HN-St: Teil der Atom-Millionen geht an Kreis
Heilbronner Stimme, 17.12.04
> Teil der Atom-Millionen geht an Kreis
Von Joachim Rüeck
"Andere Gemeinden kämpfen darum, den Haushalt auszugleichen", sagte
Bürgermeister Mario Dürr bei der Einbringung des Neckarwestheimer Etats
2005. Auch seine Kommune kann kein ausgeglichenes Finanzwerk vorlegen.
Aber nicht, weil das Dorf so arm, sondern weil es so reich ist.
Da die Atom-Gemeinde viele Millionen eingenommen hat (siehe auch Seite
29), steigen die Umlagen entsprechend - auf 8,7 Millionen Euro, das sind
fast 60 Prozent der Gesamtausgaben im Verwaltungshaushalt. Die Folge:
Neckarwestheim kann das Geld für diese hohen Ausgaben im kommenden Jahr
nicht erwirtschaften und muss 6,9 Millionen Euro aus den Rücklagen
nehmen.
Es trifft freilich keine Armen, auch wenn der Rathauschef und sein
Kämmerer Walter Link am Mittwochabend schilderten, was die zuletzt hohen
Einnahmen für die Kommune in den kommenden Jahren bedeuten: 4,45
Millionen Euro Kreisumlage im Jahr 2005, nicht einmal 20 Cent je
eingenommener Gewerbesteuer-Euro bleiben in der Kasse, 2006 winkt der
nächste große Umlage-Brocken.
Trotz der immensen Ausgaben liegen Dutzende von Millionen auf dem
Bankkonto. Doch was haben die Neckarwestheimer von dem prall gefüllten
Gemeindesäckel? Die niedrigsten Grundsteuern im Landkreis, ein
Gewerbesteuer-Hebesatz, der weit unter dem Durchschnitt liegt, und
geringe Gebühren, zählte Link auf. Hinzu kam noch, dass der Gemeinderat
die Abwassergebühren wesentlich moderater erhöht hat, als von der
Verwaltung vorgesehen - obwohl die Gemeinde damit die Genehmigung des
Haushalts durch das Landratsamt aufs Spiel setzt, weil sie gegen das
Prinzip der Kostendeckung verstößt (eine ausführlichere Berichterstattung
folgt).
Foto: Dittmar Dirks
Zwei der größeren Vorhaben, für die Neckarwestheim im kommenden Jahr Geld
ausgibt: Die Grundschule soll umgebaut, der Sportplatz saniert werden.
Einige Vorhaben, für die Geld fließen soll, riss Mario Dürr an: die
Erweiterung der Grundschule, die Sanierung des Ratssaals sowie des
Sportplatzes, der Gemeindeentwicklungsplan, mehrere Baugebiete,
Kinderbetreuung und die Reblandhalle. Weil der Gemeinderat über die
Zukunft der Halle zuletzt heftig, aber ergebnislos gestritten hatte,
hofft Dürr auf "einen gemeinsamen Neustart".
Nach Jahresergebnissen mit hohen Überschüssen prognostiziert Finanzchef
Link ein deutliches Sinken Gewerbesteuer-Einnahmen: Für das kommende Jahr
hat er zwei Millionen Euro eingerechnet - aus zu erwartenden Zahlungen
der örtlichen Betriebe und aus dem Gemeindeanteil des Industriegebiets
Besigheim. Durch die neu organisierte Betreibergesellschaft EnKK soll
auch das Atomkraftwerk wieder Steuereinnahmen bringen - allerdings
weniger als in vorigen Jahren. Und weitere Steuernachzahlungen, so Link,
seien fraglich.