[älterer Artikel][Neuerer Artikel][Übersicht][

StZ: Atomaufsicht soll Protokolle offen legen



Stuttgarter zeitung, 09.12.04

> Atomaufsicht soll Protokolle offen legen
> Opposition fordert Einsicht - Mappus verteidigt Informationspolitik - 
Teufel herbeizitiert

STUITGART. Der Rauswurf des Reaktorchefs in Neckarwestheim hat gestern 
auch den Landtag beschäftigt. Umweltminister Mappus (CDU) wehrte sich 
gegen den Vorwurf, er habe die Öffentlichkeit falsch unterrichtet. Die 
Opposition will nun Einsicht in die Akten.

Von Andreas Müller

"Chaos in der Energiepolitik" lautete der Titel der aktuellen Debatte, 
die die SPD gestern beantragt hatte. Eine scharfe Kontroverse zwischen 
Regierung und Opposition gab es dabei um die Entlassung des Reaktorchefs 
Eberhard Grauf in Neckarwestheim. Die Fraktionschefs Wolfgang Drexler 
(SPD) und Winfried Kretschmann (Grüne) erneuerten ihre Zweifel an der 
Informationspolitik von Umweltminister Stefan Mappus (CDU).

Dabei verwiesen sie auf der Stuttgarter Zeitung vorliegende Protokolle, 
nach denen sich Grauf unmittelbar vor seinem Rauswurf kritisch zu 
Sicherheitsfragen geäußert hatte. So beklagte er die schlechte Stimmung 
in Neckarwestheim und personelle Engpässe durch das neue 
Sicherheitsmanagement. Außerdem rügte er, man habe aus den 
Sicherheitsverstößen 2001 im Kernkraftwerk Philippsburg nichts gelernt. 
Mappus hatte zuvor mehrfach mitteilen lassen, Fragen der Sicherheit 
hätten bei der Entlassung keine Rolle gespielt. Drexler sprach deshalb 
von "Verschleierung", Kretschmann zumindest von Klärungsbedarf. Beide 
forderten den Minister auf, dem Umwelt- und Verkehrsausschuss des 
Landtags die Protokolle der Befragung von Grauf und anderen 
Kraftwerksmanagern vorzulegen. Andernfalls drohten sie indirekt mit einem 
Untersuchungsausschuss.

Mappus ermunterte sie daraufhin, ein solches Gremium einzusetzen: "Das 
Letzte, wovor ich Angst habe, ist die Opposition in Baden-Württemberg." 
Den Vorwurf der Lüge durch die SPD wies er scharf zurück. Die Befragung 
von insgesamt elf Personen habe eindeutig ergeben, dass keine 
"aufsichtsrelevanten Gründe" zur Entlassung Graufs geführt hätten. Dies 
habe auch das Bundesumweltministerium von Jürgen Trittin (Grüne) 
bestätigt, was die Grünen "zur Weißglut" treibe. Die sonstigen Umstände 
zu untersuchen sei nicht Aufgabe der Atomaufsicht.

Der Minister räumte ein, dass sein Haus die Öffentlichkeit 
"zurückhaltend" unterrichtet habe. Dies sei maßgeblich aus Rücksicht auf 
den betroffenen Kraftwerkschef geschehen. Er äußerte sich verärgert, dass 
die Protokolle "illegal" an die Öffentlichkeit gelangt seien. Dies werde 
die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Kernkraftwerke er schweren. 
Grundsätzlich zeigte sich Mappus bereit, die Protokolle dem 
Umweltausschuss zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung sei jedoch, dass 
die Betroffenen damit einverstanden seien. Grauf habe sein Einverständnis 
bereits signalisiert, deutete er an.

Auch um die Zukunft der Energie Baden Württemberg (EnBW) kam es zu einem 
heftigen Schlagabtausch. Die SPD verlangte Auskunft über die Strategie 
der Landesregierung um eine Mehrheitsübernahme durch dei französischen 
Staatskonzern Electricite di France (EdF) zu verhindern. Sie bezog sich 
auf Äußerungen des CDU-Fraktionschefs Günther Oettinger, die 
Oberschwäbischen Elektrizitätswerke als zweiter Hauptaktionär müssten 
"auf Augenhöhe" mit der EdF bleiben. Außerdem erinnerte sie an die Zusage 
von Ministerpräsident Erwin Teufel beim Verkau der EnBW-Landesanteile, 
die EdF strebe keine Mehrheit an. Weder Teufel noch sein designierter 
Nachfolger Oettinger beteiligten sich jedoch an der Debatte. Teufel hatte 
sogar den Plenarsaal verlassen. Daraufhin nutzt, die Opposition die 
Abwesenheit vieler Koalitionsabgeordneter und ließ ihn herbeizitieren. 
Trotz mehrfacher Aufforderung ergriff er aber nicht das Wort.