Gestern hat Trittin die Neubesetzung der Reaktorsicherheitskommission 
bekannt gegeben. Ein Name steht nicht mehr auf der Liste seiner Berater: 
Eberhard Grauf, international renommierter Atomexperte und bis zum Sommer 
Reaktorchef in Neckarwestheim. Dann wurde er nach einem Streit über 
Sicherheitsfragen entlassen. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums 
erklärte auf Anfrage, Grauf sei nicht mehr aktiv in einem Kernkraftwerk 
tätig; wie in anderen Fällen auch sei damit die Grundlage für seine 
Tätigkeit in der Kommission entfallen.

Mit der gleichen Begründung hatte der Stromkonzern Energie Baden-
Württemberg (EnBW) Trittin bereits im August aufgefordert, Grauf 
abzulösen oder nicht wieder zu berufen. Er sei nach dem Rauswurf nicht 
mehr tragbar und künftig ohnehin "nicht mehr auf dem aktuellen 
Informationsstand", schrieb ihm ein EnBW-Vorstand. Der Grünen-Minister 
hatte das Ansinnen im September noch scharf zurückgewiesen. "Mit seiner 
Fachkenntnis und Erfahrung sowie seiner offenen und unvoreingenommenen 
Argumentation" sei ihm der entlassene Reaktorchef "eine wichtige Stütze", 
erwiderte er. Gründe für dessen Abberufung könne er nicht erkennen. Den 
Wunsch des Stromkonzerns betrachte er daher als "gegenstandslos".

Nun wird gerätselt, was den Sinneswandel bei Trittin bewirkt hat. Der Rat 
seiner Fachleute kann es nicht gewesen sein: Sowohl die Abteilung 
Reaktorsicherheit im Ministerium als auch die 
Reaktorsicherheitskommission selbst hatten sich nach Informationen der 
Stuttgarter Zeitung massiv dafür eingesetzt, Grauf erneut zu berufen. Sie 
verwiesen auf dessen unbestrittene Kompetenz
und warnten vor dem Eindruck, ein unbequemer Experte werde auf Druck der 
Industrie entfernt. Vergangene Woche hatte der zuständige Abteilungschef 
Grauf bei einer Tagung in Bonn sogar noch ausdrücklich gelobt. 
Doch Trittin hatte sich offenbar schon länger festgelegt und war für die 
Argumente seiner Fachleute nicht mehr zugänglich. Die EnBW wollte die 
Erfüllung ihres Wunsches kurz vor Weihnachten nicht kommentieren.