PZ: Heftige Kontroverse über die Energiepolitik - Mappus verwahrt sich gegen Vorwurf der Lüge
Pforzheimer Zeitung, 09.12.04
> Teufel in Debatte zitiert
> Heftige Kontroverse über die Energiepolitik - Mappus verwahrt sich
gegen Vorwurf der Lüge
STUTTGART. Der Streit über die künftige Energiepolitik in Baden-
Württemberg und den Umgang mit Sicherheitsfragen in den Atomkraftwerken
hat im Landtag zu einer scharfen Kontroverse geführt.
Erstmals seit langem zitierte das Parlament gestern den scheidenden
Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) in die von der SPD beantragte
Debatte. SPD-Fraktionschef Wolfgang Drexler und sein Grünen-Kollege
Winfried Kretschmann warfen Teufel vor, sich der Diskussion über den Kurs
der Energie Baden-Württemberg (EnBW) zu entziehen, obwohl er vor einigen
Jahren den Verkauf der Landesanteile an die Electricité de France (EdF)
durchgesetzt habe.
Teufel hatte an der Sitzung nicht teilgenommen, kam aber nach dem
Beschluss sofort in den Plenarsaal. Durch die zeitweise Abwesenheit
einiger CDU-Mitglieder hatten SPD und Grüne die Mehrheit, um den
Regierungschef in die Sitzung zu zitieren. Er griff allerdings trotz
mehrfacher Aufforderung durch die Opposition ebenso wenig in die Debatte
ein wie sein voraussichtlicher Nachfolger, CDU-Fraktionschef Günther
Oettinger.
Drexler sagte, die CDU/FDP-Regierung sei für das Chaos in der
Energiepolitik verantwortlich. Er erinnerte an die Kontroverse zwischen
Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) und EnBW-Chef Utz Claassen über
die Sicherheitsphilosophie in Atomkraftwerken. Außerdem gebe es keine
klare Linie der Regierung über die künftigen Beteiligungen an der EnBW.
Es bestehe die Gefahr, dass der französische Staatskonzern EdF immer mehr
Anteile kaufe und bei der EnBW das Ruder übernehme.
Grüne fordern klare Aussagen
Auch Kretschmann forderte eine klare Aussage der Regierung zur
Energiepolitik. Ferner müssten die Vorgänge um die Entlassung des Leiters
des Atomkraftwerkes Neckarwestheim, Eberhard Grauf, aufgeklärt werden.
Nach Medienberichten soll er Sicherheitsmängel kritisiert haben.
Umwelt- und Verkehrsminister Stefan Mappus (CDU) griff seinerseits die
SPD an und verwahrte sich gegen den Vorwurf, im Zusammenhang mit Graufs
Entlassung gelogen zu haben. Die SPD hatte Mappus unter Hinweis auf einen
Bericht der "Stuttgarter Zeitung" vorgehalten, er habe die Unwahrheit
gesagt. Es sei ihm entgegen seiner Darstellung bekannt gewesen, dass
Graufs Kritik an Sicherheitsmängeln für die Entlassung ausschlaggebend
gewesen sei. SPD und Grüne beriefen sich auf Zeitungsberichte zu
entsprechenden internen Protokollen über die Befragung von Neckarwestheim-
Mitarbeitern und forderten Einsichtnahme darin durch die Abgeordneten.
Dies lehnte Mappus ab, es sei denn, die betroffenen Mitarbeiter würden
die Herausgabe der Protokolle ans Parlament genehmigen. Der CDU-Politiker
warf der Opposition vor, den Vorwurf der Lüge zu erheben, ohne ihn
belegen zu können.